
EBITDA-Multiples DACH Q2/2026: Wie sich die Bewertungen nach Branche bewegen
Der Quartalsvergleich Q1 zu Q2 2026 für 20 DACH-Branchen: IT-Services führt mit +0,7x, Software dreht wieder hoch, Pflege und Facility Management geben nach. Mit Bewegungs-Chart, Sektor-Landkarte und Methodik.
Die EBITDA-Multiples im DACH-Mittelstand liegen in Q2/2026 je nach Branche und Größenklasse zwischen 2,4x und 10,9x. Im Quartalsvergleich zu Q1 hat sich das Bild klar gedreht: IT-Services zieht mit Abstand an (Mid Cap +0,7x auf 9,0x), Software findet nach der KI-getriebenen Korrektur von 2025 wieder Boden, und gleichzeitig geraten personalintensive Dienstleistungen wie Pflege, Facility Management und unternehmensnahe Dienste unter Druck. Für einen Unternehmer, der über einen Verkauf nachdenkt, verschiebt ein halber Umsatz-Turn im Multiple den Kaufpreis schnell in siebenstellige Regionen.
Ich werte die Bewertungslandschaft im DACH-Lower-Mid-Market quartalsweise aus, über 20 Sektoren und drei Größenklassen. Diese Auswertung zeigt, was sich von Q1 auf Q2 2026 tatsächlich verschoben hat, warum, und was das für Unternehmer und Investoren bedeutet. Die vollständige Tabelle mit allen Werten findest du in der EBITDA-Multiples-Übersicht.
Was ist ein EBITDA-Multiple, kurz erklärt
Ein EBITDA-Multiple (auch EV/EBITDA) setzt den Unternehmenswert (Enterprise Value) ins Verhältnis zum operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. In der Praxis wird er umgekehrt angewendet: bereinigtes EBITDA mal branchenüblichem Multiple ergibt den Enterprise Value. Ein IT-Dienstleister mit 2 Mio. Euro bereinigtem EBITDA und einem Multiple von 8,0x hat also einen Enterprise Value von 16 Mio. Euro, von dem anschließend die Nettofinanzschulden abgezogen werden, um den Kaufpreis für die Anteile zu ermitteln.
Der Multiple ist keine feste Zahl, sondern eine Bandbreite, die von Branche, Größe, Wachstum, Anteil wiederkehrender Umsätze und Inhaberabhängigkeit abhängt. Genau deshalb lohnt der Blick auf die branchenspezifische Bewegung: Wer den Markt nur als Ganzes betrachtet, übersieht, dass zwei Unternehmen mit identischem EBITDA je nach Sektor um den Faktor drei auseinanderliegen können. Wie die einzelne Zahl zustande kommt, erkläre ich im Leitfaden EBITDA-Multiple-Tabelle richtig lesen.
Wie hoch liegen die DACH-Multiples in Q2/2026?
Über alle 20 Branchen spannt sich die EBITDA-Bewertung in Q2/2026 von 2,4x (Konsumgüter, Micro Cap) bis 10,9x (Software & SaaS, Mid Cap). Der gewichtete Median im Small-Cap-Segment, dem Kern des inhabergeführten Mittelstands mit 5 bis 50 Mio. Euro Umsatz, liegt bei rund 5,5x bis 6,5x. Die Spitze bilden weiterhin Software, Healthcare und IT-Services, das untere Ende Konsumgüter, Fahrzeugbau und das klassische Handwerk.
Diese Niveaus sind kein Zufall, sondern spiegeln die risiko- und wachstumsadjustierte Ertragskraft. Ein Software-Unternehmen mit hohem Anteil wiederkehrender Umsätze und geringer Kapitalintensität wird strukturell höher bewertet als ein projektgetriebener Handwerksbetrieb mit volatilen Erträgen. Die Nachfrageseite bleibt kräftig: Private-Equity- und VC-Investoren steckten 2025 rund 15,69 Mrd. Euro in deutsche Unternehmen, den höchsten Stand seit 2021 (BVK, 2026). Ihr trifft auf ein wachsendes Angebot, denn bis Ende 2029 streben rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge an, etwa 109.000 pro Jahr (KfW Research, 2026). Die vollständige Aufschlüsselung nach Größenklasse inklusive EBIT- und Umsatz-Multiples liegt unter Branchen und Größenklassen.
