Due Diligence Checkliste: Was beim Unternehmenskauf geprüft wird
Methodik

Due Diligence Checkliste: Was beim Unternehmenskauf geprüft wird

Vollständige Due Diligence Checkliste für den Mittelstand. 6 Prüfbereiche, typische Dauer, Kosten und die häufigsten Dealbreaker.

SourcingClub··11 Min. Lesezeit

Die Due Diligence beim Unternehmenskauf umfasst sechs Prüfbereiche: Financial, Tax, Legal, Commercial, Operational und IT/Cyber. Im Mittelstand dauert sie 4–8 Wochen und kostet je nach Komplexität 15.000–80.000 EUR. Dieser Leitfaden zeigt, was geprüft wird, wer was bezahlt und welche Findings am häufigsten Deals scheitern lassen.

Was ist Due Diligence?

Due Diligence (wörtlich: „gebotene Sorgfalt") bezeichnet die systematische Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf. Der Käufer — oder ein von ihm beauftragtes Beraterteam — durchleuchtet das Zielunternehmen in allen relevanten Dimensionen: Finanzen, Steuern, Recht, Markt, Betrieb und IT. Ziel ist es, die im Letter of Intent (LOI) getroffenen Annahmen zur Bewertung zu verifizieren, Risiken zu identifizieren und eine solide Grundlage für die Kaufpreisverhandlung zu schaffen.

Die Due Diligence wird in aller Regel vom Käufer initiiert und bezahlt. Sie beginnt nach Unterzeichnung des LOI und vor dem finalen Kaufvertrag (SPA). Im Unterschied zur Vendor Due Diligence — bei der der Verkäufer die Prüfung vorab selbst in Auftrag gibt — liegt die Steuerung bei der Käuferseite. Eine Vendor DD kann den Prozess beschleunigen, weil potenzielle Käufer auf einen bereits geprüften Datensatz zugreifen können. Sie ersetzt die Käufer-DD aber nicht vollständig: Käufer führen fast immer eine eigene Confirmatory DD durch.

Im Mittelstand ist die Due Diligence oft der entscheidende Meilenstein der gesamten Transaktion. Sie bestätigt den Kaufpreis, deckt Risiken auf, die in den Kaufvertrag einfließen (Garantien, Freistellungen, Kaufpreisanpassungen) und liefert dem Käufer die Informationsbasis für die Integration nach dem Closing. Ein schlecht vorbereiteter Datenraum kann den Prozess um Wochen verzögern — oder den Deal ganz gefährden.

Die 6 Prüfbereiche im Detail

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die sechs klassischen Due-Diligence-Bereiche, typische Prüfgegenstände, häufige Findings und kritische Red Flags:

PrüfbereichWas wird geprüftTypische FindingsRed Flags
Financial DDBereinigter EBIT/EBITDA, Working Capital, Nettoverschuldung, Investitionsstau, Cashflow-QualitätEBIT-Bereinigungen > 20 %, abweichende Working-Capital-NormalisierungRückläufiger EBIT-Trend über 3+ Jahre, negative Free Cashflows
Tax DDSteuerrückstellungen, offene Betriebsprüfungen, Verrechnungspreise, Umsatzsteuer, Gesellschafter-DarlehenOffene Betriebsprüfungszeiträume, fehlende VerrechnungspreisdokumentationAggressive Steuergestaltung, verdeckte Gewinnausschüttungen
Legal DDGesellschaftsverträge, Arbeitsverträge, IP-Rechte, Rechtsstreitigkeiten, Genehmigungen, MietverträgeFehlende Zustimmungsvorbehalte, Change-of-Control-Klauseln in VerträgenLaufende Gerichtsverfahren mit wesentlichem Streitwert
Commercial DDMarktposition, Kundenstruktur, Pipeline, Wettbewerbsumfeld, PreissetzungsmachtKundenkonzentration > 30 % auf einen AbnehmerKündigung eines Top-3-Kunden, schrumpfender Zielmarkt
Operational DDProzesse, Lieferketten, Schlüsselkräfte, Produktionskapazität, QualitätsmanagementInhaberabhängigkeit, fehlende ProzessdokumentationKein zweiter Führungsring, Single-Source-Abhängigkeit bei kritischen Zulieferern
IT/Cyber DDIT-Infrastruktur, Datenschutz (DSGVO), Cybersecurity, Softwarelizenzen, ERP-SystemeVeraltete Systeme, fehlende Backup-Strategie, LizenzlückenDSGVO-Verstöße, dokumentierte Sicherheitsvorfälle, End-of-Life-Kernsysteme

