Kaufpreisermittlung bei M&A-Transaktionen
Die Kaufpreisermittlung ist der zentrale Baustein jeder Unternehmenstransaktion. Sie verbindet die theoretische Unternehmensbewertung mit dem tatsaechlich gezahlten Preis und umfasst Enterprise Value, Equity Bridge, Kaufpreismechanismen und variable Komponenten wie Earn-Outs.
Dieser Leitfaden erklaert alle relevanten Konzepte der Kaufpreisermittlung praxisnah fuer den DACH-Mittelstand: von den gaengigen Bewertungsmethoden ueber Locked Box und Completion Accounts bis hin zu Earn-Out-Strukturen und Working-Capital-Anpassungen. Ziel ist es, Unternehmern und Investoren ein fundiertes Verstaendnis fuer die Preisfindung bei Unternehmensverkaeufen zu vermitteln.
Was ist Kaufpreisermittlung?
Kaufpreisermittlung bezeichnet den strukturierten Prozess, mit dem der tatsaechlich zu zahlende Preis fuer ein Unternehmen oder eine Beteiligung bestimmt wird. Sie ist nicht identisch mit der Unternehmensbewertung, obwohl beide eng miteinander verbunden sind.
Die Unternehmensbewertung ermittelt einen theoretischen Wert auf Basis finanzieller Kennzahlen und Bewertungsmodelle. Die Kaufpreisermittlung geht darueber hinaus: Sie beruecksichtigt die konkrete Transaktionsstruktur, Kaufpreismechanismen, Finanzierungskonditionen und variable Komponenten. Der resultierende Kaufpreis kann erheblich vom theoretischen Unternehmenswert abweichen.
In der Praxis umfasst die Kaufpreisermittlung folgende Schritte:
- Ermittlung des Enterprise Value ueber eine oder mehrere Bewertungsmethoden (Multiple, DCF, Ertragswert)
- Ableitung des Equity Value ueber die Equity Bridge (Abzug von Net Debt, Anpassung des Working Capital)
- Festlegung des Kaufpreismechanismus (Locked Box oder Completion Accounts)
- Strukturierung variabler Komponenten (Earn-Outs, Seller Loans, Rueckbehalte)
- Fixierung im SPA (Share Purchase Agreement) mit praezisen Definitionen und Berechnungsformeln
Eine detaillierte Uebersicht der Bewertungsmethoden finden Sie in unserem Leitfaden Unternehmensbewertung: Methoden im Vergleich.
Enterprise Value vs. Equity Value
Die Unterscheidung zwischen Enterprise Value (EV) und Equity Value (Eigenkapitalwert) ist fundamental fuer die Kaufpreisermittlung. Der Enterprise Value repraesentiert den Gesamtwert des operativen Geschaefts, unabhaengig von der Finanzierungsstruktur. Der Equity Value ist der Betrag, den der Kaeufer tatsaechlich an den Verkaeufer zahlt.
Die Verbindung zwischen beiden Groessen wird als Equity Bridge (auch: Bridge to Equity) bezeichnet. Sie ist das zentrale Werkzeug, um vom Enterprise Value zum Kaufpreis zu gelangen.
Equity Bridge: Beispielrechnung
Die folgende Tabelle zeigt eine typische Equity Bridge fuer ein mittelstaendisches Unternehmen mit einem EBITDA von 2,0 Mio. Euro und einem Multiple von 6,5x:
| Position | Betrag (Mio. EUR) | Erlaeuterung |
|---|---|---|
| EBITDA | 2,0 | Bereinigtes EBITDA (Run Rate) |
| x Multiple | 6,5x | Branchenspezifischer EBITDA-Multiple |
| = Enterprise Value | 13,0 | Gesamtwert des operativen Geschaefts |
| − Netto-Finanzverschuldung | −3,2 | Bankdarlehen, Leasing abzgl. Cash |
| − Debt-like Items | −0,4 | Pensionsrueckstellungen, Steuernachzahlungen |
| + Cash-like Items | +0,1 | Ueberschuessige liquide Mittel |
| +/− Working-Capital-Anpassung | −0,3 | Ist-WC unter Ziel-WC |
| = Equity Value (Kaufpreis) | 9,2 | An den Verkaeufer gezahlter Betrag |
In diesem Beispiel betraegt der Enterprise Value 13,0 Mio. Euro, der tatsaechliche Kaufpreis (Equity Value) jedoch nur 9,2 Mio. Euro. Die Differenz von 3,8 Mio. Euro entfaellt auf Netto-Finanzverschuldung, Debt-like Items und eine negative Working-Capital-Anpassung. Dies verdeutlicht, warum die reine Multiplikation von EBITDA und Multiple nicht mit dem Kaufpreis gleichgesetzt werden darf.
