Unternehmen an PE verkaufen: 7 Fehler, die den Kaufpreis drücken
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Unternehmen an PE verkaufen: 7 Fehler, die den Kaufpreis drücken

Sie möchten Ihr Unternehmen an Private Equity verkaufen? Vermeiden Sie diese 7 häufigen Fehler, die den Kaufpreis um bis zu 30 % drücken können.

SourcingClub··7 Min. Lesezeit

Warum der Verkauf an Private Equity oft unter Wert endet

Der Verkauf eines Unternehmens an einen Private-Equity-Investor kann eine der lukrativsten Entscheidungen im Unternehmerleben sein. PE-Fonds zahlen im DACH-Raum regelmässig EBITDA-Multiples zwischen 5x und 10x -- bei attraktiven Plattform-Targets teilweise deutlich mehr. Doch die Realität zeigt: Viele Unternehmer lassen erhebliches Geld auf dem Tisch liegen. Nicht, weil ihr Unternehmen zu wenig wert wäre, sondern weil vermeidbare Fehler im Verkaufsprozess den Kaufpreis um 20 bis 30 Prozent drücken.

Die folgenden sieben Fehler sehen wir bei Unternehmensverkäufen an Private Equity immer wieder. Jeder einzelne davon kostet realen Unternehmenswert -- und jeder lässt sich mit der richtigen Vorbereitung vermeiden. Ob Sie einen Mehrheitsverkauf, einen Minderheitseinstieg oder eine Nachfolgelösung anstreben: Diese Liste hilft Ihnen, die teuersten Stolperfallen zu umgehen.

Fehler 1: Keine EBITDA-Bereinigung

Private-Equity-Investoren bewerten Unternehmen auf Basis des bereinigten EBITDA. Wer sein EBITDA nicht normalisiert, verschenkt bares Geld. In inhabergeführten Mittelstandsunternehmen gibt es fast immer Posten, die das operative Ergebnis verzerren: ein überhöhtes oder zu niedriges Inhabergehalt, private Fahrzeuge über das Unternehmen, einmalige Rechtskosten, Familienangehörige auf der Gehaltsliste ohne operative Funktion oder Corona-Sondereffekte, die längst überwunden sind.

Die Differenz zwischen HGB-EBITDA und bereinigtem EBITDA beträgt bei typischen Mittelstandsunternehmen zwischen 20 und 60 Prozent. Bei einem Unternehmen mit 800.000 EUR HGB-EBITDA und einem Multiple von 7x bedeuten 150.000 EUR zusätzliche, dokumentierte Bereinigung einen Kaufpreisunterschied von über einer Million Euro.

Der Fehler liegt häufig nicht darin, dass Unternehmer ihre Bereinigungsposten nicht kennen -- sondern darin, dass sie diese nicht professionell aufbereiten und dokumentieren. PE-Investoren akzeptieren nur Bereinigungen, die nachvollziehbar belegt sind. Investieren Sie in eine saubere EBITDA-Bereinigung, bevor Sie den Verkaufsprozess starten. Am besten lassen Sie die Bereinigung von einem M&A-Berater oder Wirtschaftsprüfer validieren, bevor potenzielle Käufer Ihr Zahlenwerk zum ersten Mal sehen.

Fehler 2: Zu hohe Inhaberabhängigkeit

Wenn das Unternehmen ohne den Inhaber nicht funktioniert, wird jeder PE-Investor nervös -- und justiert den Kaufpreis nach unten. Das ist rational: Ein Unternehmen, dessen Kundenbeziehungen, Lieferantenverträge, Produktwissen und strategische Entscheidungen allein im Kopf des Eigentümers liegen, ist ein hohes Risiko für den Käufer. Die Faustregel in der PE-Branche: Extreme Inhaberabhängigkeit kann den Multiple um 20 bis 40 Prozent reduzieren.

Die Lösung beginnt nicht drei Monate vor dem Verkauf, sondern idealerweise zwei bis drei Jahre davor. Bauen Sie eine zweite Führungsebene auf. Delegieren Sie Kundenbeziehungen an Key-Account-Manager. Dokumentieren Sie kritische Prozesse. Stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen auch dann stabil weiterläuft, wenn Sie drei Monate nicht erreichbar sind.