Financial Due Diligence

Die Financial DD ist das Herzstück jeder Unternehmensprüfung. Im Fokus steht die Qualität der Erträge (Quality of Earnings): Wie nachhaltig ist der ausgewiesene EBITDA? Typische Bereinigungen im Mittelstand betreffen das Geschäftsführergehalt (Anpassung auf Marktniveau), einmalige Beratungskosten, private Kfz-Nutzung oder außerordentliche Aufwendungen. Eine EBIT-Bereinigung von 10–15 % ist im inhabergeführten Mittelstand normal — ab 20 % wird es kritisch, weil die Ertragsgrundlage dann fragwürdig wird.

Ebenso wichtig: die Working-Capital-Analyse. Der Käufer prüft, ob das Umlaufvermögen (Forderungen, Vorräte, Verbindlichkeiten) einem nachhaltigen Niveau entspricht oder ob der Verkäufer Working Capital vor dem Verkauf künstlich reduziert hat — etwa durch verzögerte Lieferantenzahlungen oder beschleunigten Forderungseinzug. Die Differenz zwischen tatsächlichem und normalisiertem Working Capital fließt als Kaufpreisanpassung in den SPA.

Tax Due Diligence

Die steuerliche Prüfung identifiziert latente Steuerrisiken, die nach dem Kauf auf den neuen Eigentümer übergehen. Im Mittelstand sind offene Betriebsprüfungszeiträume der häufigste Befund: Wurde das Unternehmen seit fünf oder mehr Jahren nicht geprüft, besteht ein erhöhtes Nachzahlungsrisiko. Weitere Prüfpunkte: Verrechnungspreise zwischen verbundenen Unternehmen, die steuerliche Behandlung von Gesellschafter-Darlehen, Umsatzsteuerrisiken bei internationalen Lieferungen und die korrekte Aktivierung von Wirtschaftsgütern.

Besonders heikel: Verdeckte Gewinnausschüttungen (vGA) — etwa wenn der Geschäftsführer-Gesellschafter ein überhöhtes Gehalt bezieht oder private Ausgaben über das Unternehmen abrechnet. Diese können zu erheblichen Steuernachforderungen führen und sind ein häufiger Streitpunkt bei Betriebsprüfungen.

Die rechtliche DD prüft die Vertragsbasis des Unternehmens: Gesellschaftsvertrag (Zustimmungsvorbehalte, Vorkaufsrechte, Vinkulierung), wesentliche Kundenverträge (Laufzeiten, Kündigungsfristen, Change-of-Control-Klauseln), Arbeitsverträge der Schlüsselmitarbeiter (Wettbewerbsverbote, Abfindungsregelungen), Miet- und Leasingverträge, IP-Rechte (Marken, Patente, Softwarelizenzen) und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Im Mittelstand ist ein typischer Befund das Fehlen schriftlicher Verträge — langjährige Geschäftsbeziehungen laufen oft auf Handschlag. Für den Käufer bedeutet das ein erhöhtes Risiko, weil Kündigungsfristen und Konditionen nicht dokumentiert sind. Change-of-Control-Klauseln in Schlüsselverträgen können den Deal gefährden, wenn der Vertragspartner der Übertragung nicht zustimmt.

Commercial Due Diligence

Die Commercial DD bewertet die Marktposition und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Zentrale Fragen: Wie groß ist der adressierbare Markt? Wie entwickelt sich die Branche? Wie verteidigt das Unternehmen seine Position gegen Wettbewerber? Wie stabil ist die Kundenbasis?

Die Kundenkonzentration ist im Mittelstand der kritischste Punkt: Wenn ein einzelner Kunde mehr als 30 % des Umsatzes ausmacht, besteht ein erhebliches Klumpenrisiko. Der Käufer muss dann bewerten, wie wahrscheinlich ein Kundenverlust nach der Transaktion ist — und ob die Kundenbeziehung am Inhaber hängt oder an der Leistung des Unternehmens. Ideal: kein Einzelkunde über 10 %, die Top-10-Kunden unter 50 % des Gesamtumsatzes.

