Bewertungsmethoden im Vergleich: DCF, Multiples und Ertragswert
Die drei wichtigsten Verfahren der Unternehmensbewertung im direkten Vergleich — mit Formeln, Rechenbeispielen und Entscheidungshilfen für den DACH-Mittelstand.
Die drei wichtigsten Methoden der Unternehmensbewertung sind das Multiplikator-Verfahren (EBIT/EBITDA-Multiple), das Ertragswertverfahren (IDW S1) und das DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow). Jede Methode hat spezifische Stärken und Anwendungsbereiche. Dieser Leitfaden vergleicht alle Verfahren anhand konkreter Rechenbeispiele und zeigt, welche Methode für welchen Bewertungsanlass die richtige Wahl ist.
Bewertungsmethoden im Überblick
Die folgende Tabelle stellt die fünf gängigsten Bewertungsmethoden entlang der Dimensionen Komplexität, Datenaufwand, Genauigkeit und typische Eignung gegenüber. Die Auswahl der Methode hängt maßgeblich von der Unternehmensgröße, der Datenverfügbarkeit und dem Bewertungsanlass ab.
| Methode | Formel | Komplexität | Datenaufwand | Genauigkeit | Eignung |
|---|---|---|---|---|---|
| EBIT-Multiple | EBIT × Faktor | Niedrig | Niedrig | Mittel | KMU, Erstindikation |
| EBITDA-Multiple | EBITDA × Faktor | Niedrig | Niedrig | Mittel | Kapitalintensive KMU |
| Ertragswert (IDW S1) | Ertrag / Kapzins | Mittel | Mittel | Mittel-Hoch | Etablierte KMU, Finanzamt |
| DCF | Σ CF/(1+r)^n | Hoch | Hoch | Hoch | Große Unternehmen, PE |
| Substanzwert | Aktiva − Passiva | Niedrig | Niedrig | Niedrig | Asset-heavy, Untergrenze |
Quellen: FINANCE Magazin M&A-Panel, DUB Unternehmensbörse, NIMBO Transaktionsdatenbank. Stand 2025/2026, DACH-Raum. Die Angaben dienen der Orientierung und stellen keine Beratung dar.
Die Tabelle verdeutlicht: Einfache Methoden wie das Multiple-Verfahren sind schnell anwendbar, setzen aber voraus, dass belastbare Vergleichstransaktionen existieren. Komplexe Methoden wie das DCF-Verfahren liefern theoretisch präzisere Ergebnisse, erfordern jedoch umfangreiche Annahmen zur zukünftigen Geschäftsentwicklung. In der Praxis empfiehlt sich daher fast immer ein Kombinationsansatz.
EBIT-Multiple-Verfahren
Das EBIT-Multiple-Verfahren ist die in der DACH-M&A-Praxis am weitesten verbreitete Methode für die Bewertung mittelständischer Unternehmen. Es verknüpft die Ertragskraft eines Unternehmens mit beobachteten Transaktionspreisen vergleichbarer Unternehmen und liefert so eine marktnahe Wertindikation.
Formel und Berechnung
Enterprise Value = Bereinigter EBIT × Branchen-Multiple
Der bereinigte EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) bildet die operative Ertragskraft des Unternehmens ab. „Bereinigt“ bedeutet, dass einmalige Sondereffekte (außerordentliche Erträge oder Aufwendungen), eine nicht-marktübliche Geschäftsführervergütung und nicht-betriebsnotwendige Aufwendungen herausgerechnet werden.
Rechenbeispiel
IT-Dienstleister, 25 Mitarbeiter, Süddeutschland
- Bereinigter EBIT: 500.000 €
- Branchen-Multiple (IT-Services Median): 5,5x
- Enterprise Value: 500.000 € × 5,5 = 2.750.000 €
Der Equity Value ergibt sich nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Einfach und schnell anwendbar
- Marktbasiert, da aus realen Transaktionen abgeleitet
- Gut nachvollziehbar für Inhaber und Käufer
- Geringer Datenaufwand
Nachteile
- Abhängig von Verfügbarkeit vergleichbarer Transaktionen
- Berücksichtigt keine Zukunftsperspektive
- Standardisierung der Multiples schwierig
- Keine Berücksichtigung der Kapitalstruktur
Das EBIT-Multiple-Verfahren eignet sich besonders für die Erstindikation bei Nachfolgeregelungen, die Bewertung von Dienstleistungsunternehmen mit geringem Anlagevermögen und als Benchmark in Verhandlungen. Detaillierte Branchen-Multiples für den DACH-Raum finden Sie in unserem Unternehmenswertrechner.