Methoden der Kaufpreisermittlung
In der Praxis werden mehrere Bewertungsverfahren parallel eingesetzt, um eine belastbare Bandbreite fuer den Enterprise Value zu ermitteln. Die wichtigsten Methoden im DACH-Mittelstand sind:
Multiple-Bewertung (EBITDA-Multiple)
Die Multiple-Bewertung ist die am weitesten verbreitete Methode im Mittelstands-M&A. Der Enterprise Value wird als Produkt aus dem bereinigten EBITDA und einem branchenspezifischen Multiple berechnet. Die Formel lautet:
Enterprise Value = Bereinigtes EBITDA × EBITDA-Multiple
Der Multiple spiegelt die markt- und unternehmensspezifischen Risiko- und Wachstumsfaktoren wider. Aktuelle Branchenwerte finden Sie in unserer EBITDA-Multiples-Uebersicht fuer den DACH-Raum. Die Bereinigung des EBITDA um einmalige Ertraege und Aufwendungen, marktunuebliches Inhabergehalt und nicht betriebsnotwendige Kosten ist entscheidend fuer eine belastbare Bewertung.
DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow)
Das DCF-Verfahren ermittelt den Unternehmenswert als Barwert der zukuenftigen freien Cash Flows. Es beruht auf einer detaillierten Finanzplanung, typischerweise fuer einen Zeitraum von fuenf bis sieben Jahren, zuzueglich eines Terminal Value fuer die Zeit danach.
Der Diskontierungssatz (WACC) beruecksichtigt die Kapitalkosten des Unternehmens und liegt fuer mittelstaendische Unternehmen im DACH-Raum typischerweise zwischen 8 und 14 Prozent. Das DCF-Verfahren ist besonders geeignet fuer wachstumsstarke Unternehmen, deren zukuenftige Cash Flows deutlich ueber den historischen Werten liegen.
Vorteil: Zukunftsorientierte Bewertung, die spezifische Wachstumspfade abbilden kann. Nachteil: Hohe Sensitivitaet gegenueber Annahmen zu Wachstumsraten und Diskontierungssatz.
Ertragswertverfahren (IDW S1)
Das Ertragswertverfahren nach IDW S1 ist der deutsche Standard fuer Unternehmensbewertungen und wird insbesondere bei gesellschaftsrechtlichen Anlaessen (Squeeze-Out, Abfindung, Erbschaft) eingesetzt. Es basiert auf den zukuenftigen Nettoertraegen des Unternehmens, die mit einem risikogerechten Kapitalisierungszinssatz abgezinst werden.
Im Vergleich zum DCF-Verfahren ist das Ertragswertverfahren staerker auf die Perspektive des Anteilseigners ausgerichtet und beruecksichtigt persoenliche Steuern. In der M&A-Praxis wird es haeufig ergaenzend zur Multiple- oder DCF-Bewertung herangezogen, insbesondere wenn eine gerichtsfeste Bewertung erforderlich ist.
Substanzwertverfahren
Das Substanzwertverfahren ermittelt den Wert eines Unternehmens auf Basis der Wiederbeschaffungskosten seiner Vermoegenswerte abzueglich Schulden. Es spielt im M&A-Kontext eine untergeordnete Rolle, da es die zukuenftige Ertragskraft nicht beruecksichtigt. Es wird jedoch als Wertuntergrenze (Floor Valuation) und bei Asset-intensiven Geschaeftsmodellen (Immobilien, Produktion) herangezogen.
