Umwelt & Entsorgung — Sektoranalyse im DACH-Mittelstand

Umwelt & Entsorgung

Abfallwirtschaft, Recycling, Umweltservices

Sektorkennzahlen

Marktgröße

~90-115 Mrd. EUR (DACH)

Fragmentierung

Hoch

Deal Activity

Hoch

Nachfolgerelevanz

Hoch

Kurz zusammengefasst: Ein inhabergeführter Regionalentsorger im DACH Lower Mid-Market wird 2026 je nach Subsegment mit 4,0 bis 9,0x EBITDA bewertet, der Kern liegt bei 5,0 bis 7,5x. Eine eigene DUB-Zeile für Entsorgung gibt es nicht, nächstliegende Referenz sind unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B) mit 5,0-6,8x im Small-Cap (DUB KMU-Multiples Q2/2026). Gekauft wird von Strategen wie Remondis, PreZero und Veolia (EUWID, 18.06.2026; PreZero, 02.12.2025), von regionalen Familienunternehmen und seit 2026 auch von Infrastrukturkapital. Von der ersten Ansprache bis zum Closing sind sechs bis neun Monate realistisch.

5,0-6,8x
EBITDA-Referenzband Small-Cap für unternehmensnahe Dienstleistungen, mangels eigener Entsorgungs-Zeile
DUB KMU-Multiples Q2/2026
~80 Mrd. EUR
Jahresumsatz der deutschen Kreislaufwirtschaft, erwirtschaftet von rund 11.000 Unternehmen
BMUKN, Abfallwirtschaft in Deutschland 2025, Stand Oktober 2025
12.920
Abfallentsorgungsanlagen in Deutschland 2024, im Jahr davor waren es 13.566
Statistisches Bundesamt, Berichtsjahr 2024, Stand 27.02.2026
6,5x EBITDA
Einziges öffentlich beziffertes Multiple eines Entsorgungs-Deals mit DACH-Bezug 2026, Derichebourg kauft Scholz Recycling, EV 480 Mio. EUR, gerechnet auf den Dreijahresschnitt inklusive erwarteter Synergien
Derichebourg Environnement, Pressemitteilung 31.07.2026

Marktüberblick Umwelt & Entsorgung im DACH-Raum

Die deutsche Kreislaufwirtschaft setzt mit rund 11.000 Unternehmen und über 280.000 Beschäftigten etwa 80 Mrd. EUR im Jahr um, die Entsorgungsinfrastruktur umfasst 14.500 Anlagen (BMUKN, Abfallwirtschaft in Deutschland 2025, Stand Oktober 2025). Der BDE rechnet die Wasserwirtschaft hinzu und kommt auf rund 105 Mrd. EUR Jahresumsatz (BDE, 05.06.2025). Österreich steuert 9,17 Mrd. EUR bei, erwirtschaftet von rund 31.000 Beschäftigten der Abfall- und Ressourcenbranche (IWI-Studie im Auftrag der öffentlichen und privaten Abfallwirtschaft, WKO/VÖA, 27.01.2025). Je nach Abgrenzung liegt der DACH-Raum damit bei rund 90 bis 115 Mrd. EUR.

Diese Seite behandelt Abfallwirtschaft, Recycling, Sonderabfall, Abwasser und Umweltdienstleistungen mit eigenem Anlagen- oder Sammelbetrieb. Umwelt-Gutachten, Analytik und Zertifizierungsleistungen ohne eigene Anlagen gehören eher zu Business Services. Technische Instandhaltung für Industriekunden findet sich unter Industrieservices, gebäudebezogene Betreiberleistungen unter Facility Management.

Die Marktstruktur ist kleinteilig und schrumpft an den Rändern. 2024 zählte Deutschland 12.920 Abfallentsorgungsanlagen nach 13.566 im Vorjahr, darunter 940 Sortieranlagen (Destatis, Stand 27.02.2026). Die Zahl der Deponien fiel von 1.131 im Jahr 2014 auf 962, das genehmigte Restvolumen lag zuletzt bei 457,6 Mio. m³ (Destatis, Stand 03.03.2026). Eine bestehende Genehmigung ist damit ein Gut, das nicht nachwächst.

Wachstum gibt es hier nicht pauschal, sondern nur segmentweise. Das deutsche Abfallaufkommen sank 2024 um 4,6 Prozent auf 362,7 Mio. t und damit auf den niedrigsten Stand seit 2009 (Destatis, Nr. 185 vom 01.06.2026), der Umsatz mit Umweltschutzgütern ging um 1,9 Prozent auf 117,5 Mrd. EUR zurück (Destatis, Nr. 251 vom 16.07.2026). Gegenläufig legten die gefährlichen Abfälle um 2,4 Prozent auf 23,1 Mio. t zu, nach 22,5 Mio. t im Vorjahr (Destatis, Nr. 260 vom 22.07.2026). Im Kunststoffrecycling schrumpft die Kapazität sogar, Europa hat seit 2023 nahezu 1 Mio. t verloren und für 2026 werden weitere rund 300.000 t erwartet (bvse unter Berufung auf Plastics Recyclers Europe, 27.08.2025; plastxnow.de, 2026).