EBITDA-Multiple-Verfahren
Das EBITDA-Multiple-Verfahren folgt der gleichen Logik wie das EBIT-Multiple-Verfahren, verwendet jedoch als Bezugsgröße den EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) — also den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Damit wird die Verzerrung durch unterschiedliche Abschreibungspolitiken eliminiert, was insbesondere bei kapitalintensiven Unternehmen relevant ist.
Formel und Berechnung
Enterprise Value = Bereinigter EBITDA × Branchen-Multiple
Rechenbeispiel
Industrieservice-Unternehmen, 80 Mitarbeiter, NRW
- Bereinigter EBITDA: 1.200.000 €
- Bereinigter EBIT (nach 400.000 € AfA): 800.000 €
- EBITDA-Multiple (Industrieservices Median): 4,8x
- Enterprise Value: 1.200.000 € × 4,8 = 5.760.000 €
Zum Vergleich: EBIT-Multiple von 6,0x ergäbe 800.000 × 6,0 = 4.800.000 €. Die Differenz erklärt sich durch die hohen Abschreibungen auf den Maschinenpark.
Wann EBITDA statt EBIT?
EBITDA-Multiples werden bevorzugt eingesetzt bei kapitalintensiven Branchen (Maschinenbau, Logistik, Industrieservices), wenn Unternehmen mit unterschiedlichen Abschreibungspolitiken verglichen werden sollen, und bei internationalen Transaktionen, da EBITDA der globale Standard in der PE-Welt ist. Für Dienstleistungsunternehmen mit geringem Anlagevermögen bleibt der EBIT-Multiple die praxisüblichere Kennzahl. Einen vertieften Überblick über aktuelle Multiples bieten unsere Sektoranalysen.
Ertragswertverfahren (IDW S1)
Das Ertragswertverfahren ist das in der deutschen Bewertungspraxis etablierte Standardverfahren, kodifiziert im IDW-Standard S1 (Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen) des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Es kapitalisiert den nachhaltig erzielbaren Ertrag mit einem risikoadjustierten Zinssatz und wird insbesondere von Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Finanzämtern verwendet.
Formel und Berechnung
Ertragswert = Nachhaltiger Ertrag / Kapitalisierungszinssatz
Der nachhaltige Ertrag wird aus den bereinigten Ergebnissen der letzten drei bis fünf Geschäftsjahre abgeleitet, wobei die jüngeren Jahre stärker gewichtet werden. Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich zusammen aus dem risikolosen Basiszinssatz (aktuell circa 2,5 %), einer Marktrisikoprämie, einem branchenspezifischen Beta-Faktor und individuellen Risikozuschlägen für Größe, Inhaberabhängigkeit und Fungibilität.
Rechenbeispiel
Facility-Management-Unternehmen, 120 Mitarbeiter, Bayern
- Nachhaltiger Jahresertrag (bereinigt): 620.000 €
- Basiszinssatz: 2,50 %
- Marktrisikoprämie × Beta: 5,50 %
- Größen-/Fungibilitätszuschlag: 4,00 %
- Kapitalisierungszinssatz: 12,00 %
- Ertragswert: 620.000 € / 0,12 = 5.166.667 €
In der Praxis werden häufig zwei Phasen modelliert: eine Detailplanungsphase (5 Jahre) und eine ewige Rente (Terminal Value). Das vereinfachte Ertragswertverfahren nimmt einen konstanten Ertragsstrom an.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Anerkannter Standard (IDW S1)
- Von Finanzämtern und Gerichten akzeptiert
- Berücksichtigt unternehmensspezifisches Risiko
- Methodisch fundiert und dokumentierbar
Nachteile
- Kapitalisierungszins ist subjektiv beeinflussbar
- Vergangenheitsorientiert
- Berücksichtigt Marktdynamik nur eingeschränkt
- Erfordert Wirtschaftsprüfer-Kompetenz
Das Ertragswertverfahren ist die Methode der Wahl bei steuerlich motivierten Bewertungen (Erbschaft, Schenkung, Gesellschafterauseinandersetzung), bei gerichtlichen Auseinandersetzungen und als methodischer Ankerpunkt in Kombination mit dem Multiple-Verfahren. Für Unternehmer, die sich erstmals mit dem Thema Nachfolge befassen, empfehlen wir unsere Seite Für Unternehmer.
DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow)
Das DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow) ist die international anerkannte Standardmethode der Unternehmensbewertung und wird bei größeren Transaktionen, insbesondere im Private-Equity-Umfeld, als primäres Bewertungsinstrument eingesetzt. Es diskontiert die zukünftig erwarteten freien Cashflows auf den heutigen Zeitpunkt und addiert einen Terminal Value für den Wert jenseits des Planungshorizonts.
Formel und Berechnung
Enterprise Value = Σ FCFₚ / (1 + WACC)ⁿ + Terminal Value / (1 + WACC)ⁿ
Die zentralen Inputgrößen sind der Free Cash Flow (FCF) als operativer Cashflow nach Investitionen und Working-Capital-Veränderungen, der WACC (Weighted Average Cost of Capital) als gewichteter Diskontierungssatz und der Terminal Value, der den Wert des Unternehmens jenseits des expliziten Planungszeitraums abbildet — typischerweise über das Gordon-Growth-Modell mit einer nachhaltigen Wachstumsrate von 1 bis 2 %.
Rechenbeispiel (vereinfacht)
Healthcare-Unternehmen, 200 Mitarbeiter, DACH-weit
| Jahr | FCF | Diskontfaktor | Barwert |
|---|---|---|---|
| 2026 | 800.000 € | 0,926 | 740.741 € |
| 2027 | 880.000 € | 0,857 | 754.327 € |
| 2028 | 950.000 € | 0,794 | 754.098 € |
| 2029 | 1.020.000 € | 0,735 | 749.744 € |
| 2030 | 1.100.000 € | 0,681 | 748.727 € |
- Summe Barwerte (5 Jahre): 3.747.637 €
- Terminal Value (Gordon Growth, g = 1,5 %, diskontiert): 11.283.951 €
- Enterprise Value: 3.747.637 + 11.283.951 = 15.031.588 €
WACC-Annahme: 8,0 %. Die Berechnung ist vereinfacht dargestellt. In der Praxis werden Szenario-Analysen (Base/Bull/Bear) und Sensitivitätstabellen erstellt.
Vorteile und Nachteile
Vorteile
- Zukunftsorientiert und theoretisch fundiert
- Berücksichtigt Investitionsbedarf und Cashflows
- Internationaler Standard (IFRS, US GAAP)
- Szenario-Analyse möglich
Nachteile
- Hohe Komplexität, erfordert Finanzplanungsexpertise
- Stark abhängig von Annahmen (WACC, Wachstumsrate)
- Terminal Value dominiert oft 60–80 % des Werts
- Für KMU häufig überdimensioniert
Das DCF-Verfahren ist unverzichtbar bei Transaktionen ab circa 10 Mio. € Enterprise Value, bei wachstumsstarken Unternehmen mit hohem Investitionsbedarf und bei internationalen Transaktionen, bei denen angloamerikanische Investoren ein DCF-Modell erwarten. Für die systematische Identifikation geeigneter Targets im DACH-Mittelstand lesen Sie unseren Leitfaden Was ist Deal Origination?
Substanzwertverfahren
Das Substanzwertverfahren ermittelt den Wert eines Unternehmens auf Basis seiner vorhandenen Vermögensgegenstände abzüglich aller Schulden. Es beantwortet die Frage: „Was würde es kosten, dieses Unternehmen von Grund auf neu aufzubauen?“ (Reproduktionswert) oder „Was lässt sich bei Einzelveräußerung der Vermögenswerte erlösen?“ (Liquidationswert).
