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Unternehmen verkaufen in Wien

Bewertungsmultiples, österreichisches Steuerrecht und Zugang zum CEE-Raum: Der Leitfaden zum Unternehmensverkauf in Wien.

Der Wiener M&A-Markt

Wien ist das wirtschaftliche Zentrum Österreichs und Drehscheibe für Mittel- und Osteuropa (CEE). Die Stadt beheimatet rund 130.000 Unternehmen, von denen ein signifikanter Anteil in den nächsten Jahren vor einer Nachfolgeregelung steht. Rund 30.000 österreichische KMU suchen in den nächsten fünf Jahren eine Nachfolgelösung — ein Grossteil davon im Grossraum Wien.

Der Wiener M&A-Markt profitiert von der Präsenz internationaler PE-Fonds, die Österreich als Einstieg in den CEE-Raum nutzen, sowie von einer aktiven Corporate-M&A-Szene in den Bereichen Technologie, Gesundheit und Finanzdienstleistungen. Jährlich werden in Österreich rund 200–300 Transaktionen im Mittelstand abgeschlossen, ein Grossteil davon mit Wiener Beteiligung.

Bewertungsmultiples in Wien (EUR)

Die Bewertungsmultiples in Wien orientieren sich am österreichischen Marktdurchschnitt, liegen aber bei technologiegetriebenen Unternehmen und Firmen mit CEE-Zugang häufig darüber. Im Vergleich zu Deutschland sind die Multiples 5–15 % niedriger, was die kleinere Marktgrösse und geringere Transaktionsliquidität reflektiert.

BrancheMultiple-Range (EBITDA)Median
IT & Software8,0–15,0×10,5×
Finanzdienstleistungen7,0–11,0×8,5×
Gesundheit & Pharma7,0–12,0×9,0×
Handel & Konsumgüter4,5–7,0×5,5×
Tourismus & Gastronomie4,0–6,5×4,5×
Industrie & Fertigung4,5–7,0×5,5×
Energie & Umwelt6,0–10,0×7,5×

Quelle: Marktbeobachtung M&A-Transaktionen Österreich 2024–2026, eigene Analyse.

Eine detaillierte Übersicht der Multiples nach Branchen finden Sie in unserem Beitrag zu EBITDA-Multiples im DACH-Raum. Für eine erste indikative Einschätzung steht unser Unternehmenswertrechner zur Verfügung.

Steuerliche Aspekte beim Verkauf in Wien

Beim Unternehmensverkauf in Wien gelten die österreichischen Steuerregelungen. Die Wahl zwischen Asset Deal und Share Deal hat erhebliche steuerliche Konsequenzen:

KriteriumAsset DealShare Deal
Besteuerung Verkäufer (nat. Person)bis 55 % ESt27,5 % KESt
Besteuerung Verkäufer (GmbH)23 % KöSt23 % KöSt (ggf. Beteiligungsertragsbefreiung)
Firmenwert-AfA Käufer15 JahreNein
ImmoESt auf Grundstücke30 %Nein
GrESt3,5 %0,5 % (Anteilsvereinigung)
Haftungsrisiko KäuferBegrenztVollumfänglich

Steuerliche Rahmenbedingungen Österreich, Stand 2025. Keine Steuerberatung — individuelle Beratung empfohlen.

Ein wesentlicher Standortvorteil Wiens gegenüber deutschen Städten: In Österreich existiert keine Gewerbesteuer. Die effektive Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften liegt bei 23 % KöSt — deutlich unter den ca. 30 % in Deutschland.

Ablauf eines Unternehmensverkaufs in Wien

Der Ablauf eines Unternehmensverkaufs in Wien folgt dem österreichischen Standardprozess:

  1. Vorbereitung — Unternehmensbewertung nach KFS/BW 1, Erstellung des Information Memorandums, Aufbereitung der Finanzdaten
  2. Käuferidentifikation — Ansprache strategischer Käufer, PE-Fonds und Family Offices mit Fokus auf den österreichischen und DACH-Markt
  3. Verhandlung & LOI — Indikatives Angebot, Letter of Intent, Exklusivitätsvereinbarung über 6–12 Wochen
  4. Due Diligence Umfassende Prüfung unter österreichischem Recht (UGB, GmbHG, AktG), besonderer Fokus auf Gruppenbesteuerung und Kollektivverträge
  5. Vertragsabschluss — SPA-Verhandlung nach österreichischem Recht, Signing und Closing, ggf. BWB-Anmeldung (Bundeswettbewerbsbehörde)