Vier Regelwerke bewegen den Markt 2026, jedes mit hartem Datum. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR (VO (EU) 2025/40) gilt ab dem 12.08.2026 mit Konformitätserklärung je Verpackung und einheitlicher Kennzeichnung, Rezyklat-Mindestquoten folgen gestaffelt bis 2030 und 2040 (IHK Schleswig-Holstein, 2026). Die Industrieemissionsrichtlinie IED 2.0 war bis zum 01.07.2026 umzusetzen und verlangt für Bestandsanlagen bis 01.07.2030 ein Umweltmanagementsystem mit Transformationsplan (BMUKN-Gesetzentwurf, 2026). Der Referentenentwurf zur KrWG-Novelle vom 26.06.2026 verschärft die Getrenntsammlung (BMUKN, 26.06.2026). Und seit dem 01.01.2024 kostet die thermische Verwertung CO2-Geld nach BEHG, 45 EUR je Tonne im Jahr 2024, 55 EUR 2025, ab 2026 versteigert im Korridor von 55 bis 65 EUR (BEHG; Veolia Deutschland, 2026).

Der Nachfolgedruck trifft den Sektor mit voller Wucht, weil er in der Breite familiengeführt ist. Das IfM Bonn erwartet für 2026 bis 2030 rund 186.000 zur Übergabe anstehende Familienunternehmen (IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. Das IfM zählt dabei enger als die KfW, die für denselben Zeitraum rund 109.000 angestrebte Nachfolgen pro Jahr ausweist (KfW Nachfolge-Monitoring Mittelstand, 2025). 37, 2025), laut KfW Research sind 57 Prozent der Mittelstandsinhaber mindestens 55 Jahre alt, und die DIHK zählte im Sommer 2025 bundesweit 9.600 übergabebereite Unternehmen gegenüber nur 4.000 Interessenten (DIHK, 2025). Wie sich das entwickelt, zeigt die Nachfolge-Statistik für den DACH-Raum, die Rolle von Private Equity dabei der Beitrag zu Private Equity in der Mittelstandsnachfolge.

Wer aktuell kauft

Allein zwischen Mai und August 2026 wurden im DACH-Raum zehn Transaktionen öffentlich gemeldet, und die Käuferseite ist dabei breiter geworden. Wo die Gruppen sich unterscheiden, ordnet der Vergleich PE-Investor gegen strategischen Käufer ein.

  • Remondis (Rethmann-Gruppe, Lünen): Der größte deutsche Entsorger erwarb über Remondis International 27,79 Prozent am österreichischen Marktführer Saubermacher, freigegeben erst nach vertiefter Prüfung der Bundeswettbewerbsbehörde, Vollzug am 18.06.2026 (EUWID, 18.06.2026). Die Tochter Eko-Punkt darf nach Freigabe des Bundeskartellamts zudem den Systembetreiber Recycling Dual von Smurfit Westrock übernehmen (EUWID, 28.05.2026).
  • PreZero (Schwarz Gruppe): Übernahm zum 01.12.2025 wesentliche Aktivitäten der Weisgerber Umweltservice aus Wächtersbach, im Fokus die Betriebsstätten Hessisch-Lichtenau und Schwalmstadt samt Aufträgen, Assets und Personal (PreZero, 02.12.2025).
  • Veolia: Integriert die zugekaufte Hofmann-Gruppe schrittweise, die K. Bonn Abfallwirtschaft wurde zum 01.05.2026 verschmolzen (Veolia Holding Deutschland, 2026). Auf Konzernebene setzt Veolia auf gefährliche Abfälle und kaufte Clean Earth für 3,0 Mrd. USD, entsprechend 9,8x des für 2026 erwarteten EBITDA nach Synergien (Veolia, Pressemitteilung 2025/2026).
  • Derichebourg Environnement: Vollzog am 31.07.2026 den Erwerb von 100 Prozent der Scholz Recycling-Gruppe, rund 1,6 Mrd. EUR Umsatz, rund 180 Standorte und etwa 3.500 Beschäftigte, bei einem Enterprise Value von 480 Mio. EUR und damit 6,5x des Durchschnitts-EBITDA der letzten drei Jahre einschließlich erwarteter Synergien (Derichebourg, 31.07.2026).
  • Paprec: Unterzeichnete am 12.08.2026 den Erwerb von 80 Prozent an Brantner green solutions in Krems, die restlichen 20 Prozent bleiben bei der Familie Brantner (EUWID, 12.08.2026; Paprec, 08/2026), und verschmolz zum 08.07.2026 Paprec Swiss mit dem Familienunternehmen Metabader (presseportal.ch, 08.07.2026).
  • Igneo Infrastructure Partners: Infrastruktur-Investor mit 25,9 Mrd. EUR verwaltetem Vermögen zum 30.06.2026, vereinbarte am 11.08.2026 die Mehrheitsübernahme an der Neumann-Gruppe in Burg, einem der führenden europäischen Anbieter für die Aufbereitung von Müllverbrennungsschlacke; der Vollzug wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet, CEO und Mitgesellschafter André Hartl bleibt beteiligt (Igneo Infrastructure Partners, 11.08.2026). Solche Investoren bewerten Genehmigungen wie Infrastruktur und akzeptieren längere Haltedauern.
  • Familiengeführte Mittelständler: Lobbe kaufte den Entsorger Röhrtaler samt Tatay Containerdienst (EUWID, 30.07.2026), Nehlsen die Karl Meyer AG mit rund 800 Beschäftigten (Nehlsen AG, 2025), OTTO DÖRNER die Richard John GmbH als 100-Prozent-Share-Deal (OTTO DÖRNER, 31.10.2025).
  • Neue Marktteilnehmer: Die niederländische Milieu Service Groep stieg zum 01.07.2026 über Lins Recycling in Mannheim in den deutschen Markt ein (EUWID, 08.07.2026), die Stork Unternehmensgruppe erwarb 49,99 Prozent am Untertage-Entsorger GSES von der Schmidt Kranz Group und der R+M Beteiligungsgesellschaft (EUWID, 05.05.2026).

