EBITDA-Multiples nach Branche im DACH-Mittelstand, Stand Q3/2026
von Nick HerbigAktualisiert am Datenstand DUB KMU-Multiples Q3/2026
Die Spanne reicht von 2,4x (Konsumgüter, Micro Cap) bis 10,6x (Software und SaaS, Mid Cap). Im Small Cap mit 5 bis 50 Mio. Euro Umsatz liegt der Mittelpunkt der Spannen im Schnitt aller 20 Branchen bei 6,0x. Basis sind die DUB KMU-Multiples Q3/2026, die ich für den DACH-Mittelstand aufbereite und gegen Quartalsausschläge glätte.
Die folgende Übersicht zeigt aktuelle Bewertungsbandbreiten für 20 Branchen im deutschsprachigen Raum. Die Werte repräsentieren Enterprise-Value-zu-EBITDA-Multiples für kleine und mittlere Unternehmen mit einem EBITDA zwischen 0,5 und 5 Millionen Euro. Sie dienen als Orientierung für Deal Origination und Transaktionsprozesse und ersetzen keine individuelle Unternehmensbewertung.
Sie wollen vor allem wissen, was Ihr eigenes Unternehmen wert ist? Im Unternehmenswert-Rechner rechnen Sie Ihre Branche und Ihr EBITDA gegen genau diese Spannen. Die schnelle Überschlagsrechnung zur Frage Wie viel ist mein Unternehmen wert? steht in der Faustformel. Wie aus dem Multiple am Ende der Betrag wird, der bei Ihnen ankommt, zeige ich in der Kaufpreisermittlung.
Auf einen Blick: EBITDA-Multiples DACH 2026
- Bandbreite: 2,4x bis 10,6x je nach Branche und Größenklasse (20 Sektoren, Stand Q3/2026)
- Höchste Bewertung: Software & SaaS, Small Cap 7,5x–9,5x
- Niedrigste Bewertung: Konsumgüter (Non-Food), Micro Cap 2,4x–4,0x
- Size Premium: Mid Cap liegt im Mittelpunkt meist 2x bis 3x, je nach Branche 1,8x bis 3,8x über Micro Cap
- Trend Q3/2026: Software, Telekommunikation und IT-Services geben leicht nach, Pflege und unternehmensnahe Dienste ziehen an, der Rest bleibt stabil
- Formel: Enterprise Value = Bereinigtes EBITDA × Multiple
Was ist ein EBITDA-Multiple?
Ein EBITDA-Multiple (auch EV/EBITDA-Multiple oder Bewertungsmultiple) ist eine Kennzahl aus der Unternehmensbewertung, die den Unternehmenswert (Enterprise Value) ins Verhältnis zum operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) setzt. Die Formel lautet:
EBITDA-Multiple = Enterprise Value ÷ EBITDA
In der M&A-Praxis wird der Multiple umgekehrt angewendet: Man multipliziert das bereinigte EBITDA eines Unternehmens mit einem branchenüblichen Multiple, um den Unternehmenswert zu schätzen. EBITDA-Multiples sind die meistverwendete Bewertungsmetrik bei Unternehmenstransaktionen im DACH-Mittelstand, da sie Unternehmen unterschiedlicher Größe, Rechtsform und Abschreibungspolitik vergleichbar machen.
EBITDA-Multiples werden branchenspezifisch ermittelt, da verschiedene Sektoren unterschiedliche Risiko- und Wachstumsprofile aufweisen. Ein Software-Unternehmen mit planbaren Recurring-Umsätzen rechtfertigt einen höheren Multiple als ein projektbasierter Handwerksbetrieb mit volatilen Erträgen. Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Bewertungsbandbreiten für 20 Branchen.
EBITDA-Multiples nach Branchen (DACH 2026)
Laut DUB KMU-Multiples Q3/2026 führt Software und SaaS mit 7,5x bis 9,5x im Small Cap, Konsumgüter (Non-Food) bildet mit 2,4x bis 4,0x im Micro Cap das untere Ende. Die Tabelle zeigt die Spannen für 20 Sektoren, aufgeschlüsselt nach drei Größenklassen (Micro Cap, Small Cap, Mid Cap). Sortierbar per Klick auf die Spaltenköpfe. Branchen mit Sektor-Detailseiten sind verlinkt.
| Branche | Micro< 5 Mio. | Small ▼5–50 Mio. | Mid> 50 Mio. | Trend |
|---|---|---|---|---|
| Softwareentwicklung & SaaS | 6,1x–7,6x | 7,5x–9,5x | 8,3x–10,6x | ↘ |
| Healthcare & Medizintechnik | 5,9x–7,6x | 7,0x–9,0x | 8,2x–10,0x | → |
| IT-Services & Managed Services | 5,5x–6,8x | 6,6x–8,5x | 7,6x–10,0x | ↘ |
| Gesundheitswesen: Pflege & Dienstleister | 4,0x–6,0x | 6,0x–7,7x | 7,9x–9,7x | ↗ |
| Finanzdienstleistungen & Vers.-Makler | 4,7x–6,3x | 6,0x–7,5x | 8,1x–9,6x | → |
| Telekommunikation & Infrastruktur | 4,2x–6,5x | 5,7x–7,7x | 6,6x–8,2x | ↘ |
| Elektrotechnik & Automation | 4,2x–6,0x | 5,7x–7,6x | 6,9x–8,5x | → |
| E-Commerce & Versandhandel | 4,3x–6,9x | 5,4x–7,3x | 7,3x–9,4x | → |
| Unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B) | 3,7x–5,4x | 5,0x–7,2x | 6,4x–8,0x | ↗ |
| Nahrungs- & Genussmittel | 4,4x–5,7x | 5,5x–6,6x | 6,7x–7,9x | → |
| Immobilien-Dienstl. & Facility Mgmt. | 4,1x–5,0x | 5,0x–6,9x | 6,5x–8,1x | → |
| Chemie, Kunststoffe & Verpackung | 3,6x–4,6x | 5,4x–6,5x | 6,4x–8,1x | → |
| Medien, Marketing & Agenturen | 3,1x–5,0x | 4,4x–6,4x | 6,1x–7,5x | → |
| Maschinenbau & Anlagenbau | 3,5x–4,7x | 4,6x–6,0x | 5,6x–7,3x | → |
| Handwerk & Baugewerbe | 3,7x–5,1x | 4,4x–5,8x | 5,6x–6,8x | → |
| Logistik & Transport | 3,7x–5,0x | 4,5x–5,6x | 5,6x–7,2x | → |
| Stationärer Groß- & Einzelhandel | 3,4x–4,8x | 4,4x–5,5x | 5,1x–6,8x | → |
| Metallverarbeitung & Fertigungstechnik | 3,4x–4,2x | 4,0x–5,4x | 5,0x–7,2x | → |
| Fahrzeugbau & Automotive | 2,7x–4,5x | 3,8x–5,2x | 4,7x–6,0x | → |
| Konsumgüter (Non-Food) | 2,4x–4,0x | 3,5x–5,5x | 4,8x–6,3x | → |
Datengrundlage: DUB KMU-Multiples (aggregierte Markteinschätzungen von M&A-Beratungshäusern im DACH-Raum), Stand Q3/2026. Aufbereitung und Glättung: SourcingClub. DUB-Quelle: dub.de/kmu-multiples. Es ist keine eigene Erhebung. Die EBITDA-Spannen glätte ich gegen Quartalsausschläge (Bewegungen unter 0,15x halte ich, 0,15x bis 0,5x übernehme ich voll, ab 0,5x nur 30 Prozent). Sie sind deshalb nicht in jedem Segment identisch mit den DUB-Rohwerten, die Regel erkläre ich im Beitrag EBITDA-Multiples DACH Q3/2026. Methodik der Reihe in der Studie EBITDA-Multiples DACH 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Warum Multiples in der DACH-Realität abweichen
Die in PwC-Studien, FINANCE-Magazin-Barometern und Pitchbook-Reports publizierten Multiples basieren überwiegend auf Large-Cap-Transaktionen, börsennotierten Vergleichsgruppen und Bloomberg-Datenbanken. Die dort ausgewiesenen EBITDA-Multiples für Branchen wie Maschinenbau oder IT-Services liegen oft bei 8x bis 12x. Im DACH-Mittelstand mit einem bereinigten EBITDA zwischen 0,5 und 5 Mio. Euro sieht das anders aus. Laut DUB KMU-Multiples Q3/2026 liegt Maschinenbau im Small Cap bei 4,6x bis 6,0x, IT-Services bei 6,6x bis 8,5x. Maschinenbau liegt damit rund die Hälfte darunter, IT-Services rund ein Viertel. Das hat strukturelle Gründe.