Formel und Berechnung
Substanzwert = Summe aller Aktiva (Zeitwert) − Summe aller Passiva
Rechenbeispiel
Maschinenbau-Unternehmen, 60 Mitarbeiter, Baden-Württemberg
- Immobilien (Zeitwert): 1.800.000 €
- Maschinen und Anlagen (Zeitwert): 1.200.000 €
- Vorräte: 400.000 €
- Forderungen und liquide Mittel: 600.000 €
- Verbindlichkeiten: −1.500.000 €
- Substanzwert: 4.000.000 − 1.500.000 = 2.500.000 €
Der Substanzwert berücksichtigt keine immateriellen Werte wie Kundenbeziehungen, Marke oder Know-how. Für Dienstleister liegt der Substanzwert daher oft deutlich unter dem Ertragswert.
Das Substanzwertverfahren dient in der Praxis vorwiegend als Wertuntergrenze. Es ist relevant bei vermögensintensiven Unternehmen (Immobilien, Maschinenbau, Logistik), bei Liquidationsszenarien und als ergänzende Plausibilisierung neben ertragswertbasierten Methoden. Für Dienstleistungs- und Technologieunternehmen, deren Wert primär in der Ertragskraft und in immateriellen Vermögenswerten liegt, ist der Substanzwert als alleinige Bewertungsgrundlage ungeeignet.
Welche Methode für welches Unternehmen?
Die Wahl der geeigneten Bewertungsmethode hängt von vier zentralen Faktoren ab: der Unternehmensgröße, der Branche, dem Bewertungsanlass und der Datenverfügbarkeit. Das folgende Entscheidungsframework gibt eine praxisnahe Orientierung.
KMU bis 5 Mio. € Umsatz — Erstindikation
Empfohlen: EBIT-Multiple-Verfahren. Schnelle, nachvollziehbare Bewertung auf Basis branchenspezifischer Multiples. Ideal für Nachfolgeplanungen und als Grundlage für Erstgespräche mit Beratern. Ergänzend den Unternehmenswertrechner nutzen.
Mittelstand 5–50 Mio. € Umsatz — Transaktionsvorbereitung
Empfohlen: Kombination aus Multiple- und Ertragswertverfahren. Das Multiple-Verfahren liefert die Marktperspektive, das Ertragswertverfahren den methodisch fundierten Ankerpunkt. Bei kapitalintensiven Unternehmen zusätzlich den Substanzwert als Untergrenze ermitteln.
Größere Unternehmen ab 50 Mio. € Umsatz — PE-Transaktionen
Empfohlen: DCF als Primärmethode, Multiples als Plausibilisierung. International agierende Investoren erwarten ein vollständiges DCF-Modell mit Szenario-Analyse. EBITDA-Multiples dienen als Markt-Benchmark und zur Validierung der DCF-Ergebnisse.
Steuerliche Anlässe — Erbschaft, Schenkung, Auseinandersetzung
Empfohlen: Ertragswertverfahren nach IDW S1. Für steuerliche Bewertungen ist das Ertragswertverfahren nach IDW S1 der anerkannte Standard in Deutschland. Finanzämter und Gerichte akzeptieren diese Methode als Grundlage für die Wertfeststellung.
Vermögensintensive Unternehmen — Immobilien, Maschinenbau
Empfohlen: Substanzwertverfahren als Ergänzung. Bei Unternehmen mit hohem Anlagevermögen bildet der Substanzwert die Wertuntergrenze. In Kombination mit dem EBITDA-Multiple-Verfahren entsteht eine belastbare Bewertungsbandbreite.
Unabhängig vom gewählten Verfahren gilt: Eine Unternehmensbewertung ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine fundierte Einschätzung. Der „richtige“ Unternehmenswert ist letztlich der Preis, auf den sich Käufer und Verkäufer einigen. Die Methoden liefern dafür den analytischen Rahmen. Mehr zum Thema Unternehmensverkauf erfahren Sie auf unserer Seite Für Unternehmer.
Kombinationsansatz in der Praxis
In der professionellen M&A-Beratung wird so gut wie nie eine einzelne Methode isoliert angewandt. Stattdessen hat sich ein Kombinationsansatz als Best Practice etabliert, bei dem die Ergebnisse mehrerer Verfahren als Bewertungsbandbreite zusammengeführt werden. Dieses Vorgehen erhöht die Belastbarkeit der Bewertung und schafft Verhandlungssicherheit für alle Beteiligten.
