Schweiz

Unternehmensbewertung in der Schweiz

Bewertungsmethoden, EBITDA-Multiples in CHF und kantonale Steuerbesonderheiten: Der Leitfaden zur Unternehmensbewertung im Schweizer Markt.

Bewertungsstandards in der Schweiz

Die Schweiz kennt keinen einheitlichen gesetzlich vorgeschriebenen Bewertungsstandard. In der Praxis haben sich folgende Rahmenwerke etabliert:

  • EXPERTsuisse-Richtlinien – Die Berufsorganisation der Wirtschaftsprüfer und Steuerexperten gibt Empfehlungen zur Bewertungsmethodik.
  • Kreisschreiben Nr. 28 ESTV – Die Eidgenössische Steuerverwaltung definiert die steuerliche Bewertungsmethodik mit der Formel: Steuerwert = (1× Substanzwert + 2× Ertragswert) / 3.
  • Swiss GAAP FER – Für die Rechnungslegung, insbesondere bei Konzernrechnungen (FER 30) und immateriellen Werten (FER 10).
  • IFRS / IVS – Internationale Standards, zunehmend bei grösseren Transaktionen und börsenkotierten Unternehmen.

EBITDA-Multiples im Schweizer Markt (CHF)

Die Schweizer Multiples liegen typischerweise 10–20 % über den deutschen Werten, bedingt durch höhere Profitabilität, wirtschaftliche Stabilität und den starken Franken.

BrancheMultiple-Range (EBITDA)Median
Industrie & Fertigung5,5–8,0×6,5×
IT & Technologie10,0–18,0×13,0×
Pharma & Medtech10,0–16,0×12,0×
Finanzdienstleistungen8,0–12,0×9,5×
Handel & Konsumgüter5,0–8,5×6,5×
Uhren & Luxusgüter8,0–14,0×10,0×
Cleantech & Energie7,0–12,0×9,0×

Quelle: Marktbeobachtung M&A-Transaktionen Schweiz 2024–2026, eigene Analyse. Angaben in CHF-Äquivalenten.

Kantonale Steuerbelastung und Bewertung

Die föderale Steuerstruktur der Schweiz ist ein zentraler Faktor bei der Unternehmensbewertung. Die effektive Gewinnsteuer variiert erheblich:

KantonEff. GewinnsteuerAttraktivität
Zug11,9 %Sehr hoch
Nidwalden12,0 %Sehr hoch
Luzern12,3 %Sehr hoch
Schwyz14,1 %Hoch
Zürich19,7 %Mittel
Bern21,6 %Mittel
Genf14,0 %Hoch

Effektive Gewinnsteuersätze 2025, Hauptort des jeweiligen Kantons. Quelle: ESTV.

M&A-Markt Schweiz

Die Schweiz ist einer der aktivsten M&A-Märkte Europas mit jährlich rund 300–400 Transaktionen im Mittelstand. Besondere Stärken:

  • Pharma & Medtech-Cluster in Basel und Zürich (globale Bedeutung)
  • Fintech & Crypto Valley in Zug (innovativster Standort Europas)
  • Maschinenbau & Präzisionsindustrie in der Deutschschweiz
  • Commodities & Trading in Genf und Lugano

Die Nachfolgethematik betrifft in der Schweiz rund 70.000 bis 80.000 KMU in den nächsten zehn Jahren. Viele inhabergeführte Unternehmen suchen aktiv nach Nachfolgelösungen — ein wachsendes Akquisitionsfeld für PE-Investoren.

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Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Welche Bewertungsstandards gelten in der Schweiz?

In der Schweiz gibt es keinen einheitlichen gesetzlichen Bewertungsstandard wie den deutschen IDW S1 oder den österreichischen KFS/BW 1. In der Praxis orientieren sich Bewertungsgutachten am Swiss GAAP FER 30 (Konzernrechnung), an den Richtlinien der EXPERTsuisse (ehemals Treuhand-Kammer) sowie an internationalen Standards (IFRS, IVS). Für steuerliche Bewertungen ist das Kreisschreiben Nr. 28 der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) massgeblich, das die Berechnung des Ertragswerts und des Substanzwerts regelt.

Welche EBITDA-Multiples gelten in der Schweiz?

Die EBITDA-Multiples in der Schweiz liegen im Durchschnitt 10–20 % über den deutschen Werten, was die höhere Profitabilität, die wirtschaftliche Stabilität und den starken Franken reflektiert. Industrieunternehmen werden typischerweise mit 5,5–8,0× EBITDA bewertet, IT- und Technologie mit 10,0–18,0×, Pharma und Medtech mit 10,0–16,0×, Finanzdienstleister mit 8,0–12,0×. Die Bewertungen sind in CHF denominiert.

Wie wirkt sich die kantonale Besteuerung auf die Bewertung aus?

Die Schweiz hat ein föderales Steuersystem, bei dem Bund, Kanton und Gemeinde jeweils eigene Steuern erheben. Die effektive Gewinnsteuerbelastung variiert zwischen 11,9 % (Kanton Zug) und 21,6 % (Kanton Bern). Diese Unterschiede beeinflussen den Nachsteuer-Cashflow und damit direkt den Unternehmenswert. Bei der DCF-Bewertung muss der standortspezifische Steuersatz verwendet werden. Kantone wie Zug, Schwyz, Nidwalden und Luzern sind besonders attraktiv für Unternehmensstandorte.

Was ist bei einer Due Diligence in der Schweiz zu beachten?

In der Schweiz sind bei der Due Diligence besonders zu beachten: die Arbeitgeberbeiträge an die AHV/IV/EO/ALV (12,5 % des Bruttolohns), die berufliche Vorsorge (BVG/2. Säule) mit möglichen Unterdeckungen der Pensionskasse, die kantonalen Handelsregistereinträge, bestehende Aktionärbindungsverträge (ABV) und die Einhaltung des Bundesgesetzes über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland (Lex Koller) bei Immobilienbesitz.

Wie funktioniert ein Unternehmensverkauf in der Schweiz?

Der typische M&A-Prozess in der Schweiz umfasst: Unternehmensbewertung und Vorbereitung des Information Memorandums, Identifikation und Ansprache potenzieller Käufer (oft über M&A-Berater), Abschluss eines NDA und Übergabe der Verkaufsdokumentation, indikatives Angebot (LOI), Due Diligence (4–8 Wochen), Verhandlung des Aktienkauf- oder Asset-Kaufvertrags (SPA), Signing und Closing. Die Transaktion unterliegt dem Schweizer Obligationenrecht (OR). Bei Übernahmen börsenkotierter Gesellschaften gilt das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG).

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