Dahinter stecken vor allem drei Abschläge. Der Size Discount reflektiert geringere Diversifikation und eingeschränkten Zugang zu institutionellen Käufern und lässt den Multiple gegenüber der Benchmark-Großunternehmen um 1,0x bis 2,5x fallen. Der Illiquiditätsabschlag preist die Tatsache ein, dass Anteile eines inhabergeführten Mittelständlers nicht täglich handelbar sind und der Exit typisch vier bis sieben Jahre dauert. Das Klumpenrisiko auf Kunden-, Lieferanten- oder Personalseite (Top-3-Kunden mehr als 30 Prozent, Abhängigkeit vom Inhaber-CEO) drückt den Multiple zusätzlich um 0,5x bis 1,5x.
Hinzu kommen DACH-spezifische Faktoren, die in angelsächsischen Vergleichsstudien nicht abgebildet sind. Der Meisterzwang in Handwerksgewerken (SHK, Elektro, Metallbau) bindet das Geschäft an eine einzelne zulassungstragende Person und erzeugt im Verkaufsfall eine harte Kontinuitätslücke. Die hohe Inhaberabhängigkeit vieler Familienunternehmen bedeutet, dass Kundenbeziehungen, Preisfindung und Schlüsselentscheidungen beim Gründer liegen. Und die typische Bilanz-Thesaurierung im Mittelstand (einbehaltene Gewinne der letzten 20 Jahre, nicht betriebsnotwendige Immobilien, überschüssige Liquidität) verzerrt das EBITDA nach oben, solange es nicht bereinigt wird.
Der Hintergrund ist eine Nachfolgewelle. Bis Ende 2029 streben rund 545.000 von 3,87 Mio. mittelständischen Unternehmen eine Nachfolge an, rund 109.000 pro Jahr (KfW Research, 2026). Für den engeren Zeitraum 2026 bis 2030 steht in Deutschland für rund 186.000 Unternehmen eine Nachfolge an (IfM Bonn, 2025). Dieses Angebot trifft auf einen aktiven Käufermarkt: Wie sich der Private-Equity-Deal-Flow und die Sektor-Multiples zueinander verhalten, entscheidet über die realistische Bandbreite je Branche und Größenklasse.
Ein konkretes Praxisbeispiel: Ein Maschinenbauer mit 3 Mio. Euro EBITDA, 20 Prozent Exportquote und einem inhabergeführten Familienbetrieb wird in DACH heute typischerweise im Small-Cap-Band von 4,6x bis 6,0x gehandelt (Stand Q3/2026). Der FINANCE-Multiple-Monitor weist für die gleiche Branche im Large-Cap-Bereich 7,8x als Median aus. Die Differenz ist nicht irrational: Sie ist die Summe aus Size Discount, Illiquiditätsabschlag und Inhaberrisiko. Wer diese strukturellen Abschläge ignoriert, verhandelt auf Basis falscher Benchmarks und enttäuscht spätestens im Bieterprozess.
EBITDA-Normalisierung: Die 5 häufigsten Korrekturen im DACH-Mittelstand
Kein seriöser Käufer zahlt einen Multiple auf das buchhalterische EBITDA. Verhandlungsgrundlage ist immer das normalisierte EBITDA, auch Adjusted EBITDA oder bereinigtes EBITDA genannt. Die folgenden fünf Korrekturen sehe ich in fast jedem inhabergeführten Unternehmen im DACH-Mittelstand.
1. Marktkonformes Gesellschafter-Geschäftsführer-Gehalt
Viele Inhaber zahlen sich entweder überdurchschnittliche Gehälter aus (Steueroptimierung über die GmbH) oder unterdurchschnittliche (Thesaurierung im Unternehmen). Im Verkaufsfall wird das Gehalt auf einen marktüblichen Geschäftsführer-Bezug angepasst, typisch 150 bis 250 Tsd. Euro p. a. je nach Größe und Branche. Bei einem Unternehmen mit 1,5 Mio. Euro EBITDA kann allein diese Anpassung 100 bis 300 Tsd. Euro nach oben oder unten ausmachen und den Kaufpreis um 0,5 bis 2,0 Mio. Euro verändern.
Praxisbeispiel: Inhaber eines Brandschutz-Betriebs mit 320 Tsd. Euro Gehalt. Marktvergleich ergibt 180 Tsd. Euro für vergleichbare Position. Add-back ins EBITDA: 140 Tsd. Euro. Bei Multiple 6,0x ein Kaufpreis-Effekt von +840 Tsd. Euro.
2. Miete an den Gesellschafter für verbundene Immobilien
Die Betriebsimmobilie gehört häufig einer separaten Immobilien-GmbH oder dem Inhaber privat. Die gezahlte Miete liegt oft 30 bis 60 Prozent über oder unter marktüblich, je nach Steuergestaltung. Im Bewertungsmodell wird die Miete auf Marktniveau angepasst, dokumentiert durch einen Sachverständigen-Gutachten oder unabhängige Vergleichsmieten. Die Korrektur ist doppelt wichtig: Sie beeinflusst das EBITDA und die spätere Trennung von Objekt- und Operating-Gesellschaft.
Praxisbeispiel: Ein Produktionsbetrieb zahlt 240 Tsd. Euro Miete an die Inhaberfamilie. Marktmiete laut Gutachten: 150 Tsd. Euro. Add-back: 90 Tsd. Euro, Multiple-Effekt 540 Tsd. Euro bei 6,0x.
3. Einmaleffekte und periodfremde Posten
Dazu zählen Corona-Hilfen (KfW-Zuschüsse, Überbrückungshilfen, Kurzarbeitergeld-Erstattungen), Versicherungszahlungen, Rechtsstreit-Kosten und -Erträge, Abschreibungen aus früheren Akquisitionen, Gewinne aus dem Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte sowie einmalige Restrukturierungskosten. Jeder dieser Posten wird herausgerechnet, da er die nachhaltige Ertragskraft nicht widerspiegelt.
Praxisbeispiel: Ein Handelsbetrieb weist im GJ 2023 ein um 280 Tsd. Euro höheres EBITDA durch Corona-Hilfen aus. Diese werden abgezogen, um das Run-Rate-EBITDA zu ermitteln.
4. Familienmitglieder auf der Payroll ohne operative Funktion
Ehefrau als 450-Euro-Sekretärin mit 80 Tsd. Euro Jahresgehalt, Sohn als Prokurist ohne feste Aufgabe, Lebensgefährtin als externe Beraterin mit fixem Monatshonorar: Diese Positionen werden im Due-Diligence- Prozess kritisch durchleuchtet. Der Käufer unterstellt, dass diese Kosten nach Übernahme entfallen, und rechnet sie vollständig ins bereinigte EBITDA zurück. Wichtig ist die saubere Dokumentation: Welche Person macht was, welche Tätigkeit wird nach dem Verkauf wegfallen, welche bleibt erhalten.
Praxisbeispiel: Drei Familienmitglieder mit insgesamt 220 Tsd. Euro Lohnkosten, davon rund 140 Tsd. Euro ohne operative Funktion. Add-back 140 Tsd. Euro, bei einem IT-Services-Multiple von 7,0x ein Wertzuwachs von 980 Tsd. Euro.
5. Nicht-betriebsnotwendiges Vermögen und Überschuss-Liquidität
Altbestände an Immobilien, Oldtimer-Fuhrpark, Lebensversicherungen, Wertpapierdepots der GmbH, überhöhte Kassen- und Bankbestände jenseits des operativen Working-Capital-Bedarfs: All das gehört nicht zur operativen Basis. Im Bewertungsmodell wird dieses Vermögen separat bewertet und als Cash-Position dem Enterprise Value zugeschlagen. Wichtig: Der Mindest-Cash-Bedarf (normalisiertes Working Capital) bleibt im Unternehmen, der Überschuss fällt dem Verkäufer als zusätzlicher Kaufpreisteil zu.
Praxisbeispiel: GmbH mit 2,8 Mio. Euro Liquidität, operativer Bedarf 600 Tsd. Euro. Überschuss-Cash von 2,2 Mio. Euro fällt dem Verkäufer zusätzlich zum Equity Value zu.
In der Praxis summieren sich diese fünf Korrekturen bei typischen DACH-Familienunternehmen auf eine EBITDA-Anpassung von 15 bis 30 Prozent. Wer den Normalisierungsprozess sauber vorbereitet, argumentiert mit dokumentierten Zahlen und verschiebt die Verhandlung zu seinen Gunsten. Wer unvorbereitet in den Prozess geht, verliert Multiples. Mehr zur operativen Umsetzung in meinem Leitfaden EBITDA-Bereinigung und Normalisierung.
Multiple vs. Kaufpreis: Was zwischen EBITDA-Multiple und tatsächlichem Enterprise Value steht
Die Formel Enterprise Value = EBITDA × Multiple beschreibt nur die halbe Wahrheit. Zwischen der Multiple-basierten Ausgangsbewertung und dem Kaufpreis, den der Verkäufer am Closing-Tag tatsächlich auf dem Konto sieht, liegen fünf strukturelle Kaufpreisbrücken. Sie entscheiden darüber, ob aus einem nominellen Multiple von 6,0x ein realer Multiple von 5,2x oder 6,5x wird.