Käufertypen am Wiener Markt

Wien zieht als CEE-Drehscheibe verschiedene Käufertypen an. Die Wahl des passenden Käufers beeinflusst Kaufpreis, Transaktionssicherheit und die Zukunft des Unternehmens:

  • Strategische Käufer — Österreichische und internationale Corporates, die durch Akquisitionen in Wien CEE-Zugang, Marktanteile oder Technologie gewinnen. Häufig die höchsten Bewertungen.
  • Private-Equity-Fonds — Zunehmend aktiv in Österreich, oft mit Buy-and-Build-Strategien für den DACH- und CEE-Raum. Suchen profitables Wachstum und skalierbare Modelle.
  • Deutsche Käufer — Für deutsche Unternehmen ist Österreich ein natürlicher Expansionsmarkt. Kulturelle und sprachliche Nähe erleichtern die Integration.
  • Management-Buy-out (MBO) — Gerade bei Wiener Familienunternehmen prüfen Führungsteams den Erwerb, häufig mit Unterstützung durch die aws (Austria Wirtschaftsservice).

Unternehmenswert berechnen

Nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner für eine indikative Bewertung Ihres österreichischen Unternehmens auf Basis aktueller Marktmultiples.

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Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein M&A-Berater in Wien?

M&A-Berater in Wien arbeiten in der Regel mit einer Kombination aus Retainer (2.000–5.000 EUR monatlich) und Success Fee (3–6 % des Transaktionsvolumens). Bei kleineren Transaktionen unter 2 Mio. EUR kann die Success Fee auch 8–10 % betragen. Die Gesamtkosten für einen vollständigen M&A-Prozess in Wien liegen typischerweise bei EUR 50.000–250.000 inklusive Rechts- und Steuerberatung.

Wie lange dauert ein Unternehmensverkauf in Wien?

Ein typischer Unternehmensverkauf in Wien dauert 6 bis 12 Monate vom ersten Beratungsgespräch bis zum Closing. Die Vorbereitung (Bewertung, Information Memorandum) nimmt 4–8 Wochen in Anspruch, die Käufersuche 2–4 Monate, die Due Diligence 4–8 Wochen und die Vertragsverhandlungen 4–6 Wochen. Bei gut vorbereiteten Unternehmen mit klarer Nachfolgeregelung kann der Prozess auch in 4–6 Monaten abgeschlossen werden.

Welche Branchen sind in Wien besonders gefragt?

In Wien sind besonders IT- und Softwareunternehmen, Gesundheitsdienstleister, Finanzdienstleister, Tourismus- und Gastronomiebetriebe sowie Handels- und E-Commerce-Unternehmen gefragt. Die Wiener Startup-Szene generiert zudem zunehmend Tech-M&A-Transaktionen. Besonders hoch bewertet werden SaaS-Unternehmen und Healthtech-Startups mit wiederkehrenden Umsätzen.

Muss ich einen Wiener Berater nehmen oder geht auch ein deutscher?

Grundsätzlich können Sie auch deutsche oder internationale M&A-Berater beauftragen. Für Transaktionen in Wien empfiehlt sich jedoch ein Berater mit lokaler Marktkenntnis, da die österreichischen Rechts- und Steuerbesonderheiten (KöSt, GrESt, ImmoESt, GesAusG) erheblichen Einfluss auf die Transaktionsstruktur haben. Viele Beratungshäuser haben sowohl in Deutschland als auch in Österreich Büros und können grenzüberschreitende Transaktionen optimal begleiten.

Was ist bei der Due Diligence in Österreich besonders zu beachten?

Bei einer Due Diligence in Österreich sind neben den üblichen Prüfungsbereichen besonders relevant: die Gruppenbesteuerung und deren steuerliche Folgen bei Gesellschafterwechsel, Betriebsvereinbarungen und Kollektivverträge, die Immobilienertragsteuer (ImmoESt) bei Betriebsgrundstücken, die Einhaltung des GewO (Gewerbeordnung) sowie branchenspezifische Bewilligungen und Konzessionen.

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