Welche Methode wann?
Die Wahl der Bewertungsmethode haengt von Transaktionskontext, Datenqualitaet und Unternehmensprofil ab:
- Multiple-Bewertung: Standard im kompetitiven M&A-Prozess, schnelle Orientierung, erfordert vergleichbare Transaktionsdaten
- DCF: Geeignet fuer wachstumsstarke Unternehmen mit belastbarer Finanzplanung, bevorzugt von Private-Equity-Investoren
- Ertragswert (IDW S1): Pflicht bei gesellschaftsrechtlichen Anlaessen, ergaenzend im DACH-Raum
- Substanzwert: Floor-Bewertung bei Asset-Heavy-Unternehmen, selten als alleinige Methode
In der Regel werden zwei bis drei Methoden parallel angewandt, um eine Bewertungsbandbreite abzuleiten. Der Leitfaden Unternehmensbewertung: Methoden im Vergleich beschreibt die einzelnen Verfahren ausfuehrlicher.
Kaufpreismechanismen
Der Kaufpreismechanismus legt fest, wie der Kaufpreis zwischen Signing und Closing bestimmt und angepasst wird. Die beiden dominierenden Mechanismen im DACH-Markt sind der Locked-Box-Mechanismus und Completion Accounts.
Locked Box Mechanism
Beim Locked-Box-Mechanismus wird der Kaufpreis auf Basis eines historischen Stichtags (Locked Box Date) fixiert, der typischerweise zwei bis vier Monate vor dem Signing liegt. Ab diesem Stichtag duerfen keine Werte mehr aus dem Unternehmen abfliessen (kein Leakage).
Leakage-Schutz: Der SPA definiert praezise, welche Zahlungen als unzulaessiges Leakage gelten (z.B. ueberhoeete Gehaelter, Dividenden, Managementgebuehren an den Verkaeufer). Zulaessiges Leakage (Permitted Leakage) wird vorab vereinbart. Zwischen Locked Box Date und Closing erhaelt der Verkaeufer typischerweise einen tagesbasierten Zinssatz als Ausgleich (Ticker).
Vorteil: Preissicherheit fuer beide Parteien, geringeres Streitpotenzial, schnellerer Post-Closing-Prozess. Nachteil: Setzt zuverlaessige historische Finanzzahlen voraus, der Kaeufer traegt das Risiko zwischen Stichtag und Closing.
Completion Accounts
Bei Completion Accounts wird der Kaufpreis auf Basis einer Schlussbilanz zum Closing-Stichtag ermittelt. Der vorlaeufige Kaufpreis (Estimated Purchase Price) wird beim Closing gezahlt. Innerhalb von 60 bis 90 Tagen erstellt der Kaeufer die finale Schlussbilanz, auf deren Basis Working Capital und Net Debt finalisiert werden.
Working Capital Adjustment: Liegt das tatsaechliche Working Capital zum Closing ueber dem Zielwert, erhaelt der Verkaeufer eine Nachzahlung. Liegt es darunter, wird der Kaufpreis reduziert.
Net Debt Adjustment: Die tatsaechliche Netto-Finanzverschuldung zum Closing wird mit dem Schaetzwert verglichen und der Kaufpreis entsprechend angepasst.
Vorteil: Genauere Abbildung der wirtschaftlichen Realitaet zum Closing. Nachteil: Haeufig Streitigkeiten ueber die Schlussbilanz, aufwendiger Post-Closing-Prozess, Unsicherheit ueber den finalen Kaufpreis.
