Buy & Build im DACH-Raum: Die attraktivsten Sektoren 2026
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Buy & Build im DACH-Raum: Die attraktivsten Sektoren 2026

Welche Branchen im deutschsprachigen Mittelstand bieten das größte Potenzial für Buy & Build-Strategien? Eine datengestützte Analyse.

SourcingClub··4 Min. Lesezeit

Buy & Build als dominante PE-Strategie

Buy and Build hat sich als zentrale Wertschöpfungsstrategie im europäischen Private-Equity-Markt etabliert. Im DACH-Raum werden nach Schätzungen des BVK über 60 % aller PE-Transaktionen als Teil einer Buy-and-Build-Strategie durchgeführt – Tendenz steigend.

Das Grundprinzip: Ein PE-Fonds erwirbt zunächst eine Plattform – ein etabliertes Unternehmen mit 10-50 Mio. EUR Umsatz –, das als Basis für weitere Akquisitionen dient. Anschließend werden über gezielte Add-on-Akquisitionen kleinere Wettbewerber oder komplementäre Anbieter hinzugekauft. Das Ziel: Konsolidierung eines fragmentierten Marktes und Schaffung von Skaleneffekten, die keines der einzelnen Unternehmen allein erreichen könnte.

Die Wertschöpfung entsteht auf drei Ebenen:

  1. Multiple Expansion: Kleine Unternehmen (5-7x EBITDA) werden auf die Plattform (10-14x EBITDA) aggregiert – aktuelle Branchen-Multiples finden Sie in unserer EBITDA-Multiples-Übersicht nach Branchen
  2. Operative Synergien: Einkaufsbündelung, Overhead-Reduktion, Cross-Selling
  3. Organisches Wachstum: Professionalisierung ermöglicht schnelleres Umsatzwachstum

Kriterien für attraktive Buy & Build-Sektoren

Nicht jeder Sektor eignet sich gleichermaßen für Buy-and-Build-Strategien. Fünf Kriterien definieren die Attraktivität:

1. Hohe Fragmentierung – Viele kleine Anbieter (idealerweise 5.000+) mit jeweils weniger als 1 % Marktanteil. Je fragmentierter der Markt, desto größer das Konsolidierungspotenzial.

2. Stabile, wiederkehrende Umsätze – Wartungsverträge, SLAs, Rahmenvereinbarungen mit Laufzeiten von 2+ Jahren. Recurring Revenue senkt das Integrationsrisiko und sichert die Debt-Service-Fähigkeit.

3. Nachfolgethematik als Dealquelle – Inhabergeführte Betriebe mit Geschäftsführern 55+ und fehlender familieninterner Nachfolge. Die Nachfolgewelle im DACH-Mittelstand ist der stärkste Deal-Flow-Treiber.

4. Regulatorische Markteintrittsbarrieren – Genehmigungen, Zertifizierungen, Meisterpflicht oder branchenspezifische Compliance-Anforderungen schützen vor neuen Wettbewerbern und sichern Margen.

5. Skalierbare Plattformlogik – Zentralisierbare Back-Office-Funktionen (IT, HR, Einkauf, Controlling), regionale Verdichtungsvorteile und Cross-Selling-Potenzial.

Sektor-Analyse

Industrieservices

Der Industrieservices-Sektor erfüllt alle fünf Kriterien in höchstem Maße. Mit über 15.000 Anbietern in Deutschland, vertragsbasierten Recurring-Revenue-Modellen und einer akuten Nachfolgeproblematik ist der Sektor das Paradebeispiel für Buy and Build. Bewertungen für Add-ons liegen bei 5-7x EBITDA, während Plattformen mit 8-12x EBITDA bewertet werden – eine attraktive Multiple-Arbitrage.

IT-Services & Managed Services

IT-Services sind aktuell das aktivste Buy-and-Build-Segment im DACH-Raum. Die Kombination aus strukturellem Wachstum (Cloud-Migration, Cybersecurity, KI), hohen Recurring-Revenue-Anteilen (70-90 %) und Premium-Bewertungen (10-14x EBITDA) macht den Sektor zum Favoriten vieler PE-Fonds. Die Multiple-Spreizung zwischen Plattform und Add-on ist mit 5-8x die höchste unter allen Sektoren.