Operational Due Diligence

Die operative DD untersucht, wie das Unternehmen im Tagesgeschäft funktioniert: Sind Prozesse dokumentiert? Gibt es eine zweite Führungsebene? Wie abhängig ist der Betrieb vom Inhaber? Wie stabil sind die Lieferketten?

Die Inhaberabhängigkeit ist im Mittelstand der häufigste operative Befund — und einer der häufigsten Dealbreaker. Wenn der Geschäftsführer zugleich Hauptvertriebler, Produktentwickler und alleiniger Entscheider ist, hängt der gesamte Unternehmenswert an einer Person. Käufer verlangen in solchen Fällen längere Übergangsperioden (Earn-Out, Beraterverträge) oder Kaufpreisabschläge von 20–40 %.

IT und Cyber Due Diligence

Die IT/Cyber DD gewinnt seit 2024 stark an Bedeutung. Geprüft werden: Zustand der IT-Infrastruktur (Server, Netzwerk, Cloud-Strategie), Softwarelizenzen (Compliance, End-of-Life-Systeme), DSGVO-Konformität (Verarbeitungsverzeichnis, Löschkonzept, Auftragsverarbeitungsverträge) und die Cybersecurity-Reife (Firewall, Endpoint Protection, Backup, Incident-Response-Plan).

Im Mittelstand offenbart die IT-DD regelmäßig technische Schulden: veraltete ERP-Systeme, fehlende Dokumentation der IT-Landschaft, unzureichende Backup-Strategien und mangelhafte Zugriffsrechte-Verwaltung. Die Kosten für die Behebung dieser Defizite (IT-Modernisierung) können 100.000–500.000 EUR betragen und müssen in der Kaufpreiskalkulation berücksichtigt werden.

Due Diligence Ablauf in 5 Schritten

Der typische Due-Diligence-Prozess im Mittelstand folgt einem standardisierten Ablauf mit fünf Phasen:

SchrittPhaseDauerBeteiligteOutput
1Datenraum-Setup1–2 WochenVerkäufer, M&A-BeraterStrukturierter virtueller Datenraum (VDR) mit allen relevanten Dokumenten
2Kick-off & Informationsanfrage2–3 TageKäufer, DD-Berater, VerkäuferInformation Request List (IRL), Zeitplan, Ansprechpartner
3Dokumentenprüfung & Analyse3–5 WochenDD-Berater (WP, RA, Steuerberater)Detailanalyse aller Prüfbereiche, Q&A-Protokolle
4Management-Präsentation1–2 TageGeschäftsführung, Käufer, BeraterKlärung offener Punkte, operative Deep Dives
5DD-Report & Empfehlung1 WocheDD-BeraterRed-Flag-Report oder Full-Scope-Report mit Handlungsempfehlungen

Schritt 1: Datenraum-Setup. Der Verkäufer stellt — idealerweise mit Unterstützung seines M&A-Beraters — einen virtuellen Datenraum (VDR) zusammen. Gängige Anbieter sind Ansarada, Datasite (ehemals Merrill), Intralinks oder einfachere Lösungen wie Brainloop. Der Datenraum ist typischerweise in 8–12 Ordner gegliedert: Finanzen, Steuern, Recht, Personal, Kunden, Lieferanten, IT, Versicherungen, Genehmigungen. Je besser die Vorbereitung, desto schneller die DD — ein schlecht strukturierter Datenraum verzögert den Prozess um Wochen.

Schritt 2: Kick-off & Informationsanfrage. Die DD-Berater des Käufers senden eine Information Request List (IRL) — eine detaillierte Dokumentenliste pro Prüfbereich. Im Mittelstand umfasst die IRL typischerweise 150–400 Positionen. Gleichzeitig wird ein Zeitplan vereinbart und es werden Ansprechpartner auf Verkäuferseite benannt (Controller, Steuerberater, Geschäftsführung).

Schritt 3: Dokumentenprüfung & Analyse. Das Kernstück der DD: Die Berater (Wirtschaftsprüfer für Financial/Tax, Rechtsanwälte für Legal, Strategieberater für Commercial) arbeiten sich durch den Datenraum, stellen Nachfragen (Q&A-Prozess über den VDR) und identifizieren Findings. In dieser Phase finden typischerweise 2–4 Runden von Nachfragen statt.

