Für Berater · Nachfolge

Nachfolge im Mittelstand: Leitfaden für Berater

Wenn ein Inhaber ans Aufhören denkt, erfahren Sie es oft als Erste. Dieser Leitfaden zeigt, welche Wege es gibt, woran Sie den Moment erkennen und wann ein exklusiver Investor eine Option sein kann.

Rückzugspläne bis Ende 2029

Mittelständische Unternehmen in Deutschland

545.000
569.000
+24.000
wollen eine Nachfolgeplanen keine Fortführung
Erstmals planen mehr Inhaber die Stilllegung als eine Nachfolge, rund 114.000 gegen 109.000 pro Jahr. Quelle: KfW Research, Fokus Nr. 526

I · MARKTLAGE

Die Lage in Zahlen

Zwei Institute zählen die Nachfolge, und sie zählen Verschiedenes. Die KfW fragt alle Mittelständler nach ihren Plänen, auch Solo-Selbstständige. Das IfM Bonn schätzt nur Familienunternehmen, deren Übernahme sich für einen Nachfolger wirtschaftlich lohnt. Alle Zahlen gelten für Deutschland.

545.000

Mittelständler wollen bis Ende 2029 eine Nachfolge, rund 109.000 pro Jahr.

KfW Research, Fokus Nr. 526

114.000

Unternehmen pro Jahr planen keine Fortführung. Jedes vierte zieht die Stilllegung in Erwägung.

KfW Research, Fokus Nr. 526

57 %

der Inhaber sind 55 Jahre oder älter. Das sind über 2 Mio. Menschen.

KfW Research, Fokus Nr. 526

186.000

Familienunternehmen stehen 2026 bis 2030 zur Übergabe an, deren Übernahme sich lohnt.

IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37

Die Inhaber werden älter

Der Anteil der Inhaber ab 55 hat sich seit 2003 fast verdreifacht. Das Durchschnittsalter stieg von 45 auf knapp über 54 Jahre.

20 %57 %2003 · Ø 45 Jahre2025 · Ø 54 Jahre

Inhaber ab 55 Jahren. Quelle: KfW Research, Fokus Nr. 526

Warum Inhaber stilllegen wollen

Laut KfW geben manche Inhaber auf, obwohl sich eine Suche oder ein Verkauf lohnen könnte. Bürokratie hat als Grund am stärksten zugelegt.

Rentenalter erreicht
52 %
Kein Interesse in der Familie
47 %
Zu viel Bürokratie
42 %
Nachfolgersuche erfolglos
21 %

Unternehmen mit Stilllegungsplänen, Mehrfachnennung. Quelle: KfW Research, Fokus Nr. 526

Wo die meisten Übergaben anstehen

186.000 Familienunternehmen 2026 bis 2030, nach Bundesland. Gemessen am Bestand liegt Niedersachsen vorn, absolut Nordrhein-Westfalen.

  1. Niedersachsen61
  2. Bremen55
  3. Schleswig-Holstein55
  4. Baden-Württemberg54
  5. Mecklenburg-Vorpommern54
  6. Nordrhein-Westfalen53
  7. Saarland53
  8. Sachsen-Anhalt53
  9. Rheinland-Pfalz52
  10. Bayern51
  11. Hessen51
  12. Hamburg49
  13. Brandenburg48
  14. Thüringen48
  15. Sachsen47
  16. Berlin40

Quelle: IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37, Abbildungen 6 und 7. Absolute Werte vom IfM auf Hundert gerundet.

II · FRÜHE SIGNALE

Woran Sie es merken

Kaum ein Mandant sagt direkt, dass er verkaufen will. Diese Signale tauchen meist vorher auf. Zu jedem steht eine Frage, mit der Sie das Gespräch öffnen können, ohne von Verkauf zu sprechen.

Ein Signal allein heißt wenig. Kommen zwei zusammen, passt die Frage gut ins nächste Jahresgespräch.

III · DIE WEGE

Familie, Mitarbeiter oder Verkauf

Zwei Fragen sortieren die Wege meist schnell. Welcher passt, hängt an der Familie, am Team und an dem, was Ihr Mandant für sich will.

  1. Will und kann jemand aus der Familie übernehmen? Dann liegt die Familie nahe. Steuerlich läuft das oft über Schenkung oder Erbfolge, und Sie sind von Anfang an dabei.
  2. Wenn nicht, kann jemand im Team führen und finanzieren? Dann ein Kauf durch Mitarbeiter oder Management. Meist braucht es Förderkredit, Verkäuferdarlehen oder einen Partner.
  3. Wenn auch nicht, bleibt der Verkauf an Externe, an einen Wettbewerber oder einen Investor, über einen Bieterprozess oder gezielt.