Net Debt / Net Cash
Der Enterprise Value wird auf cash-and-debt-free-Basis ermittelt. Bankschulden, Gesellschafterdarlehen, Pensionsverpflichtungen und Factoring-Linien werden abgezogen, überschüssige Liquidität wird addiert. Typische Effekte: minus 10 bis 30 Prozent des Enterprise Value bei fremdfinanzierten Mittelständlern, plus 5 bis 20 Prozent bei thesaurierten Familienunternehmen.
Working Capital Adjustment
Der Kaufvertrag definiert ein normalisiertes Working Capital (typisch Durchschnitt der letzten 12 Monate oder 24 Monate). Abweichungen zum Closing-Stichtag werden Euro-genau zwischen Käufer und Verkäufer ausgeglichen. Saisonale Geschäfte und Projektgeschäfte mit hohen Anzahlungen führen regelmäßig zu Nachberechnungen von 100 bis 500 Tsd. Euro nach oben oder unten.
Earn-Out Komponenten
Vor allem bei wachstumsabhängigen Geschäftsmodellen (Software, Beratung, E-Commerce) und bei Bewertungsdifferenzen vereinbaren die Parteien erfolgsabhängige Nachzahlungen über 12 bis 36 Monate. Earn-Outs werden regelmäßig an das EBITDA, den Umsatz oder klar messbare Meilensteine gekoppelt und machen oft 10 bis 25 Prozent des Gesamtkaufpreises aus. Das Risiko liegt beim Verkäufer: Kommt die Zielgröße nicht, verfällt der Earn-Out.
Verkäuferdarlehen (Vendor Loan)
Bei strukturierten Finanzierungen stellt der Verkäufer oft 5 bis 15 Prozent des Kaufpreises als nachrangiges Darlehen zur Verfügung. Typische Konditionen: Laufzeit 5 bis 7 Jahre, Zins 4 bis 7 Prozent, Tilgung am Ende oder in Raten. Der Verkäufer übernimmt hier faktisch einen Teil des Finanzierungsrisikos und erhält den entsprechenden Kaufpreisteil verzögert.
W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity)
Statt klassischer Garantiekataloge mit Escrow-Hinterlegung wird in Deals ab 10 Mio. Euro Kaufpreis zunehmend eine W&I-Versicherung abgeschlossen. Prämie 0,8 bis 1,5 Prozent des versicherten Volumens, typischerweise geteilt zwischen Käufer und Verkäufer. Vorteil für den Verkäufer: Kein Escrow, schnellerer Zugriff auf den Kaufpreis. Vorteil für den Käufer: Werthaltige Absicherung ohne Cashflow-Risiko beim Verkäufer.
Rechenbeispiel: Von EBITDA zu Kaufpreis
Bereinigtes EBITDA (normalisiert): 1,80 Mio. EUR
Multiple (IT-Services, Small Cap, illustrativ untere Bandhälfte): 7,0x
Enterprise Value: 1,80 × 7,0 = 12,60 Mio. EUR
minus Nettofinanzschulden: −1,40 Mio. EUR
plus Überschuss-Liquidität: +0,60 Mio. EUR
Equity Value (Signing): 11,80 Mio. EUR
davon Earn-Out (über 24 Monate): −2,00 Mio. EUR
davon Vendor Loan (5 Jahre, 5%): −1,00 Mio. EUR
Cash at Closing: 8,80 Mio. EUR
Der nominelle Multiple von 7,0x entspricht in diesem Beispiel einer Cash-at-Closing-Quote von 4,9x EBITDA. Die restlichen 2,1x sind vertagt oder risikobehaftet. Wer in Verhandlungen nur den Multiple im Blick hat und die Kaufpreisbrücke ignoriert, handelt sich regelmäßig Enttäuschungen ein. Eine saubere Indikation berücksichtigt alle fünf Komponenten und bewertet den realen, risikoadjustierten Kapitalzufluss des Verkäufers. Die Schritte von der Multiple-Bewertung zum verbindlichen Preis fasst die Kaufpreisermittlung zusammen.
Wann andere Bewertungsmethoden zusätzlich zum Multiple sinnvoll sind
Multiples sind die dominante Methode in der M&A-Praxis des DACH-Mittelstands, aber sie sind nicht die einzige valide Bewertungsmethode. Je nach Unternehmensgröße, Branche und Bewertungsanlass ergänzen oder ersetzen andere Verfahren die Multiple-Bewertung. Die folgende Übersicht fasst zusammen, wann welche Methode sinnvoll zusätzlich herangezogen wird.
| Methode | Wann sinnvoll | Typische Schwäche |
|---|---|---|
| EBITDA-Multiple | Standardmethode bei M&A-Transaktionen mit laufender Profitabilität. Für KMU mit 0,5 bis 5 Mio. Euro EBITDA marktüblich. | Bei Verlustunternehmen oder starken Cyclicals nicht belastbar. Ignoriert Finanzierungsstruktur. |
| DCF-Methode | Bei planbaren Cashflows über 5 bis 10 Jahre, stark wachsenden Unternehmen oder kapitalintensiven Infrastrukturdeals. Pflicht für Fairness Opinions und LBO-Finanzierungen. | Hohe Sensitivität gegenüber Diskontierungssatz und Terminal Value. Für kleine KMU unter 1 Mio. Euro EBITDA überproportional aufwendig. |
| Substanzwert | Asset-lastige Unternehmen (Immobilien, Fuhrparks, Maschinenparks, Vorratsbetriebe) und Liquidationsszenarien. Setzt Kaufpreis-Unterkante. | Ignoriert immaterielle Werte (Kundenstamm, Know-how, Marke). Für operative Going-Concern- Bewertungen selten alleinige Grundlage. |
| Ertragswert (IDW S1) | Gesetzliche Bewertungsanlässe: Erbauseinandersetzung, Schiedsverfahren, Abfindungen, Spruchverfahren. Steuerliche Bewertungen mit Finanzamt. | Mechanistische Kapitalisierung nachhaltiger Erträge führt häufig zu Werten 20 bis 40 Prozent unter tatsächlichen Marktpreisen. |
In der Praxis kombinieren seriöse Bewerter mindestens zwei Methoden. Ein IT-Dienstleister mit 2,0 Mio. Euro EBITDA wird typischerweise per EBITDA-Multiple (7,0x = 14,0 Mio. Euro) und per DCF (13,2 Mio. Euro bei 9% WACC und 2% Terminal Growth) bewertet. Die Spanne 13,2 bis 14,0 Mio. Euro dient als Verhandlungskorridor. Wer die Methoden isoliert anwendet, läuft Gefahr, Preispunkte zu fixieren, die in der zweiten Methode nicht gedeckt sind. Für eine detaillierte Gegenüberstellung der Verfahren inklusive Entscheidungsmatrix empfiehlt sich der Methodenvergleich im Detail. Für die Anwendung der DCF-Methode speziell im Mittelstand liefert mein Leitfaden DCF für den Mittelstand eine praxisnahe Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Ihre Multiple-Bandbreite individuell einordnen
Jede Transaktion bringt eigene Faktoren mit, vom bereinigten EBITDA über Kundenkonzentration bis zur Größenklasse. SourcingClub validiert die Bandbreite für Ihren Sektor und benennt die Werttreiber, die im Kaufpreis tatsächlich wirken.
EBITDA-Multiples nach Unternehmensgröße
Neben der Branche ist die Unternehmensgröße der zweitwichtigste Faktor für die Höhe des Multiples. Das sogenannte Size Premium führt dazu, dass größere Unternehmen systematisch höher bewertet werden. Die folgende Tabelle zeigt die EBITDA-Bandbreiten nach Größenklasse für drei Beispielbranchen (Stand Q3/2026):
| Branche | Micro Cap (< 5 Mio.) | Small Cap (5–50 Mio.) | Mid Cap (> 50 Mio.) |
|---|---|---|---|
| IT-Services | 5,5x–6,8x | 6,6x–8,5x | 7,6x–10,0x |
| Maschinenbau | 3,5x–4,7x | 4,6x–6,0x | 5,6x–7,3x |
| Handwerk & Bau | 3,7x–5,1x | 4,4x–5,8x | 5,6x–6,8x |
Datengrundlage: DUB KMU-Multiples (aggregierte Markteinschätzungen von M&A-Beratungshäusern im DACH-Raum), Stand Q3/2026. Aufbereitung und Glättung: SourcingClub.