Wie haben sich die Multiples von Q1 zu Q2 2026 bewegt?
Die interessante Frage ist nicht der Stand, sondern die Richtung. Der folgende Chart zeigt die Bewegung des Median-Multiples je Sektor von Q1 zu Q2 2026, jeweils in dem Größensegment, in dem die Verschiebung am deutlichsten ausfällt.
In Zahlen sortiert nach Veränderung:
| Sektor | Segment | Q1/2026 | Q2/2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| IT-Services & Managed Services | Mid Cap | 8,3x | 9,0x | +0,7x |
| Medien, Marketing & Agenturen | Small Cap | 5,0x | 5,5x | +0,5x |
| Nahrungs- & Genussmittel | Small Cap | 5,9x | 6,3x | +0,4x |
| Software & SaaS | Mid Cap | 9,4x | 9,7x | +0,3x |
| Logistik & Transport | Small Cap | 4,8x | 5,1x | +0,3x |
| Finanzdienstleistungen | Mid Cap | 9,0x | 8,7x | −0,3x |
| Gesundheitswesen: Pflege | Small Cap | 7,0x | 6,6x | −0,4x |
| Unternehmensnahe Dienste (B2B) | Mid Cap | 7,3x | 6,9x | −0,4x |
| Facility Management | Mid Cap | 7,6x | 7,2x | −0,4x |
Median-Multiple je Branche, EV/EBITDA. Quelle: SourcingClub-Auswertung, Q2/2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Auffällig ist die Breite der Aufwärtsbewegung am unteren und mittleren Ende. Es ist kein einzelner Ausreißer, sondern eine sektorübergreifende Erholung, gegen die sich vor allem personenabhängige Dienstleistungsmodelle stemmen. Genau diese Divergenz ist für die Bewertung eines konkreten Unternehmens wichtiger als der Gesamtdurchschnitt.
Die Aufsteiger: IT-Services führt die Erholung an
Der klarste Gewinner des Quartals ist IT-Services und Managed Services. Am Mid-Cap-Ende zieht der Median um 0,7x auf 9,0x an, im Small-Cap-Segment von 7,2x auf 7,7x. Der Treiber ist struktureller Nachfragedruck, keine Momentaufnahme. Systemhäuser und Managed-Service-Provider mit hohem Anteil wiederkehrender Umsätze sind eines der aktivsten Buy-and-Build-Felder im DACH-Raum, und der Bieterwettbewerb um die wenigen skalierbaren Plattformen hebt die Multiples. Aus laufenden Mandaten sehe ich, dass für qualifizierte MSP-Targets mit über 70 Prozent Recurring-Anteil regelmäßig am oberen Ende der Bandbreite geboten wird. Der IT-Services-Sektor bleibt damit die Branche mit dem klarsten Aufwärtsmomentum.
Ähnlich, wenn auch aus einer kleineren Ausgangsbasis, entwickelt sich das Agentur- und Marketingsegment. Der Small-Cap-Median steigt um 0,5x auf 5,5x, getragen von der Konsolidierung im Performance-Marketing und der Bündelung spezialisierter Agenturen zu größeren Verbünden. Auch Logistik und Transport erholen sich breit über alle Größenklassen, nachdem der Sektor lange als Verlierer galt. Der Small-Cap-Median klettert von 4,8x auf 5,1x, gestützt von anhaltender Konsolidierung bei Kontraktlogistikern und spezialisierten Nischenanbietern wie Pharma- und Gefahrgutlogistik. Nahrungs- und Genussmittel legen ebenfalls zu (+0,4x im Small Cap), ein defensiver Sektor, der in einem unsicheren Umfeld an Attraktivität gewinnt.
Software dreht wieder nach oben
Die vielleicht wichtigste Botschaft für die Bewertungspraxis betrifft Software und SaaS. Über weite Teile des Jahres 2025 standen Software-Multiples unter Druck, weil Käufer sorgfältiger prüften, ob bestehende Produkte durch KI-basierte Alternativen substituiert werden. Diese Neubewertung liegt inzwischen hinter dem Sektor. In Q2/2026 hat sich das Niveau stabilisiert, und am Mid-Cap-Ende dreht der Median wieder nach oben, von 9,4x auf 9,7x. Software bleibt mit einer Gesamtspanne bis 10,9x im Mid Cap die höchstbewertete Branche im DACH-Mittelstand.