PE-Investoren achten besonders auf drei Indikatoren: Wie viel Umsatz hängt direkt am Inhaber? Gibt es einen operativen Geschäftsführer oder Betriebsleiter, der das Tagesgeschäft steuert? Und existiert ein Management-Team, das die Transition nach dem Verkauf an Private Equity nahtlos tragen kann? Wer alle drei Fragen positiv beantworten kann, verhandelt aus einer deutlich stärkeren Position.

Fehler 3: Falsche Erwartungen beim Kaufpreis

Viele Unternehmer haben eine emotionale Bindung an ihr Lebenswerk -- und das ist verständlich. Doch emotionale Bindung führt häufig zu unrealistischen Kaufpreisvorstellungen. Wer 30 Jahre lang ein Unternehmen aufgebaut hat, empfindet den Wert oft als deutlich höher, als es die nüchternen Zahlen hergeben. Das Problem: Unrealistische Erwartungen blockieren Verhandlungen, verschrecken seriöse Bieter und können den gesamten Verkaufsprozess zum Scheitern bringen.

Die Lösung ist einfach, aber unbequem: Lassen Sie Ihr Unternehmen professionell bewerten, bevor Sie in Gespräche mit PE-Investoren einsteigen. Nutzen Sie marktübliche Multiples als Realitätscheck. Im DACH-Mittelstand liegen die EBITDA-Multiples je nach Branche, Wachstum und Unternehmensgrösse typischerweise zwischen 4x und 8x. Schnell wachsende Software- oder Technologieunternehmen erzielen mehr, klassisches produzierendes Gewerbe oft weniger.

Sprechen Sie vor dem Prozessstart mit einem erfahrenen M&A-Berater über die realistische Bandbreite. Kennen Sie Ihre Untergrenze -- den Preis, unter dem Sie nicht verkaufen wollen. Und verstehen Sie, dass der Marktpreis letztlich von Angebot und Nachfrage bestimmt wird, nicht von Ihrem persönlichen Empfinden. Unternehmer, die mit realistischen Erwartungen in den Prozess gehen, schliessen Transaktionen schneller ab und erzielen paradoxerweise oft bessere Ergebnisse, weil sie als professionelle Verhandlungspartner wahrgenommen werden.

Fehler 4: Kein Wettbewerb unter Bietern

Einer der grössten Hebel für den Kaufpreis ist die Wettbewerbssituation. Wer nur mit einem einzigen PE-Fonds spricht, hat keine Verhandlungsmacht. Der Bieter weiss, dass er der Einzige ist -- und wird das in seinem Angebot reflektieren. Ohne competitive tension gibt es keinen Grund, den Preis nach oben zu korrigieren.

Die Alternative: Ein strukturierter Verkaufsprozess, bei dem mehrere PE-Fonds gleichzeitig angesprochen werden. Das bedeutet nicht, dass Sie eine öffentliche Auktion veranstalten müssen. Auch ein vertraulicher, gezielter Prozess mit fünf bis zehn ausgewählten Investoren erzeugt ausreichend Wettbewerb. Entscheidend ist, dass potenzielle Käufer wissen, dass sie nicht allein am Tisch sitzen.

Ein erfahrener M&A-Berater kann diesen Prozess steuern, ohne dass Vertraulichkeit gefährdet wird. Die Investition in eine professionelle Prozessführung zahlt sich über den höheren Kaufpreis fast immer aus. In der Praxis sehen wir Preisunterschiede von 15 bis 25 Prozent zwischen kompetitiven und nicht-kompetitiven Prozessen.

Fehler 5: Due Diligence unterschätzt

Die Due Diligence ist der Moment der Wahrheit im Verkaufsprozess -- und gleichzeitig der Punkt, an dem viele Transaktionen scheitern oder der Kaufpreis massiv nachverhandelt wird. PE-Investoren prüfen Ihr Unternehmen in der Regel über vier bis acht Wochen aus finanzieller, rechtlicher, steuerlicher, operativer und zunehmend auch aus ESG-Perspektive. Wer auf diese Prüfung nicht vorbereitet ist, zahlt einen hohen Preis.

Die häufigsten Probleme: Ein unvollständiger Datenraum, fehlende oder veraltete Verträge, unklare Gesellschaftsstrukturen, nicht dokumentierte mündliche Vereinbarungen mit Schlüsselkunden oder offene steuerliche Risiken. Jedes dieser Themen gibt dem Käufer Argumente für Preisabschläge oder -- schlimmer noch -- für einen Abbruch der Verhandlungen.