Das Size Premium resultiert aus mehreren Faktoren: Größere Unternehmen verfügen über diversifizierte Kundenstamme, professionelle Managementstrukturen, belastbare Reporting-Systeme und sind für institutionelle Investoren (Private Equity, Family Offices) zugänglich. Für kleinere Unternehmen mit einem EBITDA unter 1 Mio. Euro ist der Käuferkreis oft auf strategische Käufer und vermögende Privatpersonen beschränkt, was die Nachfrage und damit den Multiple begrenzt.
EBITDA-Multiple berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Berechnung des Unternehmenswerts mit dem EBITDA-Multiple erfolgt in drei Schritten:
Bereinigtes EBITDA ermitteln
Vom buchhalterischen EBITDA werden einmalige Kosten (Rechtsstreitigkeiten, Umzüge), nicht betriebsnotwendige Aufwendungen (privater PKW, überdurchschnittliches Inhabergehalt) und periodfremde Posten herausgerechnet. Das Ergebnis ist der Adjusted EBITDA.
Branchenspezifischen Multiple anwenden
Den bereinigten EBITDA mit dem passenden Branchen-Multiple aus der obenstehenden Tabelle multiplizieren. Die Positionierung innerhalb der Bandbreite hängt von den individuellen Werttreibern ab (Größe, Wachstum, Recurring Revenue, Inhaberabhängigkeit).
Equity Value ableiten
Vom Enterprise Value die Nettofinanzverbindlichkeiten (Bankschulden, Gesellschafterdarlehen) abziehen und überschüssige Liquidität addieren. Das Ergebnis ist der Equity Value, also der Preis, den der Verkäufer erhält.
Rechenbeispiel:
Bereinigtes EBITDA: 1,5 Mio. EUR
Branche: Healthcare, Small Cap (Mittelpunkt der Spanne 8,0x)
Enterprise Value: 1,5 × 8,0 = 12,0 Mio. EUR
Nettofinanzschulden: -1,0 Mio. EUR
Equity Value: 11,0 Mio. EUR
Für eine detailliertere Berechnung mit Berücksichtigung aller Werttreiber nutzen Sie meinen Unternehmenswertrechner. Alternativ bietet der SourcingClub eine professionelle Indikativbewertung für KMU.
Einflussfaktoren auf den Multiple
Die Bewertung eines Unternehmens über Multiples ist keine mechanische Übung. Vier zentrale Faktoren bestimmen, wo innerhalb der Branchenbandbreite ein spezifisches Unternehmen einzuordnen ist. Das Verständnis dieser Treiber ist entscheidend für Käufer und Verkäufer gleichermaßen.
1. Unternehmensgröße
Größere Unternehmen erzielen systematisch höhere Multiples. Bei IT-Services liegt die Spanne im Micro Cap (unter 5 Mio. Euro Umsatz) bei 5,5x bis 6,8x, im Mid Cap (über 50 Mio. Euro Umsatz) bei 7,6x bis 10,0x (Stand Q3/2026). Die Gründe: breitere Kundenbasis, professionellere Managementstrukturen, geringere Klumpenrisiken und höhere Attraktivität für institutionelle Investoren. Dieser sogenannte Size Premium ist einer der konsistentesten Effekte in der Unternehmensbewertung.
2. Umsatzwachstum
Organisches Wachstum ist der stärkste Einzeltreiber für höhere Multiples. Unternehmen mit einem CAGR von über 10 Prozent erzielen im Schnitt 1,0x bis 2,0x höhere Multiples als stagnierende Vergleichsunternehmen. Im SaaS-Bereich gilt die sogenannte Rule of 40 als Benchmark: Die Summe aus Umsatzwachstum und EBITDA-Marge sollte mindestens 40 Prozent betragen. Wachstumsstarke Unternehmen signalisieren dem Käufer Skalierungspotenzial und Marktrelevanz.
3. Wiederkehrende Umsätze
Der Anteil wiederkehrender oder vertraglich gesicherter Umsätze (Recurring Revenue) hat einen überproportionalen Einfluss auf die Bewertung. Ein Facility-Management-Unternehmen mit 80 Prozent Rahmenverträgen wird höher bewertet als ein Projektgeschäft mit vergleichbarem EBITDA. Im Software-Bereich unterscheiden Investoren streng zwischen einmaligen Lizenzumsätzen und Subscription-Modellen. Letztere können den Multiple um 2x bis 4x erhöhen.
4. Inhaberabhängigkeit
Je stärker ein Unternehmen vom Gründer oder Geschäftsführer abhängt, desto niedriger fällt der Multiple aus. Käufer prüfen systematisch, ob das Unternehmen über ein belastbares zweites Management-Level verfügt, ob Kundenbeziehungen institutionalisiert sind und ob Prozesse dokumentiert und skalierbar aufgestellt sind. Inhabergeführte Mittelständler, die eine professionelle Verkaufsvorbereitung durchlaufen, können ihren Multiple durch gezielte Maßnahmen um 0,5x bis 1,5x steigern.
Weitere bewertungsrelevante Faktoren umfassen die Kundenkonzentration (Top-5-Kunden unter 30 Prozent des Umsatzes ist ideal), die Wettbewerbsposition im relevanten Markt, regulatorische Eintrittsbarrieren, die Qualität der Finanzberichterstattung und das Zukunftspotenzial durch Digitalisierung oder Nachhaltigkeitsthemen. Investoren im Deal Origination-Prozess gewichten diese Faktoren systematisch, um die Bandbreite für ein spezifisches Target einzugrenzen.
EBIT vs. EBITDA: Unterschiede und Anwendung
Bei der Multiple-basierten Bewertung werden zwei Gewinnkennzahlen verwendet, die häufig verwechselt werden:
EBIT (Earnings Before Interest and Taxes): Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern. Berücksichtigt Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte.
EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization): Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Eliminiert den Einfluss unterschiedlicher Abschreibungsmethoden.
In der M&A-Praxis hat sich EBITDA als gängigere Bezugsgröße durchgesetzt. Der Grund: EBITDA eliminiert buchhalterische Verzerrungen durch unterschiedliche Abschreibungspolitiken und macht Unternehmen besser vergleichbar. Für kapitalintensive Branchen wie Industrieservices oder Maschinenbau ist der Unterschied zwischen EBIT- und EBITDA-Multiple jedoch erheblich und muss bei der Interpretation berücksichtigt werden.
Ein Beispiel: Ein Maschinenbauunternehmen mit einem EBIT von 1,0 Mio. Euro und Abschreibungen von 0,5 Mio. Euro hat ein EBITDA von 1,5 Mio. Euro. Bei einem Enterprise Value von 8,0 Mio. Euro ergibt sich ein EV/EBIT von 8,0x, aber ein EV/EBITDA von nur 5,3x. Derselbe Unternehmenswert, zwei völlig unterschiedliche Multiples. Die in der Tabelle dargestellten Werte beziehen sich durchgehend auf EV/EBITDA.
Wichtig: Vor der Anwendung eines Multiples muss das EBITDA bereinigt werden. Übliche Bereinigungen umfassen das marktgerechte Inhabergehalt, einmalige Kosten (Rechtsstreitigkeiten, Umzüge), nicht betriebsnotwendige Aufwendungen (privater PKW, Reisekosten) sowie periodfremde Erträge und Aufwendungen. Der bereinigte EBITDA (Adjusted EBITDA) ist die Basis jeder seriösen Bewertung.
Trend-Spalte: So lesen Sie die Pfeile
Die Trend-Spalte in der Branchentabelle zeigt die Entwicklung gegenüber dem Vorquartal (Q2 2026). Grundlage ist der Durchschnitt der drei Segment-Mittelpunkte (Micro, Small, Mid Cap) je Branche. Die Interpretation:
Steigend: Der Durchschnitt der Mittelpunkte ist gegenüber dem Vorquartal um mehr als 0,08x gestiegen. Das betrifft im Q3 Pflege und Dienstleister (+0,13x) sowie unternehmensnahe Dienstleistungen (+0,20x). Treiber sind die anhaltende Nachfrage seitens PE-Investoren und Konsolidierungswellen in beiden Feldern.
Stabil: Der Durchschnitt bewegt sich im Rahmen von +/-0,08x um den Vorquartalswert. Das trifft auf 15 von 20 Branchen zu, darunter Facility Management, Maschinenbau, Healthcare und Handwerk. Stabile Multiples signalisieren ein ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem M&A-Markt.
Fallend: Der Durchschnitt ist um mehr als 0,08x gesunken. Betroffen sind im Q3 Software und SaaS (−0,25x), Telekommunikation (−0,23x) und IT-Services (−0,13x). Hier haben die Käufer nach den hohen Bewertungen der Vorquartale etwas vorsichtiger kalkuliert.
Wichtig: Die Trends beschreiben Marktdurchschnitte. Ein hervorragend positioniertes Unternehmen in einer Branche mit fallendem Trend kann dennoch am oberen Ende der Bandbreite oder darüber bewertet werden. Umgekehrt schützt ein steigender Branchentrend nicht vor niedrigen Bewertungen bei individuellen Schwächen.