Typische Kombinationen
Für mittelständische Unternehmen im DACH-Raum hat sich folgendes Vorgehen bewährt:
- 1. Multiple-Verfahren als Marktreferenz
Der EBIT- oder EBITDA-Multiple liefert den marktbasierten Ankerpunkt. Er zeigt, was vergleichbare Unternehmen in der Praxis erzielt haben. Diese Indikation ist besonders wertvoll in Verhandlungen, da sie auf realen Transaktionsdaten basiert.
- 2. Ertragswertverfahren als methodischer Ankerpunkt
Das Ertragswertverfahren nach IDW S1 liefert eine methodisch fundierte, dokumentierbare Bewertung. Es berücksichtigt die unternehmensspezifischen Risikofaktoren und ist insbesondere für steuerliche Anlässe und gerichtliche Auseinandersetzungen die anerkannte Referenz.
- 3. DCF als zukunftsorientierte Ergänzung (optional)
Bei größeren Transaktionen und wachstumsstarken Unternehmen ergänzt ein DCF-Modell die Bewertung um eine zukunftsorientierte Perspektive. Die Szenario-Analyse zeigt die Wertbandbreite unter verschiedenen Annahmen und ist für PE-Investoren ein erwarteter Standard.
- 4. Substanzwert als Wertuntergrenze
Der Substanzwert definiert die absolute Untergrenze. Wenn der Ertragswert unter dem Substanzwert liegt, deutet dies auf strukturelle Ertragsprobleme hin. Bei vermögensintensiven Unternehmen liefert der Substanzwert zudem eine wichtige Plausibilisierung.
Von der Bandbreite zum Verhandlungspreis
Die verschiedenen Methoden liefern in der Regel unterschiedliche Ergebnisse. Dies ist kein Makel, sondern gewollt: Die resultierende Bandbreite definiert den realistischen Verhandlungskorridor. Der tatsächliche Transaktionspreis wird dann durch Angebot und Nachfrage, die Verhandlungsposition beider Parteien und die spezifischen Transaktionsbedingungen (Garantien, Earn-Out-Klauseln, Beraterbegleitung) bestimmt.
Beispiel: Bewertungsbandbreite für einen IT-Dienstleister
- Substanzwert: 1.200.000 € (Untergrenze)
- Ertragswert (IDW S1): 2.400.000 €
- EBIT-Multiple (5,5x): 2.750.000 €
- DCF-Verfahren: 3.100.000 €
- Verhandlungskorridor: 2.400.000 – 3.100.000 €
Der Substanzwert bestätigt, dass die Ertragsbewertung deutlich über dem Vermögenswert liegt — typisch für Dienstleister mit hohem immateriellen Wertanteil.
Die professionelle Zusammenführung mehrerer Bewertungsmethoden erfordert Erfahrung und Branchenkenntnis. Für eine indikative Ersteinschätzung empfehlen wir unseren kostenlosen Unternehmenswertrechner, der das Multiple- und Ertragswertverfahren kombiniert und branchenspezifische Anpassungen vornimmt.
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Vertrauliches Gespräch vereinbarenHäufig gestellte Fragen
Welche Bewertungsmethode ist die beste?
Es gibt keine universell beste Methode. Die optimale Wahl hängt von der Unternehmensgröße, der Branche, der Datenverfügbarkeit und dem Bewertungsanlass ab. Für KMU im Mittelstand liefert das EBIT-Multiple-Verfahren eine schnelle, marktnahe Indikation. Für steuerliche Anlässe ist das Ertragswertverfahren nach IDW S1 Standard. Für größere Transaktionen ab 10 Millionen Euro Enterprise Value ist das DCF-Verfahren die Methode der Wahl. In der Praxis werden meist zwei bis drei Methoden kombiniert, um eine belastbare Bandbreite zu ermitteln.
Was kostet eine professionelle Bewertung?
Die Kosten variieren je nach Komplexität und Umfang. Eine indikative Bewertung auf Basis des Multiple-Verfahrens ist ab 2.000 bis 5.000 Euro erhältlich. Eine vollständige Bewertung nach IDW S1 durch einen Wirtschaftsprüfer kostet zwischen 8.000 und 25.000 Euro. Ein umfassendes DCF-Modell mit detaillierter Finanzplanung liegt bei 15.000 bis 50.000 Euro. Für eine erste Orientierung empfehlen wir unseren kostenlosen Unternehmenswertrechner.