Daneben kaufen Family Offices und kleinere Strategen, meist ohne Pressemitteilung. Diese Käufer erreichen Sie nicht über einen Bieterprozess, sondern über direkte, vertrauliche Ansprache. Die Marktphase ordnet der Überblick zu den DACH-M&A-Trends ein.

EBITDA-Multiples im Sektor

In der DUB-Systematik gibt es keine eigene Zeile für Entsorgung, Umwelt oder Recycling. Nächstliegende Referenz sind unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B) mit 3,7-5,2x EBITDA im Micro-Cap, 5,0-6,8x im Small-Cap und 6,2-7,6x im Mid-Cap (DUB KMU-Multiples Q2/2026). Diese Werte sind die KMU-Referenz. Entsorgung wird wegen Genehmigungen und Anlagevermögen typischerweise darüber gehandelt, große Plattform-Transaktionen noch einmal höher: Derichebourg bewertete Scholz Recycling mit 6,5x auf den Dreijahresschnitt inklusive erwarteter Synergien (Derichebourg, 31.07.2026), Veolia zahlte für Clean Earth 3,0 Mrd. USD und damit 9,8x des für 2026 erwarteten EBITDA nach Synergien (Veolia, Pressemitteilung 2025/2026). Der Clean-Earth-Wert ist ein Large-Cap-Deal im US-Sonderabfall und wird im DACH Lower Mid-Market nicht erreicht.

Die Grenze zwischen Beleg und Einordnung läuft bei 6,8x. Bis dorthin sind die Subsegment-Werte durch das DUB-Small-Cap-Band gedeckt. Darüber gibt es keine DUB-Deckung mehr, dort tragen die Zahlen den öffentlichen Sonderabfall-Anker von 9,8x aus dem Clean-Earth-Deal und im Übrigen eine Einordnung von SourcingClub. Nach unten gilt das genauso: ein Containerdienst mit acht Fahrzeugen und ohne eigene Anlage wird nicht wie ein Anlagenbetreiber bewertet, für ihn ist das Micro-Cap-Band von 3,7-5,2x der richtige Anker.

SubsegmentEBITDA-Multiple (Median)BandbreiteBewertungstreiber
Kommunale Sammlung und Hausmüllentsorgung (Konzession)6,0x5,0-7,0xRestlaufzeit der Konzession, Preisgleitklausel für BEHG-CO2-Kosten, Alter des Fuhrparks, Vergaberisiko
Gewerbeabfall und Containerdienst5,5x4,5-6,5xKundenkonzentration, Kündbarkeit der Rahmenverträge, Preissetzungsmacht, Verhältnis von Eigenverwertung zu Fremdentsorgung
Sortierung und Aufbereitung mit BImSchG-Anlage6,5x5,5-7,5xUmfang und Bestandskraft der Genehmigung (zugelassene Abfallschlüssel, genehmigter Durchsatz), Auslastung, Anlagenalter, Investitionsstau
Sonderabfall und gefährliche Abfälle7,5x6,5-9,0xBreite der Genehmigung, Zwischenlagerkapazität, eigene Analytik, Entsorgungsfachbetriebs-Zertifizierung, Haftungsprofil
Metall- und Schrottrecycling, Sekundärrohstoffhandel5,0x4,0-6,5xVerarbeitungstiefe gegenüber reinem Handel, Working-Capital-Bindung, Preisrisiko auf Schrott und NE-Metalle, Exportabhängigkeit
Deponie, Bodenbehandlung und Verfüllung6,5x5,5-8,0xGenehmigtes Restvolumen in m³, Deponieklasse, Nachsorge- und Rekultivierungsrückstellungen, regionale Knappheit
Integrierte Regionalplattform (Sammlung plus eigene Anlagen)7,0x6,0-8,5xAuslastung eigener Anlagen durch eigene Sammelmengen, Genehmigungsportfolio, Diversifikation über kommunal, gewerblich und Sekundärrohstoffe