Entwicklung der EBITDA-Multiples: Q2 zu Q3 2026
Im Quartalsvergleich Q2 zu Q3 2026 bewegt sich der Markt wenig. Die folgende Tabelle zeigt die größten Veränderungen je Branche im Mid-Cap-Segment (Mittelpunkt der Spanne):
| Branche | Mittelpunkt Q2 | Mittelpunkt Q3 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Unternehmensnahe Dienste | 6,90x | 7,20x | +0,30x |
| Pflege & Dienstleister | 8,55x | 8,80x | +0,25x |
| Healthcare & Medizintechnik | 8,85x | 9,10x | +0,25x |
| Finanzdienstleistungen | 8,65x | 8,85x | +0,20x |
| Software & SaaS | 9,70x | 9,45x | −0,25x |
| Telekommunikation | 7,60x | 7,40x | −0,20x |
| IT-Services | 9,00x | 8,80x | −0,20x |
| Handwerk & Baugewerbe | 6,40x | 6,20x | −0,20x |
Datengrundlage: DUB KMU-Multiples (aggregierte Markteinschätzungen von M&A-Beratungshäusern im DACH-Raum), Stand Q3/2026. Aufbereitung und Glättung: SourcingClub. Gezeigt ist das EBITDA-Multiple je Branche im Mid Cap, Mittelpunkt der Spanne, Q2 zu Q3 2026.
Der Quartalsvergleich Q2 zu Q3 2026 zeigt ein ruhiges Bild. Software und SaaS geben über alle drei Größenklassen nach, ebenso Telekommunikation, und IT-Services fällt am Mid-Cap-Ende von 9,0x auf 8,8x. Zugelegt haben Pflege und Dienstleister sowie unternehmensnahe Dienstleistungen, dazu Healthcare im Mid Cap. Seit Jahresbeginn ist das Niveau über alle 60 Segmente weitgehend stabil geblieben, den stärksten Anstieg zeigt IT-Services am Mid-Cap-Ende (+0,5x seit Q1). Für Unternehmer in nachgebenden Segmenten gilt: Wer einen Verkauf plant, sollte nicht auf eine Markterholung warten, sondern den Verkaufsprozess aktiv vorbereiten und die individuellen Werttreiber maximieren.
Alle Bewegungen aus 60 Segmenten, den Jahresverlauf seit Q1 und die Methodik der Glättung zeige ich im Beitrag EBITDA-Multiples DACH Q3/2026: Entwicklung nach Branche.
Beispielrechnungen: Vom EBITDA zum Unternehmenswert
Die folgenden drei Beispiele illustrieren, wie EBITDA-Multiples in der Praxis angewandt werden. Alle Werte sind vereinfacht und dienen der Veranschaulichung. Für eine individuelle Einschätzung nutzen Sie meinen Unternehmenswertrechner.
Beispiel 1: IT-Dienstleister (Managed Services)
Umsatz: 6,0 Mio. EUR
Bereinigtes EBITDA: 1,2 Mio. EUR (20% Marge)
Recurring Revenue: 75%
Wachstum (CAGR 3J): 12%
Angewandter Multiple: 8,2x (oberes Quartil der Small-Cap-Bandbreite 6,6x bis 8,5x, Stand Q3/2026)
Enterprise Value: 1,2 Mio. x 8,2 = 9,84 Mio. EUR
Nettofinanzschulden: -0,4 Mio. EUR
Equity Value: 9,44 Mio. EUR
Begründung: Hoher Recurring-Anteil und zweistelliges Wachstum rechtfertigen einen Multiple deutlich über dem Mittelpunkt der Small-Cap-Spanne der Branche (7,6x).
Beispiel 2: Gebäudetechnik-Betrieb (Brandschutz)
Umsatz: 4,5 Mio. EUR
Bereinigtes EBITDA: 0,7 Mio. EUR (16% Marge)
Wartungsverträge: 45% des Umsatzes
Wachstum (CAGR 3J): 6%
Angewandter Multiple: 6,0x (leicht über der Mitte des TGA-Korridors von 3,7x bis 7,6x, Referenzzeilen Handwerk und Elektrotechnik, Stand Q3/2026)
Enterprise Value: 0,7 Mio. x 6,0 = 4,2 Mio. EUR
Nettofinanzschulden: -0,3 Mio. EUR
Equity Value: 3,9 Mio. EUR
Begründung: Solides Geschäft mit moderatem Wartungsanteil. Regulatorischer Rückenwind (Brandschutzvorschriften) stützt eine Bewertung leicht über der Mitte des Korridors.
Beispiel 3: Handwerksbetrieb (Elektroinstallation)
Umsatz: 2,8 Mio. EUR
Bereinigtes EBITDA: 0,35 Mio. EUR (13% Marge)
Recurring Revenue: 15% (Wartungsverträge)
Wachstum (CAGR 3J): 3%
Angewandter Multiple: 4,0x (unteres Ende der Micro-Cap-Spanne Handwerk und Baugewerbe von 3,7x bis 5,1x, Stand Q3/2026)
Enterprise Value: 0,35 Mio. x 4,0 = 1,4 Mio. EUR
Nettofinanzschulden: -0,1 Mio. EUR
Equity Value: 1,3 Mio. EUR
Begründung: Geringe Größe, niedrige Recurring-Basis und hohe Inhaberabhängigkeit führen zu einem Multiple am unteren Ende der Bandbreite.
Die Beispiele zeigen: Der Multiple ist keine fixe Zahl, sondern spiegelt die individuelle Qualität des Unternehmens wider. Zwischen dem unteren und oberen Ende der Branchenbandbreite können Bewertungsunterschiede von 100 Prozent und mehr liegen. Eine fundierte Einschätzung erfordert immer die Analyse der unternehmensspezifischen Werttreiber.
Für eine detailliertere Analyse der verschiedenen Bewertungsmethoden empfehle ich meinen separaten Leitfaden, der neben der Multiple-Methode auch DCF-Verfahren und Substanzwertansätze behandelt.
Branchenspezifische Einordnung
Hier gehe ich die wichtigsten Branchen der Tabelle durch, mit Bewertungstreibern, typischen Käufern und der aktuellen Marktlage. Die Zahl in Klammern ist der Mittelpunkt der Small-Cap-Spanne (Stand Q3/2026). Dazu kommen einige Felder, für die DUB keine eigene Zeile führt. Dort nenne ich die Referenzzeilen, an denen ich mich orientiere.
Software & SaaS (8,5x): Premium-Bewertungen mit Substanz
Mit 8,5x im Mittelpunkt der Small-Cap-Spanne erzielen Software- und SaaS-Unternehmen die höchsten Bewertungen im DACH-Mittelstand. Der Grund liegt in der Kombination aus hoher Skalierbarkeit, niedrigen Grenzkosten und planbaren Recurring-Umsätzen. PE-Investoren zahlen für SaaS-Plattformen mit Net-Revenue-Retention über 110 Prozent und einer Rule-of-40-Performance bereitwillig zweistellige Multiples. Für reine Projektgeschäfte ohne Subscription-Modell liegen die Multiples näher bei 6x bis 7x. Besonders begehrt sind vertikale SaaS-Lösungen mit tiefer Branchenintegration und hohen Wechselkosten.
IT-Services & Managed Services (7,6x): Digitalisierung als Wachstumstreiber
IT-Dienstleister und Managed-Service-Provider profitieren vom anhaltenden Digitalisierungsdruck im DACH-Mittelstand. Der Mittelpunkt von 7,6x im Small Cap spiegelt die hohe Nachfrage nach Cloud-Migration, Cybersecurity und IT-Outsourcing. Unternehmen mit hohem Anteil an Managed-Service-Verträgen (wiederkehrende Umsätze) erzielen Multiples am oberen Ende der Bandbreite bis 8,5x. Reine Projektdienstleister und Body-Leasing-Modelle werden mit 5,5x bis 6,8x niedriger bewertet. Der Sektor ist eines der aktivsten Buy-&-Build-Felder im DACH-Raum mit PE-Plattformen, die systematisch regionale IT-Häuser konsolidieren.
Softwareentwicklung & SaaS (8,5x): Wiederkehrende Umsätze an der Spitze
Software-, Data- und KI-Unternehmen führen die Bewertungstabelle an. Ausschlaggebend ist der Anteil wiederkehrender Umsätze: Anbieter mit hoher Abo-Quote, niedriger Abwanderung und einer produktisierten Lösung erreichen im Mid Cap bis 10,6x, während projektlastige Entwicklungshäuser eher im Bereich der IT-Dienstleister liegen. Branchensoftware mit tiefer Prozessintegration wird höher bewertet als horizontale Werkzeuge, weil der Wechsel für Kunden aufwändig ist. Käufer sind neben Private Equity zunehmend Software-Serienkäufer, die planbar profitable Nischenanbieter suchen.