Locked Box vs. Completion Accounts im Vergleich
| Kriterium | Locked Box | Completion Accounts |
|---|---|---|
| Preissicherheit | Hoch (Fixpreis ab Stichtag) | Niedrig (nachtraegliche Anpassung) |
| Referenzdatum | Historisch (vor Signing) | Closing-Stichtag |
| Streitpotenzial | Gering | Hoch (Schlussbilanz-Diskussionen) |
| Post-Closing-Aufwand | Minimal | Erheblich (60-90 Tage) |
| Risikoverteilung | Kaeufer traegt Risiko ab Stichtag | Risiko wird geteilt |
| Verkaeufer-Praeferenz | Bevorzugt (Preissicherheit) | Akzeptabel bei Unsicherheit |
| Verbreitung DACH | Zunehmend (ca. 60 %) | Abnehmend (ca. 40 %) |
| Geeignet bei | Stabilen Geschaeftsmodellen | Saisonalen / volatilen Geschaeften |
Earn-Out-Strukturen
Was ist ein Earn-Out?
Ein Earn-Out ist eine variable, erfolgsabhaengige Kaufpreiskomponente, die an das Erreichen definierter Leistungskennzahlen nach dem Closing gekoppelt ist. Earn-Outs werden eingesetzt, um die sogenannte Bewertungsluecke (Valuation Gap) zwischen den Preisvorstellungen von Kaeufer und Verkaeufer zu ueberbruecken.
Typischerweise machen Earn-Outs 10 bis 30 Prozent des Gesamtkaufpreises aus. Sie koennen sowohl fuer den Kaeufer (Risikoreduzierung) als auch fuer den Verkaeufer (Partizipation am Upside) vorteilhaft sein — bergen aber auch erhebliches Konfliktpotenzial.
Typische Earn-Out-Parameter
| Parameter | Beschreibung | Typische Ausgestaltung |
|---|---|---|
| EBITDA-Ziel | Haeufigster Earn-Out-Trigger | Jaehrliches EBITDA-Ziel ueber 2-3 Jahre |
| Umsatzziel | Einfacher messbar als EBITDA | Kumulierter oder jaehrlicher Mindestumsatz |
| Kundenbindung | Retention Rate der Top-Kunden | Min. 85-90 % Retention nach 12-24 Monaten |
| Laufzeit | Zeitraum der Earn-Out-Messung | 1-3 Jahre, selten laenger |
| Auszahlung | Zeitpunkt und Mechanik der Zahlung | Jaehrlich oder am Ende der Laufzeit |
| Cap / Floor | Ober- und Untergrenze der Zahlung | Floor: 0 EUR, Cap: 20-50 % des EV |
Laufzeit und Auszahlungsmechanismen
Die Earn-Out-Laufzeit betraegt in der Regel ein bis drei Jahre. Laengere Laufzeiten (vier bis fuenf Jahre) sind selten und erhoehen das Konfliktpotenzial erheblich. Auszahlungen koennen jaehrlich nach Feststellung der Kennzahlen oder kumuliert am Ende der Laufzeit erfolgen.
Gaengige Auszahlungsmodelle sind:
- Alles-oder-Nichts: Der Earn-Out wird nur bei vollstaendiger Zielerreichung gezahlt (binaer)
- Lineare Skalierung: Proportionale Auszahlung ab einem Mindestschwellenwert bis zum Cap
- Stufenmodell: Definierte Auszahlungsstufen bei Erreichen bestimmter Meilensteine
Vorteile und Risiken fuer Kaeufer und Verkaeufer
Vorteile fuer den Kaeufer: Reduziertes Risiko bei unsicherer zukuenftiger Entwicklung, Anreiz fuer den Verkaeufer zur aktiven Mitarbeit in der Uebergangsphase, Moeglichkeit eines hoeheren Gesamtkaufpreises bei positiver Entwicklung.
Vorteile fuer den Verkaeufer: Partizipation am zukuenftigen Wachstum, hoehererer Gesamtkaufpreis moeglich, Ueberbrueckung der Bewertungsluecke ohne Preisnachlass.
Risiken: Manipulationsmoeglichkeiten durch den Kaeufer (z.B. absichtliche Kostenverlagerung in die Earn-Out-Periode), fehlende operative Autonomie des Verkaeufers, Streitigkeiten ueber die Berechnung der Kennzahlen, steuerliche Implikationen (Kaufpreisbestandteil vs. Dienstverguetung).