Das ist kein Widerspruch zur Vorsicht des Vorjahres, sondern deren Auflösung. Der Markt hat KI zunehmend als Werttreiber statt nur als Substitutionsrisiko eingepreist. Anbieter mit klarer Datenposition, hoher Net Revenue Retention und nachweisbarer KI-Roadmap erreichen wieder das obere Ende der Bandbreite, während austauschbare Punktlösungen ohne Moat weiter selektiv bewertet werden.
„Q2/2026 ist kein gleichmäßiger Aufschwung, sondern eine Rotation. Das Kapital bezahlt Skalierbarkeit und wiederkehrende Umsätze und zieht sich aus allem zurück, was an einzelnen Köpfen hängt.
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Die Absteiger: personalintensive Dienstleistungen unter Druck
Am anderen Ende des Spektrums stehen im zweiten Quartal die personenabhängigen Dienstleistungsmodelle. Das Pflege- und Gesundheitsdienstleistungssegment gibt am Small-Cap-Ende am deutlichsten nach, der Median fällt von 7,0x auf 6,6x. Steigende Personalkosten, Fachkräftemangel und regulatorischer Druck belasten die Margen und damit die Bewertung. Am Mid-Cap-Ende trifft es Facility Management, unternehmensnahe Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen mit Rückgängen von 0,3x bis 0,4x.
Das Muster ist konsistent: Käufer bewerten Geschäftsmodelle vorsichtiger, deren Ertragskraft stark an einzelnen Personen, an manueller Leistungserbringung und an knappem Fachpersonal hängt. Skalierbarkeit und vertraglich gesicherte, wiederkehrende Umsätze werden mit einer Prämie belegt, ihr Fehlen mit einem Abschlag. Für Unternehmer in diesen Segmenten heißt das nicht, dass ein Verkauf unattraktiv wird, sondern dass die individuellen Werttreiber, allen voran die Reduktion der Inhaberabhängigkeit, über die Bewertung entscheiden.
Wo jede Branche in Q2/2026 steht
Die Bewegung ist die eine Hälfte des Bildes, das absolute Niveau die andere. Erst beide Achsen zusammen zeigen, wo eine Branche wirklich steht. Die folgende Bewertungslandschaft trägt genau das auf einer Karte ab: nach rechts das Niveau (Median-Multiple im stärksten Segment), nach oben das Momentum (Veränderung von Q1 zu Q2). Oben rechts liegen die teuren Sektoren mit Rückenwind, unten rechts die teuren, die nachgeben.
Ein reines Niveau-Ranking über alle 20 Branchen im Small-Cap-Segment liefert die folgende Landkarte, dunkler bedeutet höher bewertet.
Wer die eigene Branche hier einordnet, sollte im Hinterkopf behalten: der Abstand zwischen dem unteren und dem oberen Ende einer Branchenbandbreite ist fast immer größer als die Quartalsbewegung des Medians. Ein sauber aufgestelltes Unternehmen wird auch in einem nachgebenden Sektor am oberen Ende gehandelt.
Wie entsteht der individuelle Multiple deines Unternehmens?
Der Branchenmedian ist der Ausgangspunkt, nicht das Ergebnis. Auf ihn wirken fünf Werttreiber, die den konkreten Multiple innerhalb derselben Branche um mehr als den Faktor zwei spreizen. Erstens der Anteil wiederkehrender Umsätze: Ein Unternehmen mit 80 Prozent Vertragsumsatz wird deutlich höher bewertet als ein projektgetriebener Betrieb mit gleicher Marge. Zweitens das organische Wachstum, wobei Unternehmen mit über 10 Prozent CAGR regelmäßig einen Aufschlag erzielen. Drittens die Inhaberabhängigkeit: Je besser ein Unternehmen ohne den Gründer funktioniert, desto werthaltiger ist es für einen Käufer. Viertens die Kundenkonzentration, denn ein Klumpenrisiko mit einem Top-Kunden über 30 Prozent Umsatzanteil drückt den Multiple. Fünftens die Managementtiefe unterhalb der Inhaberebene.