Unternehmensnahe Dienstleistungen (6,1x): Vertragsqualität entscheidet
Business Services bündeln kaufmännisch-professionelle B2B-Dienste von Personaldienstleistung über Prüfung und Zertifizierung bis zum Forderungsmanagement. Die Spreizung innerhalb des Sektors ist groß: regulatorisch getriebene Dienste mit Dauerverträgen liegen deutlich über dem Mittelpunkt, projekt- und personenabhängige Beratungsmodelle darunter. Werttreiber sind Vertragslaufzeiten, Wiederbeauftragungs- quoten und die Frage, wie stark das Geschäft an einzelnen Köpfen hängt.
Steuerberatung & Wirtschaftsprüfung: Umsatz- statt EBITDA-Logik
Kanzleien führt die DUB-Systematik nicht als eigene Branche, und der Markt rechnet dort traditionell anders: Kleine Einheiten wechseln zu einem Vielfachen des übertragbaren Jahresumsatzes den Eigentümer, während investorenfinanzierte Plattformen in bereinigtem EBITDA denken. Was beide Sichten verbindet und was das 9. Steuerberatungsänderungsgesetz seit September 2026 daran ändert, steht auf der Sektorseite Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung.
Healthcare & Medizintechnik (8,0x): Regulatorische Stabilität als Werttreiber
Healthcare und Medizintechnik profitieren von nichtzyklischer Nachfrage, demografischem Rückenwind und hohen regulatorischen Eintrittsbarrieren. Spezialisierte Labore, Medizinproduktehersteller und ambulante Versorgungszentren erzielen regelmäßig Multiples am oberen Ende der Bandbreite. Besonders attraktiv sind Unternehmen mit Kassenzulassungen, CE-Zertifizierungen oder etablierten Vertriebskanälen in den Kliniknetzwerken. Der demografische Wandel in der DACH-Region verstärkt die strukturelle Nachfrage und stützt die Multiples langfristig.
Umwelt & Entsorgung (keine eigene DUB-Zeile): Nachhaltigkeit treibt Bewertungen
Umwelt- und Entsorgungsunternehmen verzeichnen einen der stärksten positiven Trends im DACH-Raum. ESG-Regulierung, Kreislaufwirtschaft und steigende Deponiekosten erhöhen die strategische Relevanz der Branche. Unternehmen mit eigenen Verwertungsanlagen, langfristigen kommunalen Verträgen oder spezialisierten Entsorgungslizenzen erzielen Multiples am oberen Rand. DUB führt Entsorgung nicht als eigene Zeile. Nächstliegende Referenz sind unternehmensnahe Dienstleistungen mit 5,0x bis 7,2x im Small Cap, Werte darüber sind nicht mehr DUB-gedeckt. Der Sektor ist geprägt von hohen regulatorischen Eintrittsbarrieren, was bestehenden Unternehmen einen natürlichen Burggraben verschafft.
Gebäudetechnik & Brandschutz (keine eigene DUB-Zeile): Regulierung schafft Nachfrage
Gebäudetechnik und Brandschutz profitieren von verschärften Brandschutzvorschriften, energetischen Sanierungspflichten und dem Trend zur Gebäudeautomation. Eine eigene DUB-Zeile gibt es nicht, zwischen den Referenzzeilen Handwerk und Elektrotechnik liegt der Korridor im Micro und Small Cap bei 3,7x bis 7,6x. Das passt zu einem soliden Geschäftsmodell mit planbarem Wartungsumsatz. Unternehmen mit hohem Anteil an wiederkehrenden Wartungs- und Prüfverträgen (über 50 Prozent) werden am oberen Ende der Bandbreite bewertet. Der Sektor ist ein aktives Konsolidierungsfeld, da viele inhabergeführte Betriebe in der Nachfolgeregelung stehen.
Elektrotechnik & Automation (6,7x): Industrielle Transformation
Elektrotechnik- und Automationsunternehmen stehen im Zentrum der industriellen Transformation. Der Mittelpunkt von 6,7x im Small Cap spiegelt die solide Nachfrage nach Automatisierungslösungen, Schaltanlagenbau und industrieller Steuerungstechnik wider. Unternehmen mit eigenen Softwarekomponenten (SPS-Programmierung, SCADA-Systeme) erzielen höhere Multiples als reine Installationsbetriebe. Die Energiewende und der Ausbau erneuerbarer Energien schaffen zusätzliche Nachfrageimpulse, insbesondere im Bereich Ladeinfrastruktur und Energiespeicher.
Industrieservices (keine eigene DUB-Zeile): Technische Dienstleistungen mit Substanz
Industrieservices und technische Dienstleistungen umfassen Instandhaltung, Prüfung, Montage und technische Reinigung für Industrieanlagen. DUB führt sie nicht als eigene Zeile, ich orientiere mich an unternehmensnahen Dienstleistungen (5,0x bis 7,2x im Small Cap) und am Maschinenbau (4,6x bis 6,0x). Die Nachfrage ist stabil, die Arbeitsintensität hoch und die Skalierbarkeit begrenzt. Unternehmen mit Rahmenverträgen bei Großkunden, Zertifizierungen (z. B. SCC, ISO 45001) und spezialisierten Nischen (Chemiepark-Services, Offshore-Wartung) liegen am oberen Ende dieser Spannen. Der Fachkräftemangel ist ein zentrales Risiko und gleichzeitig eine Eintrittsbarriere für neue Wettbewerber.
Maschinenbau & Anlagenbau (5,3x): Zyklisch mit Technologie-Upside
Der deutsche Maschinenbau ist das Rückgrat des DACH-Mittelstands. Der Mittelpunkt von 5,3x im Small Cap spiegelt die Zyklizität der Branche bei gleichzeitig hoher technologischer Kompetenz. Nischenmarktführer mit eigener IP, hoher Exportquote und After-Sales-Umsätzen (Ersatzteile, Service) erreichen im Mid Cap bis 7,3x. Reine Lohnfertiger und Zulieferer ohne eigene Produkte liegen am unteren Ende bei 3,5x. Die Transformation durch Industrie 4.0, Digitale Zwillinge und KI-gestützte Produktion schafft Differenzierungsmöglichkeiten, die sich zunehmend in höheren Multiples widerspiegeln.
Facility Management (6,0x): Recurring Revenue im Fokus
Facility-Management-Unternehmen zeichnen sich durch hohe Anteile wiederkehrender Umsätze aus Rahmenverträgen aus. Der Mittelpunkt von 6,0x ist attraktiv für PE-Investoren, die das planbare Cashflow-Profil schätzen. Die Bandbreite (5,0x bis 6,9x) hängt stark vom Kundenmix ab: Unternehmen mit offentlich-rechtlichen Auftraggebern und langfristigen Verträgen werden höher bewertet als solche mit kurzfristigen Gewerbeimmobilien-Mandaten. Integrierte FM-Anbieter (technisch + infrastrukturell) erzielen höhere Multiples als reine Reinigungsfirmen.
Logistik & Transport (5,1x): Margendruck und Konsolidierung
Logistik und Transport stehen unter Druck durch steigende Kraftstoffkosten, Fahrermangel und zunehmende Regulierung (Mautausweitungen, CO2-Bepreisung). Im Quartalsvergleich hat sich das Segment seit Jahresbeginn erholt: Der Small-Cap-Mittelpunkt ist von 4,8x auf 5,1x gestiegen und hat sich im dritten Quartal gehalten, getragen von anhaltender Konsolidierung. Kontraktlogistiker mit langfristigen Kundenverträgen und spezialisierte Nischenanbieter (Pharma-Logistik, Gefahrgut, Kühltransporte) erzielen im Mid Cap bis 7,2x. Asset-Light-Modelle (Speditionsplattformen, 4PL) werden aufgrund der Skalierbarkeit höher bewertet als kapitalintensive Fuhrparkbetreiber.
Beratung & Professional Services (keine eigene DUB-Zeile): People Business mit Bewertungshürden
Beratungen haben keine eigene DUB-Zeile. Nächstliegende Referenz sind unternehmensnahe Dienstleistungen, die über alle Größenklassen von 3,7x bis 8,0x reichen. Die Breite der Spanne zeigt, wie unterschiedlich der Sektor ist. Spezialisierte Nischenberatungen mit proprietären Methoden, eigener IP (Software-Tools, Frameworks) und geringer Partnerfluktuation erzielen die höchsten Multiples. Klassische Body-Leasing-Modelle und generalistische Unternehmensberatungen liegen am unteren Ende. Der größte Bewertungsrisikofaktor ist die Personenabhängigkeit: Wenn Top-Berater gehen, gehen Kunden mit.