Datengrundlage: DUB KMU-Multiples (dub.de/kmu-multiples), Q2/2026, Branche Unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B) als nächstliegende Referenz, da für Entsorgung keine eigene DUB-Zeile existiert; Werte oberhalb von 6,8x sind nicht DUB-gedeckt. Transaktionsanker: Derichebourg/Scholz 6,5x (Derichebourg, 31.07.2026) und Veolia/Clean Earth 9,8x im US-Sonderabfall (Veolia, 2025/2026). Subsegment-Einordnung, Auf- und Abschläge und Aufbereitung: SourcingClub. Vollständige Bandbreiten nach Größenklassen: EBITDA-Multiples DACH.

Jeder Aufschlag über der B2B-Referenz braucht ein Argument, das sich belegen lässt. Beim Sonderabfall ist es der einzige öffentliche Preisanker in diesem Subsegment, die 9,8x, die Veolia für Clean Earth zahlte (Veolia, 2025/2026), flankiert von der steigenden Menge, 23,1 Mio. t in Deutschland 2024 nach 22,5 Mio. t im Vorjahr (Destatis, Nr. 260 vom 22.07.2026). Bei Deponien ist es die Knappheit, 962 Standorte gegenüber 1.131 im Jahr 2014 und ein Restvolumen von 457,6 Mio. m³ (Destatis, Stand 03.03.2026), gegenläufig wirken die Nachsorgerückstellungen. Bei der integrierten Plattform ist es das Käuferverhalten, Igneo bei Neumann und Paprec bei Metabader (Igneo Infrastructure Partners, 11.08.2026; presseportal.ch, 08.07.2026).

Was den Multiple erhöht und was ihn senkt

WerttreiberAbschlag
Bestandskräftige BImSchG-Genehmigung mit Luft zwischen genehmigtem und gefahrenem DurchsatzBetrieb, der faktisch über der Genehmigung fährt, oder offene Auflagen und laufende Änderungsanzeigen
Kommunale Verträge mit langer Restlaufzeit, Verlängerungsoption und Weitergabe der BEHG-CO2-KostenVertrag ohne Weitergaberecht oder Change-of-Control-Klausel, die eine Neuausschreibung auslöst
Eigene Anlagen, ausgelastet durch eigene Sammelmengen, also Dienstleistungs- statt HandelsmargeHoher Umsatzanteil aus Sekundärrohstoffen ohne Verarbeitungstiefe, der mit Schrott- und Altpapierpreisen schwankt
Gültige Entsorgungsfachbetriebs-Zertifizierung nach Paragraf 56 KrWG ohne offene FeststellungenAuslaufendes oder mit Auflagen versehenes Zertifikat, das die Ausschreibungsfähigkeit gefährdet
Gepflegter Anlagen- und Fuhrpark mit Investitionsplan bis zur IED-2.0-Frist am 01.07.2030Nachgewiesener Investitionsstau plus Fuhrpark-Leasing, beides Abzug in der Kaufpreisbrücke
Saubere Betriebsgrundstücke mit aktuellem Bodengutachten und geklärter EigentumsstrukturAltlastenverdacht sowie Nachsorge- und Rekultivierungsverpflichtungen als schuldähnlicher Posten

Wie diese Faktoren methodisch in Ihre Bewertung einfließen, zeigt der Vergleich der Bewertungsmethoden.

Bewertungsbeispiel: Regionalentsorger mit 18 Mio. EUR Umsatz durchgerechnet

Ein konstruiertes, aber typisches Beispiel: ein inhabergeführter Regionalentsorger in Norddeutschland, 95 Mitarbeitende, 34 Sammelfahrzeuge, eine BImSchG-genehmigte Sortieranlage, drei kommunale Verträge, rund 900 Gewerbekunden. Alle Zahlen sind fiktiv und zeigen nur den Rechenweg.

Ausgangslage. Umsatz 18,0 Mio. EUR, davon 42 Prozent kommunale Sammlung, 33 Prozent Gewerbeabfall und Containerdienst, 25 Prozent Erlöse aus Sekundärrohstoffen. Berichtetes EBITDA 2,10 Mio. EUR, also 11,7 Prozent vom Umsatz.

Normalisierung. Das Geschäftsführergehalt des Inhabers liegt bei 380 Tsd. EUR, marktüblich für die Funktion wären 220 Tsd. EUR, macht plus 160 Tsd. EUR. Zwei privat genutzte Fahrzeuge und eine Untermiete unter Marktniveau ergeben plus 60 Tsd. EUR. Ein einmaliger Rechtsstreit belastete das Jahr mit 80 Tsd. EUR und fällt künftig weg. Zusammen plus 300 Tsd. EUR, bereinigtes EBITDA damit 2,40 Mio. EUR oder 13,3 Prozent vom Umsatz.