Wie genau sind Online-Rechner?
Seriöse Online-Rechner wie unser Unternehmenswertrechner liefern Ergebnisse, die erfahrungsgemäß innerhalb von plus/minus 20 bis 30 Prozent einer professionellen Bewertung liegen. Sie eignen sich hervorragend als Erstindikation, zur Vorbereitung auf Beratergespräche und als Orientierung für Nachfolgeplanungen. Für verbindliche Bewertungen im Rahmen von Transaktionen, steuerlichen Anlässen oder Gesellschafterauseinandersetzungen ist jedoch eine professionelle Bewertung durch einen qualifizierten Gutachter erforderlich.
Was ist IDW S1?
IDW S1 ist der vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland herausgegebene Standard für die Durchführung von Unternehmensbewertungen (Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen). Der Standard definiert die anerkannten Bewertungsverfahren, die Ableitung des Kapitalisierungszinssatzes, den Umgang mit Synergien und die Anforderungen an die Dokumentation. IDW S1 gilt als der maßgebliche Bewertungsstandard in Deutschland und wird insbesondere bei gerichtlichen und steuerlichen Bewertungen zugrunde gelegt.
Wann brauche ich ein DCF-Modell?
Ein DCF-Modell ist empfehlenswert bei Transaktionen ab 10 Millionen Euro Enterprise Value, bei stark wachsenden Unternehmen mit überdurchschnittlichem Investitionsbedarf, bei Unternehmen mit unregelmäßigen Cashflows und bei internationalen Transaktionen, bei denen angloamerikanische Investoren ein DCF-Modell erwarten. Für den klassischen Mittelstand mit stabilen Erträgen und Umsätzen unter 20 Millionen Euro ist das DCF-Verfahren häufig überdimensioniert und das Multiple- oder Ertragswertverfahren die praxisnähere Wahl.
Was ist ein Kapitalisierungszinssatz?
Der Kapitalisierungszinssatz drückt die Renditeerwartung eines Investors unter Berücksichtigung des unternehmensspezifischen Risikos aus. Er setzt sich zusammen aus dem risikolosen Basiszinssatz (aktuell circa 2,5 Prozent, abgeleitet aus der Zinsstrukturkurve), einer Marktrisikoprämie (circa 6 bis 7 Prozent), einem Beta-Faktor für das Branchenrisiko und individuellen Zuschlägen für Größe, Inhaberabhängigkeit und weitere Risikofaktoren. Typische Kapitalisierungszinssätze für KMU im Mittelstand liegen zwischen 10 und 18 Prozent.
Wie berechne ich den WACC?
Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) ist der gewichtete Durchschnitt der Eigen- und Fremdkapitalkosten. Die Formel lautet: WACC gleich Eigenkapitalquote mal Eigenkapitalkostensatz plus Fremdkapitalquote mal Fremdkapitalkostensatz mal (1 minus Steuersatz). Für ein typisches mittelständisches Unternehmen mit 40 Prozent Eigenkapital, 14 Prozent Eigenkapitalkosten, 60 Prozent Fremdkapital, 5 Prozent Fremdkapitalzins und 30 Prozent Steuersatz ergibt sich: 0,4 mal 14 Prozent plus 0,6 mal 5 Prozent mal 0,7 gleich 7,7 Prozent WACC.
Kann ich mehrere Methoden kombinieren?
Ja, und das ist in der Praxis die Regel. Die meisten M&A-Berater und Wirtschaftsprüfer verwenden einen Kombinationsansatz, bei dem zwei bis drei Methoden parallel angewandt werden. Die Ergebnisse werden als Bewertungsbandbreite dargestellt und je nach Bewertungsanlass gewichtet. Typisch ist eine Kombination aus Multiple-Verfahren als Marktindikation, Ertragswertverfahren als methodischer Ankerpunkt und DCF als zukunftsorientierte Ergänzung. Der finale Unternehmenswert liegt dann im Überlappungsbereich der verschiedenen Methoden.
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