Best Practices fuer Earn-Out-Klauseln
- Klare Definition der Kennzahlen: Praezise Berechnungsvorschriften im SPA, idealerweise mit Beispielrechnungen
- Unabhaengige Pruefung: Feststellung der Earn-Out-Kennzahlen durch einen unabhaengigen Wirtschaftspruefer
- Schutzklauseln: Verpflichtung des Kaeufers, das Geschaeft im ordentlichen Geschaeftsgang fortzufuehren (Ordinary Course of Business)
- Streitbeilegung: Vereinbarung eines Schiedsverfahrens oder eines Accounting Arbitrators fuer Streitigkeiten ueber die Berechnung
- Kurzfristige Laufzeit: Idealerweise maximal zwei Jahre, um Konflikte zu minimieren
- Lineare Skalierung: Vermeidung von binaeren Alles-oder-Nichts-Mechanismen, da diese haeufig zu Streitigkeiten fuehren
Working Capital Adjustment
Die Working-Capital-Anpassung stellt sicher, dass das Unternehmen zum Closing mit einem normalen, betriebsnotwendigen Umlaufvermoegen uebergeben wird. Weder soll der Verkaeufer das Unternehmen vor dem Closing aushungern (z.B. durch verzoegertes Einkaufen), noch soll er ueberschuessiges Working Capital im Unternehmen belassen.
Normalisiertes Working Capital
Das normalisierte Working Capital wird typischerweise als Durchschnitt der letzten 12 bis 24 Monate berechnet. Die Formel lautet:
Net Working Capital = Forderungen aus L&L + Vorraete − Verbindlichkeiten aus L&L ± sonstige operative Positionen
Saisonale Schwankungen, Einmaleffekte und ausserordentliche Positionen werden bereinigt. Der ermittelte Durchschnitt dient als Ziel-Working-Capital (Target Working Capital). Die Differenz zwischen dem tatsaechlichen Working Capital zum Closing und dem Zielwert wird als Kaufpreisanpassung verrechnet.
Beispiel: Das Ziel-Working-Capital betraegt 1,5 Mio. Euro. Zum Closing liegt das tatsaechliche Working Capital bei 1,2 Mio. Euro. Der Kaufpreis wird um 0,3 Mio. Euro reduziert. Liegt es bei 1,8 Mio. Euro, erhaelt der Verkaeufer 0,3 Mio. Euro zusaetzlich.
Netto-Finanzverschuldung (Net Debt)
Die Netto-Finanzverschuldung ist der zentrale Abzugsposten in der Equity Bridge. Sie bestimmt, wie viel vom Enterprise Value tatsaechlich beim Verkaeufer ankommt. Die praezise Definition im SPA ist daher einer der wichtigsten Verhandlungspunkte bei jeder Transaktion.
Was zaehlt rein? Cash-like und Debt-like Items
Typische Debt-Positionen:
- Bankdarlehen und Kreditlinien (in Anspruch genommen)
- Gesellschafterdarlehen
- Leasingverbindlichkeiten (IFRS 16)
- Factoring-Verbindlichkeiten
Typische Debt-like Items (haeufig Verhandlungsgegenstand):
- Pensionsrueckstellungen
- Steuernachforderungen und -rueckstellungen
- Ausstehende Tantiemen und Boni
- Rueckstellungen fuer Rechtsstreitigkeiten
- Aufgeschobene Ertragsteuerverbindlichkeiten
- Investitionsstau (Capex Backlog)
Cash und Cash-like Items:
- Frei verfuegbare Bankguthaben
- Kurzfristige Geldanlagen
- Steuererstattungsansprueche
- Nicht betriebsnotwendige Vermoegenswerte
Die genaue Abgrenzung zwischen Debt-like Items, Working Capital und Net Debt ist einer der haeufigsten Streitpunkte in M&A-Transaktionen. Eine sorgfaeltige Due Diligence identifiziert potenzielle Fallstricke fruehzeitig. Die Ergebnisse fliessen direkt in den Letter of Intent und den SPA ein.