Healthcare & Medizintechnik

Der Healthcare-Sektor bietet defensives Wachstum unabhängig von Konjunkturzyklen. Besonders attraktiv für Buy and Build sind ambulante Versorgungszentren (MVZ), Medizintechnik-Distribution und ambulante Pflege. Die MDR-Regulierung wirkt als Konsolidierungskatalysator.

Gebäudetechnik & Brandschutz

Der TGA-Sektor hat durch die Energiewende und ESG-Regulierung massiv an Attraktivität gewonnen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schafft strukturellen Bedarf an energieeffizienter Gebäudetechnik. Spezialisierte Energieeffizienz-Anbieter erzielen Bewertungsprämien von 10-13x EBITDA.

Facility Management

Der FM-Sektor bietet mit ~50 Mrd. EUR das größte Marktvolumen aller betrachteten Sektoren. Die hohe Fragmentierung bei moderaten Margen (6-10 % EBITDA) macht den Sektor für operative Wertschöpfung besonders geeignet: Durch regionale Verdichtung und Professionalisierung lassen sich Margen um 3-5 Prozentpunkte steigern.

Umwelt & Entsorgung

Der Umwelt-Sektor profitiert von einem einzigartigen regulatorischen Schutz: Genehmigungen für Entsorgungsanlagen sind schwer zu erlangen und sichern bestehende Marktteilnehmer. ESG-Regulierung und die EU-Kreislaufwirtschaft treiben zusätzliches Wachstum.

Marktumfeld 2026

Das Marktumfeld für Buy-and-Build-Strategien im DACH-Raum hat sich stabilisiert:

  • Zinsumfeld: EZB-Leitzins bei 2,0-2,5 % – deutlich unter den Spitzenwerten 2023/2024, Leveraged Buyouts sind wieder attraktiver finanzierbar
  • PE-Investitionen: PE Buy-out-Investitionen in Deutschland bei geschätzten 6-7 Mrd. EUR (2025), selektive Erholung im Small- und Mid-Cap-Segment
  • Dry Powder: Über 350 Mrd. EUR nicht investiertes Kapital bei europäischen PE-Fonds erzeugen erheblichen Investitionsdruck
  • Mid-Market Fokus: Der DACH-Mittelstand bleibt das Rückgrat des europäischen Buy-out-Markts

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Fazit & Ausblick

Buy and Build bleibt 2026 und darüber hinaus die dominante Wertschöpfungsstrategie für PE-Investoren im DACH-Mittelstand. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die Fähigkeit zur proprietären Deal Origination: Wer Add-on-Targets systematisch identifiziert – statt auf Auktionsprozesse zu warten – erzielt bessere Einstiegsbewertungen und passendere strategische Fits.

Für einen detaillierten Leitfaden empfehlen wir unseren Artikel zu den 7 Erfolgsfaktoren für Add-on-Akquisitionen. Alle Sektoranalysen finden Sie in unserem Sektorbereich. Und wenn Sie den Wert eines potenziellen Targets einschätzen möchten, nutzen Sie unseren kostenlosen Unternehmenswertrechner oder den Vergleich der Bewertungsmethoden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Buy-and-Build-Strategie?

Buy and Build ist eine PE-Investmentstrategie, bei der ein Fonds zunächst ein Plattformunternehmen (den 'Ankerkauf') erwirbt und dieses anschließend durch mehrere kleinere Add-on-Akquisitionen systematisch vergrößert. Ziel ist die Schaffung eines größeren, professioneller geführten Unternehmens mit höherem Bewertungsmultiple.

In welchen Branchen funktioniert Buy and Build am besten?

Buy and Build funktioniert am besten in fragmentierten Dienstleistungssektoren mit wiederkehrenden Umsätzen. Im DACH-Raum sind die aktivsten Sektoren: IT-Services/MSPs, Industrieservices, Healthcare (MVZ, Pflege), Facility Management und Gebäudetechnik. Gemeinsames Merkmal: hohe Fragmentierung, skalierbare Geschäftsmodelle und eine Nachfolgewelle.

Welche Renditen erzielen Buy-and-Build-Strategien?

Erfolgreiche Buy-and-Build-Strategien erzielen Renditen von 2,5–4,0× Money Multiple über eine Haltedauer von 4–6 Jahren. Die Wertschöpfung kommt aus drei Quellen: Multiple-Arbitrage (günstig kaufen, teurer verkaufen), operative Verbesserungen (Margensteigerung) und organisches Wachstum der Plattform. Die Multiple-Arbitrage trägt typischerweise 40–50 % der Gesamtrendite bei.

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