Schritt 4: Management-Präsentation. Der Käufer und seine Berater treffen die Geschäftsführung des Zielunternehmens — meist an einem halben oder ganzen Tag. Ziel: Offene Punkte aus der Dokumentenprüfung klären, die operative Realität hinter den Zahlen verstehen und das Management persönlich bewerten. Die Management-Präsentation ist oft der Moment, in dem sich entscheidet, ob der Käufer das Vertrauen in das Unternehmen und sein Führungsteam gewinnt.

Schritt 5: DD-Report & Empfehlung. Die DD-Berater fassen ihre Ergebnisse in einem strukturierten Report zusammen. Üblich sind zwei Formate: der Red-Flag-Report (komprimiert, 15–30 Seiten, fokussiert auf wesentliche Risiken) und der Full-Scope-Report (50–150 Seiten, vollständige Darstellung aller Prüfbereiche). Der Report enthält eine Zusammenfassung der Findings, eine Risikoeinschätzung und konkrete Empfehlungen für den Kaufvertrag (Garantien, Freistellungen, Kaufpreisanpassungen).

Kosten der Due Diligence

Die Kosten einer Due Diligence hängen von der Unternehmensgröße, der Anzahl der Prüfbereiche und der Komplexität des Zielunternehmens ab. Die folgende Tabelle zeigt typische Bandbreiten für den DACH-Mittelstand:

Umsatz des ZielunternehmensTypische DD-KostenAnteil am Kaufpreis
< 5 Mio. EUR15.000–30.000 EUR1–2 %
5–20 Mio. EUR30.000–60.000 EUR0,5–1 %
> 20 Mio. EUR60.000–150.000+ EUR0,3–0,5 %

Die Kosten setzen sich aus den Honoraren der beteiligten Berater zusammen: Wirtschaftsprüfer (Financial und Tax DD, 40–50 % der Gesamtkosten), Rechtsanwälte (Legal DD, 25–35 %), Strategieberater (Commercial DD, 15–20 %) und ggf. IT-Berater (IT/Cyber DD, 5–10 %). Die Stundensätze liegen im Mittelstand bei 200–400 EUR für erfahrene Partner und 150–250 EUR für Manager und Analysten.

Wer bezahlt? In der Praxis bezahlt fast immer der Käufer die Due Diligence — er beauftragt die Berater und erhält die Reports. Die einzige Ausnahme ist die Vendor Due Diligence: Hier beauftragt und bezahlt der Verkäufer die Prüfung vorab, um den Verkaufsprozess zu beschleunigen und die Transaktionssicherheit zu erhöhen. Die Kosten der VDD werden häufig auf den Käufer umgelegt, der den Report übernimmt und nur noch eine verkürzte Confirmatory DD durchführt.

Ein häufiger Fehler im Mittelstand: Die DD-Kosten werden als unnötige Ausgabe gesehen. In der Realität ist die DD eine Versicherung gegen Fehlinvestitionen. Ein einzelner unentdeckter Steuerbefund oder eine verlorene Klage können den Kaufpreis um ein Vielfaches der DD-Kosten übersteigen. Die Faustregel: Wer bei der DD spart, zahlt beim Kaufpreis drauf.

Die 10 häufigsten Dealbreaker

Die folgenden Findings führen im Mittelstand am häufigsten zum Abbruch oder zur erheblichen Neuverhandlung einer Transaktion:

  1. EBITDA deutlich unter Darstellung. Der bereinigte EBITDA liegt nach der Financial DD 20–30 % unter dem vom Verkäufer dargestellten Wert. Häufige Ursache: nicht nachhaltige Einmaleffekte, die als wiederkehrend dargestellt wurden, oder ein überhöhtes Bereinigungsniveau.

  2. Offene Rechtsstreitigkeiten mit wesentlichem Streitwert. Laufende Klagen oder Schiedsverfahren, deren Ausgang unsicher ist und deren Streitwert einen relevanten Anteil am Kaufpreis ausmacht. Besonders kritisch bei Produkthaftung, Patentstreitigkeiten oder Umwelthaftung.