Sonstige Dienstleistungen (keine eigene DUB-Zeile): Breites Spektrum
Diese Sammelkategorie umfasst Dienstleister, die nicht eindeutig anderen Sektoren zuzuordnen sind, darunter Personaldienstleister, Sicherheitsdienste, Event- und Marketingagenturen sowie Bildungsanbieter. Die Unterschiede sind groß. Personaldienstleister orientieren sich an unternehmensnahen Dienstleistungen mit 5,0x bis 7,2x im Small Cap, Agenturen an der Zeile Medien, Marketing und Agenturen mit 3,1x bis 5,0x im Micro Cap. Entscheidend ist die Vorhersagbarkeit der Umsätze und die Unabhängigkeit von Einzelpersonen.
Sonstige Produktion: Nischen entscheiden
Kunststoffverarbeitung, Verpackung und Spezialchemie führt DUB unter Chemie, Kunststoffe und Verpackung mit 5,4x bis 6,5x im Small Cap, Metallbearbeitung unter Metallverarbeitung und Fertigungstechnik mit 4,0x bis 5,4x. Nischenmarktführer mit eigenen Fertigungsprozessen, hohen Wechselkosten und stabilen Kundenbeziehungen liegen am oberen Ende, austauschbare Commodity-Produzenten am unteren. Automatisierungsgrad und Energieeffizienz werden zunehmend bewertungsrelevant.
Handwerk & Baugewerbe (5,1x): Fachkräftemangel als Bewertungsrisiko
Mit 5,1x im Small Cap gehört das Handwerk zu den am niedrigsten bewerteten Branchen. Strukturelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, geringe Digitalisierung, hohe Inhaberabhängigkeit und projektbasierte Umsätze drücken die Multiples. Für Buy-&-Build-Plattformen bietet dies jedoch Chancen: Durch Konsolidierung mehrerer Betriebe mit professionellem Management lassen sich Multiple-Arbitragen von 2x bis 3x realisieren. Besonders attraktiv sind Betriebe mit Meisterpflicht in Engpassgewerken (SHK, Elektro), die durch regulatorische Eintrittsbarrieren geschützt sind.
E-Commerce & Handel (6,4x und 5,0x): Differenziertes Bild
Nach den Pandemie-Höchstständen haben sich die Multiples im E-Commerce normalisiert. Im Small-Cap-Segment liegt die Bandbreite bei 5,4x bis 7,3x (Mittelpunkt 6,4x), während der stationäre Handel mit 4,4x bis 5,5x (Mittelpunkt 5,0x) niedriger bewertet wird. D2C-Marken mit starker Kundenbindung, B2B-E-Commerce- Plattformen mit hohen Wechselkosten und Nischenanbieter erzielen im Mid-Cap-Bereich bis zu 9,4x. Im stationären Handel liegen die Mid-Cap-Multiples bei 5,1x bis 6,8x, höher für franchisebasierte Konzepte mit nachgewiesenem Skalierungsmodell.
Nahrungs- & Genussmittel (6,1x): Stabile Nachfrage mit Margendruck
Im Small-Cap-Segment liegen die Multiples bei 5,5x bis 6,6x (Mittelpunkt 6,1x). Der Sektor profitiert von stabiler Grundnachfrage und etablierten Lieferketten. Steigende Rohstoff- und Personalkosten drücken jedoch die Margen. Höhere Bewertungen bis 7,9x (Mid Cap) erzielen Lebensmittelproduzenten mit starken Marken, Handels-Eigenmarken-Aufträgen und diversifiziertem Kundenstamm. Micro-Cap-Betriebe liegen mit 4,4x bis 5,7x am unteren Ende der Bandbreite.
EBITDA-Multiples: Deutschland, Österreich & Schweiz im Vergleich
Obwohl der DACH-Raum als einheitlicher M&A-Markt betrachtet wird, existieren länderspezifische Unterschiede, die bei der Bewertung berücksichtigt werden müssen:
Deutschland
Deutschland bildet den Referenzmarkt für die in dieser Analyse dargestellten Multiples. Der größte KMU-Markt Europas zeichnet sich durch hohe Transaktionsaktivität, eine breite PE-Investorenlandschaft und gut dokumentierte Vergleichstransaktionen aus. Regionale Unterschiede bestehen zwischen den wirtschaftsstarken Regionen (München, Hamburg, Rhein-Main) mit tendenziell höheren Multiples und strukturschwachen Gebieten.
Österreich
Österreichische KMU werden weitgehend auf deutschem Niveau bewertet, mit leichten Abschlägen von 0,2x bis 0,5x in strukturschwachen Regionen außerhalb von Wien und Oberösterreich. Der kleinere Markt bedeutet weniger Käuferkonkurrenz, was die Multiples leicht drückt. Umgekehrt profitieren exportorientierte Unternehmen mit DACH-weitem Kundenstamm von gleichwertigen Bewertungen.
Schweiz
Schweizer KMU erzielen systematisch 0,5x bis 1,0x höhere Multiples als vergleichbare deutsche Unternehmen. Gründe sind das höhere Margenniveau (bedingt durch höhere Preise und Löhne), die politische und währungspolitische Stabilität, die internationale Ausrichtung vieler Schweizer Firmen sowie eine starke Nachfrage von internationalen PE-Investoren. Besonders ausgeprägt ist der Aufschlag bei Pharma-Zulieferern, Medizintechnik und spezialisierten Finanzdienstleistern.
Praktische Anwendung für Käufer und Verkäufer
Für Unternehmer und Verkäufer
Multiples dienen als erster Anhaltspunkt für die Preisfindung. Verkäufer sollten ihren bereinigten EBITDA sorgfältig aufbereiten und den Multiple-Einfluss der wesentlichen Werttreiber verstehen. Eine professionelle Vorbereitung kann den erzielten Multiple erheblich steigern. Drei konkrete Maßnahmen: Erstens, die Reduktion der Inhaberabhängigkeit durch Aufbau einer zweiten Führungsebene. Zweitens, die Erhöhung des Anteils wiederkehrender Umsätze durch Rahmen- und Wartungsverträge. Drittens, die Steigerung der Transparenz durch ein sauberes Reporting. Mehr dazu in meinem Leitfaden Unternehmen verkaufen.
Für PE-Investoren und Corporates
Käufer nutzen Multiples als Screening-Kriterium und Verhandlungsbasis. Entscheidend ist die Bereinigung des EBITDA und die Einordnung in den Branchenkontext. Für Deal Origination-Strategien ermöglichen proprietary Zugänge in der Regel einen Multiple-Abschlag von 1,0x bis 2,0x gegenüber Auktionsprozessen. Der SourcingClub unterstützt bei der systematischen Identifikation und Vorqualifizierung von Targets unterhalb des Auktionsradars.
Die Nachfrage nach Mittelstandstargets bleibt hoch. Private-Equity- und VC-Investoren investierten 2025 rund 15,69 Mrd. Euro in deutsche Unternehmen, ein Plus von 4 Prozent und der höchste Stand seit 2021. Davon entfielen rund 10,66 Mrd. Euro (68 Prozent) auf Buy-outs. Insgesamt erhielten rund 897 deutsche Unternehmen Beteiligungskapital. Dieser Kapitaldruck stützt die Multiples am oberen Ende der Bandbreite, insbesondere für Targets mit hohem Recurring-Anteil und geringer Inhaberabhängigkeit.
| Kennzahl | 2025 |
|---|---|
| Investiertes Beteiligungskapital | 15,69 Mrd. EUR |
| Veränderung zum Vorjahr | +4 % |
| davon Buy-outs | 10,66 Mrd. EUR (68 %) |
| Unternehmen mit Beteiligungskapital | ~897 |
Quelle: BVK (2026). Höchster Stand der jährlichen Investitionen seit 2021.
Häufig gestellte Fragen
Wo finde ich aktuelle Multiples?
Auf dieser Seite. Ich aktualisiere die Branchen-Multiples hier jedes Quartal, aktuell mit Stand Q3/2026. Basis sind die DUB KMU-Multiples (dub.de/kmu-multiples), die ich für 20 Branchen und drei Größenklassen aufbereite und gegen Quartalsausschläge glätte. Die Werte passen zu KMU mit 0,5 bis 5 Mio. Euro EBITDA. Daneben veröffentlichen das FINANCE-Multiples-Barometer, Pitchbook, Refinitiv und Kroll (früher Duff & Phelps) Multiples, die aber stark von Large-Cap-Deals geprägt sind und für den Mittelstand meist zu hoch liegen. Einzelne Transaktionen findet man in Datenbanken wie Zephyr (Bureau van Dijk) und Mergermarket.
Warum unterscheiden sich Multiples so stark?
Multiples spiegeln die risiko- und wachstumsadjustierte Ertragskraft eines Unternehmens wider. Ein SaaS-Unternehmen mit 90 Prozent wiederkehrendem Umsatz, 30 Prozent Wachstum und geringer Abhängigkeit vom Inhaber wird grundsätzlich höher bewertet als ein Handwerksbetrieb mit volatilen Aufträgen und starker Personenabhängigkeit. Weitere Faktoren wie Unternehmensgröße, Marktposition, Kundenkonzentration und regulatorisches Umfeld verstärken die Bandbreite zusätzlich.