Die Vorbereitung auf die Due Diligence sollte mindestens sechs Monate vor dem Verkaufsstart beginnen. Erstellen Sie einen virtuellen Datenraum mit allen relevanten Unterlagen. Lassen Sie Ihre Verträge von einem Anwalt prüfen. Klären Sie offene Steuer- und Rechtsfragen proaktiv. Je sauberer Ihre Unterlagen, desto weniger Angriffsfläche bieten Sie für Nachverhandlungen. Unternehmen, die mit einem professionell vorbereiteten Datenraum in die Due Diligence gehen, erzielen im Schnitt signifikant höhere Abschlussquoten und geringere Preisabschläge zwischen LOI und Closing.

Fehler 6: Earn-Out-Fallen nicht erkannt

Earn-Out-Klauseln sind ein beliebtes Instrument, um die Lücke zwischen Käufer- und Verkäufererwartungen zu schliessen. Die Idee klingt fair: Ein Teil des Kaufpreises wird an die zukünftige Performance des Unternehmens geknüpft. In der Praxis sind Earn-Outs jedoch eine häufige Quelle für Streitigkeiten -- und oft strukturell zum Nachteil des Verkäufers gestaltet.

Typische Fallen: Umsatz- oder EBITDA-Ziele, die auf aggressiven Wachstumsannahmen basieren und kaum erreichbar sind. Messperioden, die zu kurz oder ungünstig gewählt sind. Fehlende Kontrolle des Verkäufers über die operativen Entscheidungen, die das Earn-Out beeinflussen. Oder Bilanzierungsspielräume, die der Käufer nach dem Closing zu seinen Gunsten nutzt.

Verhandeln Sie realistische KPIs, die Sie auch unter konservativen Annahmen erreichen können. Bestehen Sie auf klaren Definitionen der Messgrössen. Sichern Sie sich operative Mitspracherechte für die Earn-Out-Periode. Und lassen Sie die Earn-Out-Klausel von einem erfahrenen M&A-Anwalt prüfen, bevor Sie unterschreiben.

Fehler 7: Den falschen PE-Partner gewählt

Nicht jeder PE-Fonds ist der richtige Partner für Ihr Unternehmen. Die Unterschiede zwischen PE-Investoren sind erheblich: Investmentfokus, Sektorexpertise, Haltedauer, Value-Creation-Ansatz, Umgang mit dem Management und kulturelle Passung variieren stark. Wer den falschen Investor wählt, riskiert nicht nur einen niedrigeren Kaufpreis, sondern auch eine schwierige Zeit nach dem Closing.

Prüfen Sie den Track Record des Fonds in Ihrer Branche. Wie hat sich die Performance seiner Portfolio-Unternehmen entwickelt? Sprechen Sie mit ehemaligen Geschäftsführern von Portfolio-Unternehmen -- nicht nur mit den Referenzen, die der Fonds Ihnen nennt. Verstehen Sie den Value-Creation-Ansatz: Setzt der Fonds auf organisches Wachstum, Buy-and-Build oder operative Optimierung? Passt das zu Ihrer Vision für das Unternehmen?

Achten Sie auch auf die Teamzusammensetzung des Fonds. Wer wird Ihr Ansprechpartner nach dem Closing? Stimmt die Chemie auf persönlicher Ebene? Ein PE-Investment ist eine Partnerschaft auf mehrere Jahre -- und wie bei jeder Partnerschaft entscheidet die Qualität der Beziehung über den Erfolg. Der höchste Kaufpreis ist nicht immer das beste Angebot, wenn der Partner nicht passt.

Fazit: Vorbereitung ist der beste Hebel für den Kaufpreis

Die meisten dieser sieben Fehler haben eine gemeinsame Ursache: mangelnde Vorbereitung. Wer den Verkauf an Private Equity ernst nimmt, beginnt mit der Vorbereitung 12 bis 24 Monate vor dem geplanten Verkaufsstart. EBITDA bereinigen, Inhaberabhängigkeit reduzieren, Datenraum aufbauen, realistische Erwartungen entwickeln -- all das braucht Zeit, zahlt sich aber direkt im Kaufpreis aus.

Sie denken darüber nach, Ihr Unternehmen an einen PE-Investor zu verkaufen? Auf unserer Seite zum Unternehmensverkauf an Private Equity finden Sie einen umfassenden Leitfaden für den gesamten Prozess. Und wenn Sie Ihr Unternehmen zunächst bewerten lassen möchten, starten Sie mit unserem Verkaufsformular -- vertraulich und unverbindlich.

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