Kaufpreisermittlung in der Praxis
Im DACH-Mittelstand weist die Kaufpreisermittlung einige Besonderheiten auf, die sich von Large-Cap-Transaktionen unterscheiden:
- EBITDA-Bandbreite: Die meisten Mittelstandstransaktionen betreffen Unternehmen mit einem EBITDA zwischen 0,5 und 5,0 Mio. Euro. EBITDA-Multiples liegen typischerweise zwischen 4x und 8x.
- Inhaberabhaengigkeit: Die Abhaengigkeit vom Gruender oder Inhaber ist der haeufigste wertmindernde Faktor. Ein professionelles Management-Team erhoerht den erzielbaren Multiple um 0,5x bis 1,5x.
- Earn-Out-Haeufigkeit: Rund 25 bis 35 Prozent der Mittelstandstransaktionen im DACH-Raum enthalten eine Earn-Out-Komponente. Der Anteil steigt in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit.
- Locked Box Trend: Der Locked-Box-Mechanismus hat im DACH-Markt in den letzten Jahren deutlich an Verbreitung gewonnen und wird mittlerweile in rund 60 Prozent der Transaktionen eingesetzt.
- Net Debt Impact: Die Netto-Finanzverschuldung betraegt bei Mittelstandsunternehmen typischerweise 1,0x bis 2,5x EBITDA. Sie reduziert den Kaufpreis gegenueber dem Enterprise Value um 15 bis 35 Prozent.
Eine realistische Einschaetzung des erzielbaren Kaufpreises beginnt mit unserem Unternehmenswert-Rechner. Fuer eine fundierte Bewertung und professionelle Begleitung des Verkaufsprozesses empfehlen wir die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten M&A-Berater.
Typischer Ablauf der Kaufpreisverhandlung:
- Indikative Bewertung auf Basis des Information Memorandum (Phase 1)
- Verbindliches Angebot nach Due Diligence mit detaillierter Equity Bridge (Phase 2)
- Verhandlung des SPA mit Festlegung des Kaufpreismechanismus, Working-Capital-Ziel und Net-Debt-Definition (Phase 3)
- Closing mit vorlaeufigem oder finalem Kaufpreis (Phase 4)
- Post-Closing-Anpassung bei Completion Accounts bzw. Earn-Out-Monitoring (Phase 5)
Wer den Verkauf seines Unternehmens vorbereitet, findet in unserem Leitfaden Unternehmen verkaufen: Der komplette Leitfaden eine umfassende Schritt-fuer-Schritt-Anleitung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kaufpreis und Unternehmenswert?
Der Unternehmenswert (Enterprise Value) ist ein theoretischer Wert, der auf Basis einer Bewertungsmethode ermittelt wird. Der Kaufpreis ist der tatsaechlich vereinbarte und gezahlte Betrag, der sich aus dem Enterprise Value abzueglich Netto-Finanzverschuldung und zuzueglich bzw. abzueglich Working-Capital-Anpassungen ergibt. Der Kaufpreis kann zudem variable Komponenten wie Earn-Outs enthalten.
Wie berechnet man den Kaufpreis bei einem Unternehmenskauf?
Die Grundformel lautet: Kaufpreis (Equity Value) = Enterprise Value minus Netto-Finanzverschuldung plus/minus Working-Capital-Anpassung. Der Enterprise Value wird typischerweise ueber EBITDA-Multiples, DCF-Verfahren oder das Ertragswertverfahren ermittelt. Zusaetzlich koennen variable Kaufpreiskomponenten wie Earn-Outs vereinbart werden, die an zukuenftige Leistungskennzahlen gekoppelt sind.
Was ist ein Earn-Out und wann wird er eingesetzt?