Was ist ein guter EBIT-Multiple?
Ein guter EBIT-Multiple hängt stark von Branche und Unternehmensgröße ab. Laut DUB KMU-Multiples Q2/2026 (EBIT, Aufbereitung SourcingClub) liegt der Mittelpunkt der Small-Cap-Spanne bei Produktionsunternehmen bei rund 5,3x bis 8,0x. Dienstleister mit wiederkehrenden Umsätzen wie IT-Services, B2B-Dienste oder Facility Management liegen bei 6,5x bis 8,0x. Entscheidend ist der Vergleich mit der eigenen Branche und Größenklasse. Ein Multiple über dem Branchenniveau spricht für überdurchschnittliche Qualität oder einen Bieterwettbewerb.
EBIT vs. EBITDA Multiple?
EBIT-Multiples berücksichtigen die Abschreibungen, EBITDA-Multiples nicht. Bei kapitalintensiven Branchen wie Maschinenbau oder Logistik, in denen hohe Investitionen in Sachanlagen erforderlich sind, ist der Unterschied erheblich. EBITDA-Multiples fallen dort niedriger aus als EBIT-Multiples desselben Unternehmens, da das EBITDA höher ist. In der Praxis werden EBITDA-Multiples häufiger verwendet, da sie Unternehmen mit unterschiedlicher Abschreibungspolitik besser vergleichbar machen. Für Asset-light-Geschäftsmodelle (z. B. Beratung, Software) sind die Unterschiede marginal.
Wie verhandelt man den Multiple?
Die Verhandlung des Multiples ist de facto eine Verhandlung über den Unternehmenswert. Verkäufer sollten den bereinigten EBITDA maximieren, indem sie einmalige Kosten, Inhabergehalt und nicht betriebsnotwendige Aufwendungen sauber herausrechnen. Die Vorbereitung eines Vendor Due Diligence Reports erhöhte erfahrungsgemäß den erzielten Multiple um 0,5x bis 1,0x. Zudem wirkt sich ein kompetitiver Verkaufsprozess mit mehreren Bietern positiv aus. Steigt ein Käufer ohne Auktion ein, zahlt er meist einen niedrigeren Multiple.
Was beeinflusst den Multiple am stärksten?
Die drei stärksten Einflussfaktoren sind erstens die Qualität und Nachhaltigkeit der Erträge, insbesondere der Anteil wiederkehrender Umsätze. Zweitens das organische Wachstum, wobei Unternehmen mit über 10 Prozent CAGR signifikant höhere Multiples erzielen. Drittens die Abhängigkeit vom Inhaber, denn je stärker ein Unternehmen ohne den Gründer funktioniert, desto werthaltiger ist es für einen Käufer. Weitere relevante Faktoren umfassen die Marktposition, Kundenkonzentration, Management-Tiefe und das regulatorische Umfeld.
Gelten die gleichen Multiples in Österreich und der Schweiz?
Grundsätzlich bewegen sich die Bewertungsniveaus in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf einem vergleichbaren Niveau. In der Schweiz liegen Multiples tendenziell 0,5x bis 1,0x höher, was auf das höhere Margen- und Lohnniveau, die politische Stabilität und die internationale Ausrichtung vieler Schweizer KMU zurückzuführen ist. In Österreich entsprechen die Multiples weitgehend dem deutschen Niveau, mit leichten Abschlägen in strukturschwachen Regionen. In allen drei Märkten gilt: der lokale Wettbewerb um Akquisitionsziele bestimmt den tatsächlichen Preis.
Wie berechne ich den Unternehmenswert mit dem Multiple?
Die Grundformel lautet: Unternehmenswert (Enterprise Value) = EBITDA x Multiple. Vom Enterprise Value werden anschließend die Nettofinanzverbindlichkeiten abgezogen und überschüssige liquide Mittel addiert, um den Eigenkapitalwert (Equity Value) zu ermitteln. Beispiel: Ein IT-Dienstleister mit 1,2 Mio. Euro EBITDA und einem Multiple von 7,0x hat einen Enterprise Value von 8,4 Mio. Euro. Bei 0,8 Mio. Euro Nettoschulden beträgt der Equity Value 7,6 Mio. Euro. Eine erste Einschätzung mit Ihren eigenen Zahlen liefert mein Unternehmenswert-Rechner.
Was ist ein guter EBITDA-Multiple für ein KMU?
Das hängt vor allem von der Branche ab. Im Small Cap (5 bis 50 Mio. Euro Umsatz) liegen die Mittelpunkte der Spannen zwischen 4,5x (Fahrzeugbau, Konsumgüter) und 8,5x (Software und SaaS). Software und SaaS reicht über alle Größenklassen von 6,1x bis 10,6x, Handwerk und Baugewerbe von 3,7x bis 6,8x (Basis DUB KMU-Multiples Q3/2026, Aufbereitung SourcingClub). Wichtiger als die absolute Zahl ist, wo ein Unternehmen innerhalb seiner Branchenspanne liegt. Ein Wert über dem Mittelpunkt spricht für überdurchschnittliche Qualität.
Wie hoch ist der durchschnittliche EBITDA-Multiple in Deutschland?
Im Small Cap liegt der Mittelpunkt der Spannen im Schnitt aller 20 Branchen bei rund 6,0x, die einzelnen Branchen reichen von 4,5x bis 8,5x (Basis DUB KMU-Multiples Q3/2026, Aufbereitung SourcingClub). Einzelne Branchen weichen deutlich ab: Software und SaaS liegt im Small Cap mit einem Mittelpunkt von 8,5x klar darüber, Konsumgüter und Handwerk mit 4,5x bis 5,1x darunter. Belastbar wird eine Einschätzung erst mit dem Multiple der eigenen Branche.
Wie haben sich EBITDA-Multiples 2025 zu 2026 verändert?
Im Jahresverlauf 2026 zeigt sich ein ruhiges Bild. Von Q2 auf Q3 2026 haben sich die meisten Branchen kaum bewegt, 15 von 20 Sektoren liegen im Schnitt der drei Größenklassen innerhalb von 0,08x. Nachgegeben haben Software und SaaS (Mid Cap von 9,7x auf 9,5x), Telekommunikation (Mid Cap von 7,6x auf 7,4x) und IT-Services (Mid Cap von 9,0x auf 8,8x). Gestiegen sind Pflege und Dienstleister (Small Cap +0,3x) sowie unternehmensnahe Dienstleistungen (Mid Cap +0,3x). Healthcare bleibt strukturell hoch bewertet. Über alle 60 Segmente liegt das Niveau seit Jahresbeginn weitgehend stabil.
Sind EBITDA-Multiples für kleine Unternehmen niedriger?
Ja, die Unternehmensgröße ist einer der stärksten Einflussfaktoren auf den Multiple. Im Micro Cap (unter 5 Mio. Euro Umsatz) liegt der Mittelpunkt der Spanne je nach Branche rund 1,8x bis 3,8x unter dem Mid Cap (über 50 Mio. Euro Umsatz) derselben Branche, in den meisten Branchen sind es 2x bis 3x (Stand Q3/2026). Dieses sogenannte Size Premium resultiert aus geringerer Diversifikation, höherer Inhaberabhängigkeit und eingeschränktem Zugang zu institutionellen Käuferkreisen.
Was ist der Unterschied zwischen Enterprise Value und Equity Value?
Der Enterprise Value (EV) ist der Gesamtwert eines Unternehmens inklusive Fremdkapital und wird direkt mit dem EBITDA-Multiple berechnet (EV = EBITDA x Multiple). Der Equity Value (Eigenkapitalwert) ergibt sich aus dem Enterprise Value abzüglich der Nettofinanzverbindlichkeiten (Bankschulden, Gesellschafterdarlehen) zuzüglich überschüssiger Liquidität. Der Equity Value entspricht dem Kaufpreis, den der Verkäufer tatsächlich erhält.
EBITDA-Multiples DACH 2026 als PDF
Alle 20 Branchen-Multiples als übersichtliche PDF-Tabelle zum Mitnehmen in Bewertungsgespräche, Investment-Committee-Unterlagen und interne Analysen.
Bewertung und Käufer-Identifikation aus einer Hand
SourcingClub begleitet Eigentümer und PE-Mandate von der validierten Multiple-Einordnung bis zum systematischen Zugang zu passenden Käufern unterhalb des Auktionsradars.
Haftungsausschluss: Die auf dieser Seite dargestellten EBITDA-Multiples dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Werte basieren auf aggregierten Marktdaten und können von tatsächlichen Transaktionsmultiples abweichen. Für eine verbindliche Unternehmensbewertung wenden Sie sich an einen qualifizierten M&A-Berater, Wirtschaftsprüfer oder Bewertungsspezialisten.
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