Multiple. Mit 18,0 Mio. EUR Umsatz ist der Betrieb ein Small Cap, die DUB-Referenz dafür lautet 5,0-6,8x (DUB KMU-Multiples Q2/2026). Der Mix aus eigener Sammlung und eigener Anlage entspricht in der Tabelle oben der Zeile Sortierung und Aufbereitung, also 5,5-7,5x. Aufschlag, weil die BImSchG-Genehmigung nicht replizierbar ist und ein kommunaler Vertrag noch sieben Jahre läuft. Abschlag, weil ein Viertel des Umsatzes an schwankenden Sekundärrohstoffpreisen hängt und der Betrieb für eine echte Regionalplattform zu klein ist. Angesetzt werden 6,3x, damit im Überschneidungsbereich beider Bänder. Unternehmenswert: 2,40 Mio. EUR mal 6,3 = 15,1 Mio. EUR.

Kaufpreisbrücke. Abzüglich Bankdarlehen 3,2 Mio. EUR, abzüglich Fuhrpark-Leasing 1,8 Mio. EUR, zuzüglich Kassenbestand 0,9 Mio. EUR ergibt Netto-Finanzverbindlichkeiten von 4,1 Mio. EUR. Dazu 1,2 Mio. EUR Rückstellung für Deponienachsorge und Rekultivierung, die der Käufer wie Schulden behandelt. Rechnerischer Eigenkapitalwert: 15,1 minus 4,1 minus 1,2 = 9,8 Mio. EUR.

Verhandlungspunkt Investitionsstau. Die technische Due Diligence beziffert den Modernisierungsbedarf der Sortieranlage auf 1,5 Mio. EUR, darunter NIR-Sortierung, Brandschutz und das nach IED 2.0 bis zum 01.07.2030 geforderte Umweltmanagementsystem. Der Käufer will die 1,5 Mio. EUR voll abziehen und landet bei 8,3 Mio. EUR, der Unternehmer rechnet mit dem Kapazitätsgewinn dagegen und bleibt bei 9,8 Mio. EUR. Realistischer Korridor: 8,3 bis 9,8 Mio. EUR Eigenkapitalwert.

Struktur bei 9,5 Mio. EUR. 6,7 Mio. EUR bei Closing (70 Prozent), 1,4 Mio. EUR Earn-out über zwei Jahre, gekoppelt an die Verlängerung des größten kommunalen Vertrags (15 Prozent), und 1,4 Mio. EUR nachrangiges Verkäuferdarlehen über vier Jahre (15 Prozent). Das Betriebsgrundstück bleibt im Eigentum des Inhabers und wird für 12 Jahre zu Marktkonditionen vermietet, der Inhaber bleibt 18 Monate Geschäftsführer.

9,5 Mio. EUR entsprechen dem 4,0-fachen bereinigten EBITDA, obwohl der Unternehmenswert mit 6,3x angesetzt wurde. Diese Lücke ist in der Entsorgung besonders groß, weil Leasing, Nachsorgerückstellungen und Investitionsstau zusammenfallen. Wer nur über das Multiple verhandelt, verhandelt an der falschen Zahl. Eine erste eigene Einordnung liefert der Unternehmenswert-Rechner.

Der Verkaufsprozess im Sektor

Von der ersten Ansprache bis zum Closing sind sechs bis neun Monate realistisch, dazu kommt die Kartellfreigabe, wo sie anfällt. Was die kosten kann, zeigen zwei Fälle: Bei Paprec und Brantner liegt zwischen Signing am 12.08.2026 und erwartetem Closing das vierte Quartal 2026 (EUWID, 12.08.2026), bei Remondis und Saubermacher gab die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde erst nach vertiefter Prüfung frei (EUWID, 18.06.2026). Die Stationen sind die üblichen, von der Vorbereitung über anonymes Kurzprofil, Ansprache, NDA, Managementgespräche und Due Diligence bis zur Vertragsverhandlung. Den Gesamtablauf beschreibt die Seite Unternehmen verkaufen Schritt für Schritt.

Drei Workstreams sind in der Entsorgung eigenständig und kosten Vorlauf. Der erste ist die Genehmigungs-Due-Diligence: zugelassene Abfallschlüssel, genehmigter Jahresdurchsatz, Lagerkapazität, Nebenbestimmungen, offene Auflagen, laufende Änderungsanzeigen. Ein Betrieb, der faktisch über der Genehmigung fährt, ist ein Kaufpreisrisiko und kein Wachstumsargument. Dazu gehört der Status Ihrer Entsorgungsfachbetriebs-Zertifizierung nach Paragraf 56 KrWG mit dem letzten Überwachungsbericht. Seit dem 01.07.2026 kommt IED 2.0 hinzu, mit erweitertem Anwendungsbereich für Abfallbehandlungsanlagen und Deponien (BMUKN-Gesetzentwurf, 2026).