  3. Extreme Kundenkonzentration. Ein einzelner Kunde macht mehr als 30 % des Umsatzes aus — oder die Top-3-Kunden zusammen über 60 %. Wenn die Kundenbeziehung zudem am Inhaber hängt, wird das Risiko zum Dealbreaker.

  4. Undokumentierte Steuerrisiken. Verdeckte Gewinnausschüttungen, fehlende Verrechnungspreisdokumentation oder eine aggressive Steuergestaltung, die bei der nächsten Betriebsprüfung zu erheblichen Nachforderungen führen kann.

  5. Massive Inhaberabhängigkeit. Der Geschäftsführer ist Vertriebschef, Produktentwickler und alleiniger Entscheider in einer Person. Ohne ihn verliert das Unternehmen seine Ertragskraft. Wenn keine glaubwürdige Übergangslösung möglich ist, wird der Deal unattraktiv.

  6. Investitionsstau. Maschinen, IT-Systeme oder Gebäude wurden über Jahre nicht ausreichend gewartet oder erneuert. Die Kosten für die Aufholung des Investitionsstaus (CapEx-Backlog) reduzieren den Unternehmenswert oft um 500.000 EUR bis mehrere Millionen EUR.

  7. Change-of-Control-Klauseln in Schlüsselverträgen. Wesentliche Kunden- oder Lieferantenverträge enthalten Klauseln, die bei einem Eigentümerwechsel ein Sonderkündigungsrecht auslösen. Wenn der Vertragspartner nicht bereit ist, auf dieses Recht zu verzichten, kann der Deal wirtschaftlich unattraktiv werden.

  8. DSGVO-Verstöße oder IT-Sicherheitslücken. Schwerwiegende Datenschutzverletzungen, fehlende Verarbeitungsverzeichnisse oder dokumentierte Cyberangriffe ohne angemessene Reaktion. Im schlimmsten Fall drohen DSGVO-Bußgelder von bis zu 4 % des Jahresumsatzes.

  9. Fehlende oder mangelhafte Buchhaltung. Unvollständige Jahresabschlüsse, wesentliche Bilanzierungsfehler oder ein Buchführungssystem, das keine verlässliche Datenbasis für die Financial DD liefert. Ohne solide Zahlen ist eine Bewertung nicht möglich.

  10. Ungeklärte Gesellschafterstruktur oder Erbfolge. Unklare Beteiligungsverhältnisse, nicht abgeschlossene Erbauseinandersetzungen oder fehlende Zustimmungen von Mitgesellschaftern. Wenn nicht alle Gesellschafter hinter dem Verkauf stehen, droht eine Blockade.

Due Diligence als Verkäufer vorbereiten

Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen möchten, ist eine gründliche Vorbereitung auf die Due Diligence einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Idealerweise beginnen Sie 6–12 Monate vor dem geplanten Verkaufsstart mit der Aufbereitung.

Eine Vendor Due Diligence (VDD) ist das strategisch wirksamste Instrument: Sie beauftragen selbst eine unabhängige Prüfung Ihres Unternehmens, identifizieren Schwachstellen frühzeitig und können diese vor dem Verkauf beheben. Die VDD signalisiert potenziellen Käufern Professionalität und Transparenz — und beschleunigt den Verkaufsprozess erheblich, weil der Käufer auf eine bereits geprüfte Datenbasis zugreifen kann.

Datenraum-Vorbereitung: Sammeln und strukturieren Sie alle relevanten Dokumente systematisch: Jahresabschlüsse der letzten 3–5 Jahre, Steuerbescheide, Gesellschaftsvertrag, wesentliche Verträge (Kunden, Lieferanten, Miete), Arbeitsverträge der Führungskräfte, Organigramm, Prozessdokumentation und IT-Übersicht. Je vollständiger und besser strukturiert der Datenraum, desto schneller die DD und desto geringer das Risiko unangenehmer Überraschungen.

Schwachstellen vorab beheben: Typische Maßnahmen: Inhaberabhängigkeit reduzieren durch Aufbau einer zweiten Führungsebene, offene Rechtsstreitigkeiten beilegen, Steuerrisiken durch freiwillige Betriebsprüfung klären, Kundenkonzentration durch aktive Diversifizierung senken und die IT-Infrastruktur auf den aktuellen Stand bringen.