Ein Earn-Out ist eine variable Kaufpreiskomponente, die an das Erreichen definierter Ziele nach dem Closing gekoppelt ist. Typische Kennzahlen sind EBITDA, Umsatz oder Kundenbindungsraten. Earn-Outs werden eingesetzt, wenn Kaeufer und Verkaeufer unterschiedliche Erwartungen an die zukuenftige Unternehmensentwicklung haben. Sie ueberbruecken die sogenannte Bewertungsluecke und reduzieren das Risiko fuer den Kaeufer.
Locked Box oder Completion Accounts — was ist besser?
Beide Kaufpreismechanismen haben Vor- und Nachteile. Locked Box bietet Preissicherheit fuer beide Seiten und ist weniger streitanfaellig, setzt aber zuverlaessige historische Zahlen voraus. Completion Accounts bieten eine genauere Abbildung der wirtschaftlichen Realitaet zum Closing, fuehren aber haeufig zu Auseinandersetzungen ueber die Schlussbilanz. Im DACH-Mittelstand gewinnt der Locked-Box-Mechanismus zunehmend an Bedeutung.
Welche EBITDA-Multiples sind im DACH-Mittelstand ueblich?
Im DACH-Mittelstand liegen EBITDA-Multiples fuer KMU typischerweise zwischen 4x und 8x, abhaengig von Branche, Groesse und Qualitaet des Unternehmens. Software- und SaaS-Unternehmen erzielen 6x bis 14x, waehrend traditionelle Produktions- und Handwerksbetriebe bei 3x bis 6x liegen. Detaillierte Branchenwerte finden Sie in unserer EBITDA-Multiples-Uebersicht.
Was zaehlt zur Netto-Finanzverschuldung (Net Debt)?
Zur Netto-Finanzverschuldung zaehlen alle verzinslichen Verbindlichkeiten (Bankdarlehen, Gesellschafterdarlehen, Leasingverbindlichkeiten nach IFRS 16) abzueglich frei verfuegbarer liquider Mittel. Zusaetzlich werden Cash-like Items (z. B. ueberschuessiges Cash) und Debt-like Items (z. B. Pensionsrueckstellungen, Steuernachforderungen, ausstehende Tantiemen) beruecksichtigt. Die genaue Definition wird im SPA (Share Purchase Agreement) festgelegt.
Wie wird das normalisierte Working Capital berechnet?
Das normalisierte Working Capital wird als Durchschnitt des operativen Nettoumlaufvermoegens der letzten 12 bis 24 Monate berechnet. Es umfasst typischerweise Forderungen aus Lieferungen und Leistungen plus Vorraete minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Saisonale Schwankungen und Einmaleffekte werden bereinigt. Der ermittelte Durchschnitt dient als Ziel-Working-Capital (Target Working Capital) fuer die Kaufpreisanpassung.
Kann der Kaufpreis nach dem Closing noch angepasst werden?
Ja, bei Completion Accounts ist eine nachtraegliche Kaufpreisanpassung der Regelfall. Innerhalb von 60 bis 90 Tagen nach Closing erstellt der Kaeufer eine Schlussbilanz (Completion Accounts), auf deren Basis Working Capital und Net Debt finalisiert werden. Weicht das tatsaechliche Working Capital vom Zielwert ab oder unterscheidet sich die Net Debt vom geschaetzten Wert, wird der Kaufpreis entsprechend angepasst. Beim Locked-Box-Mechanismus entfaellt diese Anpassung.
Kaufpreis professionell ermitteln lassen
SourcingClub unterstuetzt bei der Kaufpreisermittlung, der Strukturierung von Earn-Outs und der Identifikation geeigneter Kaeufer im DACH-Mittelstand.
Haftungsausschluss: Die auf dieser Seite dargestellten Informationen zur Kaufpreisermittlung dienen ausschliesslich der allgemeinen Information und stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die dargestellten Beispiele und Bandbreiten basieren auf aggregierten Marktdaten und koennen von tatsaechlichen Transaktionsparametern abweichen. Fuer eine verbindliche Kaufpreisermittlung wenden Sie sich an einen qualifizierten M&A-Berater, Wirtschaftspruefer oder Bewertungsspezialisten.