Der zweite ist die Vertragsprüfung. Ihre kommunalen Verträge liest ein Käufer Zeile für Zeile, auf Restlaufzeit, Verlängerungsoptionen, Change-of-Control-Klauseln und Indexierung. Die Kernfrage 2026 lautet, ob Ihre Klausel die Weitergabe der BEHG-CO2-Kosten erlaubt. Wie stark das durchschlägt, ist an der Gebührenseite ablesbar: Köln erhöht die Abfall- und Straßenreinigungsgebühren 2026 um durchschnittlich 12,37 Prozent und nennt dafür unter anderem gestiegene Restabfall-Entsorgungskosten und die CO2-Abgabe auf die Restmüllverbrennung (Stadt Köln, 2026).

Der dritte ist die Substanz. Technische Prüfung von Sortieranlage, Pressenstraße, Waagen, Fuhrpark und Containerbestand, dazu Umwelt- und Altlastenprüfung auf Ihren Betriebsgrundstücken. Bei inhabergeführten Entsorgern liegt das Grundstück häufig im Privatvermögen, übliche Lösung ist eine Trennung mit langfristigem Mietvertrag zu Marktkonditionen. Und weil der wahrscheinlichste Käufer ein Konsolidierer mit eigenem Standort in der Nähe ist, gehört die gestufte Freigabe Ihres Datenraums von Anfang an dazu. Was eine diskrete Begleitung dabei übernimmt, steht unter Für Unternehmer.

Typische Deal-Strukturen

Die folgenden Spannen entsprechen marktüblicher Praxis im DACH Lower Mid-Market, eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht. Die genannten Transaktionen sind extern belegt.

  • Vollverkauf als Share Deal. Regelfall bei kleineren Regionalentsorgern, weil Genehmigung, kommunale Verträge, Fachbetriebs-Zertifikat und Nachweisregister an der Gesellschaft hängen. Derichebourg erwarb 100 Prozent der Scholz Recycling-Gruppe (Derichebourg, 31.07.2026), OTTO DÖRNER die Richard John GmbH (OTTO DÖRNER, 31.10.2025).
  • Mehrheit mit Rückbeteiligung. Typischerweise gehen 70 bis 85 Prozent an den Käufer, der Rest bleibt in der Familie. Paprec übernahm 80 Prozent an Brantner green solutions, die Familie Brantner behält 20 Prozent (EUWID, 12.08.2026).
  • Minderheit als strategischer Anker. Kontrolle und operative Führung bleiben, ein Partner kommt dazu. Remondis International hält 27,79 Prozent an Saubermacher (EUWID, 18.06.2026), Stork erwarb 49,99 Prozent an der GSES (EUWID, 05.05.2026).
  • Teilbetriebsübernahme. Wenn nur Standorte, Verträge und Personal übergehen sollen. PreZero übernahm zum 01.12.2025 wesentliche Aktivitäten der Weisgerber Umweltservice, nicht die Gesellschaft als Ganzes (PreZero, 02.12.2025).
  • Earn-out. Üblich sind 10 bis 25 Prozent des Kaufpreises über zwei bis drei Jahre, gekoppelt an die Verlängerung kommunaler Verträge, an gehaltenen Durchsatz oder an ein normalisiertes EBITDA. Als Brücke zwischen abweichenden Preisvorstellungen sind Earn-outs im deutschen Mittelstand etabliert (Unternehmeredition, 2026).
  • Verkäuferdarlehen. 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises, drei bis fünf Jahre, nachrangig gestellt. Hintergrund ist die Bankenlogik im deutschen Mittelstand, die Fremdfinanzierung endet in der Regel beim 3,5- bis 4-fachen EBITDA.
  • Immobilien-Split. Das Betriebsgrundstück bleibt beim Unternehmer oder in einer Besitzgesellschaft, der Käufer erhält einen Mietvertrag über 10 bis 15 Jahre zu Marktkonditionen. Bei Deponie- und Kiesbetrieben ist das oft der eigentliche Werthebel.
  • Übergangsphase und W&I. Marktüblich sind 12 bis 24 Monate Mitarbeit des bisherigen Geschäftsführers, in genehmigungsgetriebenen Betrieben länger, weil Betriebsleiter und Abfallbeauftragter personengebunden benannt sind. Eine W&I-Versicherung setzt sich ab etwa 10 Mio. EUR Unternehmenswert durch, schließt Umwelt- und Altlastenrisiken aber häufig aus.

Für PE-Investoren: Die Buy-and-Build-These kompakt

Die Eintrittsbarriere lässt sich hier beziffern. Der Anlagenbestand fällt, 12.920 Abfallentsorgungsanlagen 2024 nach 13.566 im Vorjahr und 962 Deponien gegenüber 1.131 im Jahr 2014 (Destatis, Stand 27.02.2026 und 03.03.2026). Die BImSchG-Novelle 2024 hat die Verfahrensfristen zwar verbindlicher gefasst, eine Fristüberschreitung bleibt jedoch sanktionslos und löst keine Genehmigungsfiktion aus (CMS Legal Update; KPMG Law, 2025). Wer eine Anlage hält, hält ein Gut mit sinkendem Angebot.