Weitere Hinweise zum gesamten Verkaufsprozess finden Sie in unserem Leitfaden Unternehmen verkaufen. Wenn Sie vorab Ihren Unternehmenswert einschätzen möchten, nutzen Sie unseren Unternehmenswertrechner.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Due Diligence einfach erklärt?

Due Diligence (wörtlich: ‚gebotene Sorgfalt') ist die systematische Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf. Der Käufer und seine Berater durchleuchten das Zielunternehmen in allen relevanten Bereichen — Finanzen, Steuern, Recht, Markt, Betrieb und IT —, um die Bewertung zu verifizieren, Risiken zu identifizieren und eine fundierte Grundlage für den Kaufvertrag zu schaffen.

Wie lange dauert eine Due Diligence?

Eine Standard-Due-Diligence im Mittelstand dauert 4–8 Wochen ab Eröffnung des Datenraums. Die Dauer hängt von der Qualität der Dokumentation, der Komplexität der Gesellschafterstruktur und dem Umfang der Prüfbereiche ab. Eine vorbereitete Vendor Due Diligence (VDD) kann den Prozess auf 2–4 Wochen verkürzen.

Was kostet eine Due Diligence im Mittelstand?

Die Kosten variieren nach Unternehmensgröße: Bei einem Umsatz unter 5 Mio. EUR liegen sie bei 15.000–30.000 EUR, bei 5–20 Mio. EUR bei 30.000–60.000 EUR und bei über 20 Mio. EUR bei 60.000–150.000+ EUR. Hauptkostentreiber sind die Honorare der Wirtschaftsprüfer (Financial/Tax DD), Rechtsanwälte (Legal DD) und Strategieberater (Commercial DD).

Wer führt die Due Diligence durch?

Die Due Diligence wird von spezialisierten Beratern im Auftrag des Käufers durchgeführt: Wirtschaftsprüfer für die Financial und Tax DD, Rechtsanwälte für die Legal DD, Strategieberater oder Marktforscher für die Commercial DD und IT-Berater für die IT/Cyber DD. Koordiniert wird der Prozess häufig durch den M&A-Berater oder die Investmentbank des Käufers.

Was passiert wenn die Due Diligence negativ ist?

Bei negativen Findings gibt es drei Szenarien: (1) Kaufpreisanpassung — der Preis wird um den quantifizierten Risikobetrag reduziert, (2) Garantien und Freistellungen — der Verkäufer übernimmt im Kaufvertrag spezifische Haftungen für identifizierte Risiken, oder (3) Abbruch — bei schwerwiegenden Befunden (z.B. massiver EBITDA-Abweichung oder laufenden Rechtsstreitigkeiten) wird die Transaktion beendet.

Kann man eine Due Diligence selbst machen?

Eine vollständige Due Diligence sollte nicht ohne professionelle Berater durchgeführt werden. Die Financial und Tax DD erfordert Wirtschaftsprüfer-Expertise, die Legal DD qualifizierte Rechtsanwälte. Als Käufer können Sie jedoch eine erste Vorprüfung selbst vornehmen: Jahresabschlüsse analysieren, Kundenstruktur bewerten und öffentliche Informationen recherchieren. Für die formale DD sollten Sie erfahrene M&A-Berater einbinden.

Was ist eine Vendor Due Diligence?

Bei einer Vendor Due Diligence (VDD) beauftragt der Verkäufer — nicht der Käufer — eine unabhängige Prüfung seines Unternehmens vor dem Verkaufsstart. Die VDD identifiziert Schwachstellen frühzeitig, signalisiert Transparenz gegenüber potenziellen Käufern und beschleunigt den Verkaufsprozess, weil Käufer auf eine bereits geprüfte Datenbasis zugreifen können.

Welche Unterlagen brauche ich für die Due Diligence?

Die wichtigsten Unterlagen: Jahresabschlüsse der letzten 3–5 Jahre, BWAs und Summen-/Saldenlisten, Steuerbescheide und -erklärungen, Gesellschaftsvertrag, wesentliche Kunden- und Lieferantenverträge, Arbeitsverträge der Führungskräfte, Miet- und Leasingverträge, Organigramm, Prozessdokumentation, IT-Übersicht und Versicherungspolicen. Typischerweise umfasst die Dokumentenliste (IRL) 150–400 Positionen.

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