Was Inhaber sich wünschen

Inhaber mit Nachfolgeplänen 2025, Mehrfachnennung

In der Familie
55 %
Verkauf an Externe
42 %
Beschäftigte
28 %
Miteigentümer (MBO)
24 %

Quelle: KfW Research, Fokus Nr. 526

Was tatsächlich umgesetzt wurde

Familienunternehmen, Auswertung von 23 Studien aus gut 40 Jahren

In der Familie
gut die Hälfte
An Externe
29 %
An Beschäftigte
17 %

Quelle: IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37. Beide Erhebungen messen Verschiedenes und lassen sich nicht verrechnen.

In der Familie

Was dafür spricht
Kontinuität für Belegschaft und Kunden. Steuerlich oft über Schenkung oder Erbfolge gestaltbar.
Woran es oft hakt
Ob jemand will und kann. Der Ausgleich mit den Geschwistern.
Wo Sie gefragt sind
Schenkung und Erbschaftsteuer, Gesellschaftsvertrag, Pflichtteile.

Mitarbeiter oder Management

Was dafür spricht
Das Team kennt Kunden, Produkte und Abläufe. Der Betrieb läuft ohne Bruch weiter.
Woran es oft hakt
Das Eigenkapital fehlt meist. Der Wechsel vom Kollegen zum Chef braucht Zeit, und Impulse von außen fehlen leicht (KfW).
Wo Sie gefragt sind
Finanzierung, Förderkredit, Aufbau des Kaufpreises.

Verkauf an Externe

Was dafür spricht
Ihr Mandant realisiert den Kaufpreis und plant seinen Ausstieg. Ein Käufer bringt oft Kapital für den nächsten Schritt mit.
Woran es oft hakt
Suche, Bewertung und Verhandlung sind aufwendiger (KfW). Diskretion wird schwerer, je mehr Interessenten Bescheid wissen.
Wo Sie gefragt sind
Zahlen aufbereiten, Steuerstruktur, Kaufvertrag.

IV · Beim Verkauf

Ich sitze auf der Käuferseite

Ich arbeite für einen Investor, nicht für Ihren Mandanten. Wer einen Bieterprozess mit vielen Käufern möchte, ist bei einem Verkaufsberater besser aufgehoben. Passt kein Investor, sage ich Ihnen das offen.

Verkaufsberater

Viele Bieter in einem Verfahren. Das Honorar trägt in der Regel der Verkäufer.

Bei mir

Ein Investor mit klarer These, für Ihren Mandanten kostenfrei.

Für Ihren Mandanten kostenfrei, mein Honorar trägt der Investor, für den ich arbeite. An Sie fließt nichts, in keiner Form.

V · DER ABLAUF

So verläuft eine Nachfolge

Wie lange es dauert, hängt am Weg. Die Schritte sind meist dieselben, und in jedem sind Sie als Berater gefragt.

  1. 1Klären

    Was passiert

    Was will Ihr Mandant für sich, die Familie und das Team? Wie sieht seine Vorsorge ohne den Betrieb aus?

    Ihre Rolle

    Zuhören, Vermögen und Vorsorge durchrechnen.

    Was auf dem Tisch liegt

    Vermögensübersicht, Altersvorsorge, Wünsche der Familie.

  2. 2Vorbereiten

    Was passiert

    Zahlen bereinigen, die Abhängigkeit vom Inhaber senken, Verträge und Rechtsform prüfen.

    Ihre Rolle

    Abschlüsse, Steuerstruktur, Gesellschaftsvertrag.

    Was auf dem Tisch liegt

    Jahresabschlüsse der letzten Jahre, wichtige Kunden- und Lieferverträge, Organigramm.

  3. 3Weg wählen

    Was passiert

    Familie, Team oder Verkauf. Bei einem Verkauf die passende Gegenseite finden.

    Ihre Rolle

    Wege durchrechnen, Förderung prüfen.

    Was auf dem Tisch liegt

    Erste Wertindikation als Orientierung, Finanzierungsrahmen, Förderanfragen.

  4. 4Verhandeln

    Was passiert

    Absichtserklärung, Prüfung durch den Käufer, Kaufvertrag.

    Ihre Rolle

    Unterlagen für die Prüfung, Vertrag, Steuerfolgen.

    Was auf dem Tisch liegt

    Absichtserklärung, Unterlagen für die Prüfung, Entwurf des Kaufvertrags.

  5. 5Übergeben

    Was passiert

    Unterschrift, Übergang an Kunden und Team. Oft arbeitet der Inhaber noch eine Zeit mit.

    Ihre Rolle

    Steuerfolgen des Erlöses, Begleitung danach.

    Was auf dem Tisch liegt

    Übergabeplan für Kunden und Team, Regelung der Mitarbeit danach.

VI · ZUSAMMENARBEIT

Wenn ein Investor passen könnte

Ein Verkauf an einen Investor ist eine Option unter mehreren. Wenn Sie sie prüfen wollen, läuft es in drei Schritten.

Die erste Anfrage ist anonym. Den Namen Ihres Mandanten nennen Sie mir erst, wenn er in Textform eingewilligt hat.