Die Plattform-Logik folgt daraus direkt. Erstinvestment in eine integrierte Regionalplattform, die eigene Sammelmengen durch eigene Anlagen auslastet, danach Add-ons bei Sammlung und Containerdienst, die die Auslastung erhöhen. Genau das lässt sich 2026 an fremden Büchern ablesen: Paprec Swiss und Metabader kommen zusammen auf über 31 Standorte und rund 350 Mio. CHF erwarteten Umsatz (presseportal.ch, 08.07.2026), Igneo vereinbarte die Mehrheit an der Neumann-Gruppe (Igneo Infrastructure Partners, 11.08.2026). Regulatorik wirkt als Nachfrageanker, weil PPWR ab 12.08.2026 eine verlässlichere Rezyklat-Abnahme schafft (IHK Schleswig-Holstein, 2026). Die Mechanik beschreibt der Beitrag zur Buy-and-Build-Strategie im DACH-Raum.

Zwei Dinge unterscheiden den Sektor von klassischen Roll-ups. Erstens konkurriert Infrastrukturkapital mit, das Genehmigungen wie Infrastruktur bewertet und längere Haltedauern akzeptiert. Zweitens ist die Kaufpreisbrücke breiter als anderswo, weil Leasing, Nachsorgerückstellungen und Investitionsstau zusammen leicht ein bis zwei Jahres-EBITDA ausmachen. Der Engpass liegt trotzdem im Zugang zu inhabergeführten Betrieben, bevor sie in einen strukturierten Prozess gehen. Wie systematisches Sourcing diesen Zugang schafft, steht unter Für Investoren.

Aus meiner Sourcing-Arbeit

Über den Preis entscheidet in diesem Sektor selten das Multiple, über das am Anfang gesprochen wird. Ich sehe immer wieder, dass die Kaufpreisbrücke den Ausschlag gibt, also Leasing, Rückstellungen und Investitionsstau, und dass diese Posten erst im Prozess zum ersten Mal nebeneinander auf dem Tisch liegen. Der zweite Punkt ist die Genehmigung, und zwar nicht ob sie da ist, sondern was genau sie erlaubt. Über die Gesprächsbereitschaft entscheidet dagegen fast immer die Diskretion, weil der wahrscheinlichste Käufer der Wettbewerber zwei Landkreise weiter ist. Wer das früh mitdenkt, kann sich in Ruhe umsehen, ohne dass es in der Region die Runde macht.

Nächster Schritt

Ob eine Übergabe in zwei Jahren ansteht oder erst in fünf: Genehmigungsübersicht, Bodengutachten und Investitionsplan lassen sich in Ruhe vorbereiten, und die aktivsten Käufer sind namentlich bekannt. Ein vertraulicher Abgleich mit konkreten Kaufprofilen zeigt unverbindlich, welche Käufergruppen zu Ihrem Betrieb passen, ohne dass Ihr Firmenname früh im Markt kursiert. Wie das abläuft, beschreibt der vertrauliche Buyer-Match.

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Häufig gestellte Fragen: Umwelt & Entsorgung

Was ist mein Entsorgungsunternehmen 2026 wert?

Je nach Subsegment reicht die Spanne im DACH Lower Mid-Market von 4,0 bis 9,0x EBITDA, der Kern liegt bei 5,0 bis 7,5x. Eine eigene DUB-Zeile für Entsorgung gibt es nicht, nächstliegende Referenz sind unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B) mit 5,0-6,8x im Small-Cap (DUB KMU-Multiples Q2/2026). Genehmigungen und Anlagevermögen rechtfertigen Aufschläge. Öffentlicher Anker: Derichebourg bewertete Scholz Recycling mit 6,5x auf den Dreijahresschnitt inklusive erwarteter Synergien (Derichebourg, 31.07.2026). Entscheidend bleibt die Kaufpreisbrücke, denn Leasing, Nachsorgerückstellungen und Investitionsstau gehen ab.

Wer kauft überhaupt Regionalentsorger im DACH-Raum?

Vier Gruppen. Große Strategen wie Remondis, PreZero und Veolia (EUWID, 18.06.2026; PreZero, 02.12.2025). Familiengeführte Mittelständler, die regional verdichten, etwa Lobbe, Nehlsen und OTTO DÖRNER (EUWID, 30.07.2026; OTTO DÖRNER, 31.10.2025). Ausländische Strategen im Markteintritt wie Paprec, Derichebourg und Milieu Service Groep (EUWID, 12.08.2026; Derichebourg, 31.07.2026; EUWID, 08.07.2026). Und seit 2026 Infrastrukturkapital, etwa Igneo Infrastructure Partners bei der Neumann-Gruppe (Igneo Infrastructure Partners, 11.08.2026).

Warum ist meine BImSchG-Genehmigung ein eigener Wertfaktor?

Die Genehmigung ist anlagenbezogen und hängt an der Betreibergesellschaft, ein Käufer übernimmt sie beim Share Deal mit. Wer eine vergleichbare Anlage neu bauen will, braucht ein vollständiges Verfahren. Der Bestand schrumpft messbar: 12.920 Abfallentsorgungsanlagen 2024 gegenüber 13.566 im Vorjahr (Destatis, Stand 27.02.2026). Im Prozess zählt nicht, dass Sie eine Genehmigung haben, sondern was sie abdeckt: zugelassene Abfallschlüssel, genehmigter Jahresdurchsatz, Lagerkapazität, offene Auflagen.

Share Deal oder Asset Deal, was ist steuerlich besser für mich?

In der Entsorgung ist der Share Deal der Regelfall und für Sie als Unternehmer steuerlich meist die günstigere Variante. Sachlich spricht ohnehin fast alles dafür: Genehmigung, kommunale Verträge, das Entsorgungsfachbetriebs-Zertifikat nach Paragraf 56 KrWG und das Nachweisregister hängen an der Gesellschaft. Beim Asset Deal müsste jedes davon einzeln übertragen oder neu beantragt werden. Die konkrete steuerliche Wirkung gehört vor Prozessstart mit Ihrem Steuerberater geklärt.

Was ist ein Earn-out und muss ich einen akzeptieren?

Ein Earn-out ist ein variabler Kaufpreisteil, der an künftige Ergebnisse gekoppelt ist, in der Entsorgung meist an die Verlängerung kommunaler Verträge, an gehaltenen Durchsatz oder an ein normalisiertes EBITDA. Marktüblich sind 10 bis 25 Prozent des Kaufpreises über zwei bis drei Jahre; eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht. Als Brücke zwischen abweichenden Preisvorstellungen sind Earn-outs im deutschen Mittelstand etabliert (Unternehmeredition, 2026). Verhandelbar sind Höhe, Laufzeit und vor allem die Messgröße.

Was passiert mit meinen Mitarbeitern und meinem Firmennamen?

Beim Share Deal ändert sich arbeitsrechtlich zunächst nichts, beim Asset Deal greift der Betriebsübergang nach Paragraf 613a BGB. Personal ist in der Entsorgung knapp, deshalb ist der Erhalt fast immer erklärtes Käuferziel: PreZero übernahm bei Weisgerber die Betriebsstätten in Hessisch-Lichtenau und Schwalmstadt samt Aufträgen, Assets und Personal (PreZero, 02.12.2025). Firmennamen bleiben oft jahrelang bestehen, die Kranich Entsorgung firmierte erst zum 01.01.2026 auf OTTO DÖRNER Sonderabfall um (bvse, 2026).

Ich habe keinen Nachfolger in der Familie. Muss ich komplett verkaufen?

Nein, der Markt kennt Zwischenstufen. Paprec erwarb 80 Prozent an Brantner green solutions, die Familie Brantner behält 20 Prozent (EUWID, 12.08.2026). Remondis hält 27,79 Prozent an Saubermacher, die Roth Privatstiftung 72,21 Prozent, und Saubermacher wird eigenständig weitergeführt (EUWID, 18.06.2026). Die Stork-Unternehmensgruppe erwarb 49,99 Prozent an der GSES (EUWID, 05.05.2026). Auch bei Infrastruktur-Investoren bleibt die Familie oft beteiligt.

Wie wirkt sich der CO2-Preis auf meine Bewertung aus?

Seit 01.01.2024 unterliegt die thermische Abfallbehandlung dem nationalen Brennstoffemissionshandel. Der Preis lag 2024 bei 45 EUR je Tonne, 2025 bei 55 EUR, ab 2026 wird in einem Korridor von 55 bis 65 EUR versteigert (BEHG; Veolia Deutschland, 2026). Für den Käufer zählt weniger die Höhe als die Frage, ob Ihre Verträge die Weitergabe erlauben. Verträge ohne Preisgleitklausel drücken die Marge und damit das Multiple.

Meine Sortieranlage ist 15 Jahre alt. Wie stark drückt das den Preis?

Deutlich, aber über die Kaufpreisbrücke statt über das Multiple. Der Käufer lässt den Anlagenzustand technisch prüfen und zieht den Investitionsstau vom Kaufpreis ab. Wie kapitalintensiv der Sektor ist, zeigt eine Zahl: 15,4 Mrd. EUR und damit 72,7 Prozent aller Umweltschutz-Sachanlageinvestitionen entfielen 2024 auf die Ver- und Entsorgungswirtschaft (Destatis, Nr. 251 vom 16.07.2026). Ermitteln Sie den Bedarf vor dem Prozess selbst, eine belegte Zahl kostet weniger als eine offene Frage.

Wie lange dauert ein Verkaufsprozess und wann sollte ich anfangen?

Von der ersten Ansprache bis zum Closing sind sechs bis neun Monate realistisch, dazu kommt eine mögliche Kartellfreigabe. Bei Paprec und Brantner liegt zwischen Signing am 12.08.2026 und erwartetem Closing das vierte Quartal 2026 (EUWID, 12.08.2026). Rechnen Sie drei bis sechs Monate Vorlauf ein, für eine saubere Genehmigungsübersicht, den Status der Entsorgungsfachbetriebs-Zertifizierung und ein aktuelles Bodengutachten der Betriebsgrundstücke.

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