IHRE ANFRAGEBrancheGrößeRegionName bleibt offen

Sie beschreiben mir Branche, Größe und Region. Einen Namen brauche ich dafür nicht.

  1. Schritt 1: Anonyme Anfrage. Sie beschreiben mir Branche, Größe und Region. Einen Namen brauche ich dafür nicht.
  2. Schritt 2: Einwilligung. Passt es, fragen Sie Ihren Mandanten. Den Namen nennen Sie mir erst, wenn er in Textform eingewilligt hat.
  3. Schritt 3: Gespräch. Ihr Mandant lernt den Investor kennen. Sie bleiben an seiner Seite und entscheiden mit ihm, ob es weitergeht.

VII · FÖRDERUNG

Förderung als Anlass für das Gespräch

Über Förderung lässt sich das Thema ansprechen, ohne von Verkauf zu reden. Drei Wege, je nachdem, wer etwas braucht.

Für das Unternehmen

Beratung mit Zuschuss

Das BAFA fördert Beratungen kleiner und mittlerer Unternehmen zu Fragen der Unternehmensführung. Die Richtlinie läuft bis Ende 2028, ab Januar 2027 mit geänderten Bedingungen.

Ein guter Einstieg, um die Nachfolge als Teil der Unternehmensführung anzusprechen.

Quelle: BAFA, Förderung von Unternehmensberatungen

Für den Nachfolger

Kredit für die Übernahme

Der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW finanziert auch die Übernahme eines Unternehmens. Eine Bürgschaftsbank sichert die Hausbank ab.

Macht einen Kauf durch Mitarbeiter oder Management oft erst rechenbar.

Quelle: KfW, Merkblatt 077, Stand 10.12.2025

Für beide Seiten

Kammern und Länder

IHK und Handwerkskammern beraten zur Nachfolge, viele führen auch Nachfolgebörsen. Die Förderbanken der Länder haben eigene Programme.

Ein neutraler Ort, an den Sie Ihren Mandanten zuerst schicken können.

Stand je Programm prüfen

Konditionen ändern sich. Den aktuellen Stand nennen die Programme selbst. Alle Inhalte hier stehen jedem frei zur Verfügung, ob Sie je jemanden nennen oder nicht.

Häufige Fragen

Ihre Frage ist nicht dabei? Schreiben Sie mir gerne direkt.

herbig@dealorigination.de
Woran erkenne ich, dass ein Mandant an Nachfolge denkt?

Meist an Fragen, die nebenbei kommen. Er fragt nach dem Wert des Betriebs, schiebt Investitionen, ordnet die Erbfolge oder erzählt, dass die Kinder nicht übernehmen. Kommen zwei solche Signale zusammen, lohnt ein ruhiges Gespräch im nächsten Jahrestermin.

Familie, MBO oder Verkauf, was passt?

Das hängt an drei Fragen. Will und kann jemand aus der Familie übernehmen? Gibt es im Team jemanden, der führen und finanzieren kann? Und was will Ihr Mandant für sich, beim Preis, beim Zeitpunkt und bei seiner Rolle danach? Laut KfW wünschen sich 55 % der Inhaber mit Nachfolgeplänen eine Lösung in der Familie, 42 % ziehen einen Verkauf an Externe in Betracht.

Wie lange dauert eine Nachfolge?

Das hängt am Weg. In der Familie wächst eine Übergabe oft über Jahre. Ein Verkauf braucht vom ersten Gespräch bis zur Unterschrift meist mehrere Monate, die Vorbereitung davor oft länger. Je früher Zahlen und Steuerstruktur sauber sind, desto mehr Wege bleiben offen.

Gibt es Fördermittel für die Nachfolgeberatung?

Ja. Das BAFA bezuschusst Beratungen kleiner und mittlerer Unternehmen, die Richtlinie läuft bis Ende 2028. Für den Nachfolger gibt es den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge der KfW, der auch eine Übernahme finanziert. Dazu kommen Programme der Länder und die Beratung bei IHK und Handwerkskammern.

Welche Rolle spielt die Erbschaftsteuer?

Eine große, vor allem bei der Übergabe in der Familie. Für Betriebsvermögen gibt es Verschonungsregeln nach §§ 13a und 13b ErbStG, mit Behaltensfristen und Vorgaben zur Lohnsumme. Die Regeln stehen politisch und verfassungsrechtlich in der Diskussion. Den aktuellen Stand prüft der steuerliche Berater im Einzelfall.

Was kostet es meinen Mandanten, wenn ein Investor passt?

Für Ihren Mandanten kostenfrei, mein Honorar trägt der Investor, für den ich arbeite. An Sie fließt nichts, in keiner Form.

Denkt ein Mandant an Nachfolge?

Schreiben Sie mir ohne Namen. Vier Angaben reichen, und ich sage Ihnen ehrlich, ob einer meiner Investoren passt oder ein anderer Weg besser ist.

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