Diese Treiber sind der Grund, warum zwei Maschinenbauer mit identischem EBITDA am Ende 4,5x und 6,5x erzielen können. Wer einen Verkauf plant, sollte sie nicht dem Zufall überlassen, sondern früh adressieren. Eine erste Einordnung, wo das eigene Unternehmen in der Bandbreite steht, liefert der Unternehmenswert-Rechner über acht qualitative Faktoren. Die methodische Grundlage der ganzen Auswertung dokumentiere ich in der Studie EBITDA-Multiples DACH 2026.
Das Size Premium: warum Größe den Multiple hebt
Neben der Branche ist die Unternehmensgröße der stärkste Hebel. Über alle Sektoren liegen Mid-Cap-Multiples typischerweise 1,5x bis 3,0x über Micro Cap. Bei IT-Services reicht die Spanne von 5,7x bis 6,8x im Micro-Cap-Segment bis 7,8x bis 10,2x im Mid Cap, eine Differenz von fast drei Umsatz-Turns am oberen Ende. Der Grund ist kein Selbstzweck: Größere Unternehmen sind weniger inhaberabhängig, breiter diversifiziert, professioneller organisiert und für institutionelle Käufer wie Private-Equity-Fonds überhaupt erst zugänglich.
Dieses Size Premium ist die ökonomische Grundlage jeder Buy-and-Build-Strategie. Ein Finanzinvestor kauft eine Plattform zu einem mittleren Multiple und ergänzt kleinere Add-ons, die einzeln niedriger bewertet sind. Allein durch die Integration steigt der Multiple des Gesamtverbunds. Für einen kleineren Unternehmer heißt das: Ein Verkauf an eine bestehende Plattform kann einen höheren effektiven Multiple bedeuten, als der Standalone-Wert vermuten lässt. Die vollständige Aufschlüsselung nach allen drei Größenklassen liegt unter Branchen und Größenklassen.
EBIT- und Umsatz-Multiples als zweite Perspektive
EBITDA ist die meistverwendete Bezugsgröße, aber nicht die einzige. Für kapitalintensive Branchen wie Maschinenbau, Logistik oder Metallverarbeitung ist der EBIT-Multiple die konservativere Kennzahl, weil er über die Abschreibungen die realen Reinvestitionskosten berücksichtigt. EBIT-Multiples fallen deshalb höher aus als EBITDA-Multiples desselben Unternehmens, im DACH-Mittelstand je nach Branche zwischen rund 4x und 10x. Ich weise sie parallel zu den EBITDA-Werten aus, weil ein Käufer in abschreibungsintensiven Sektoren genau hinschaut, wie viel vom EBITDA nach notwendigen Investitionen übrig bleibt. Die Systematik dahinter erkläre ich unter Unternehmenswert per EBIT.
Für stark skalierende oder noch nicht durchgängig profitable Geschäftsmodelle, vor allem im Software- und SaaS-Bereich, greifen Käufer zusätzlich zum Umsatz-Multiple. Typische Werte reichen im Mittelstand von 0,3x im margenschwachen Handel bis über 2,0x bei wiederkehrenden Software-Umsätzen. Der Umsatz-Multiple ist gröber als eine EBITDA-Bewertung, liefert aber eine schnelle Plausibilitätsprüfung. In der Praxis kombiniere ich beide Perspektiven, um die EBITDA-Indikation gegen einen zweiten Anker zu spiegeln.
Vom Multiple zum Kaufpreis: was noch dazwischen steht
Die Formel Enterprise Value gleich EBITDA mal Multiple beschreibt nur die halbe Wahrheit. Zwischen dem Multiple-basierten Unternehmenswert und dem Betrag, den ein Unternehmer am Closing tatsächlich erhält, liegen mehrere Brücken. Der Enterprise Value wird auf cash-and-debt-free-Basis ermittelt, also werden Nettofinanzschulden abgezogen und überschüssige Liquidität addiert. Hinzu kommen eine Working-Capital-Anpassung, oft eine Earn-Out-Komponente und gelegentlich ein Verkäuferdarlehen. Ein nomineller Multiple von 7,0x kann so zu einem effektiven Cash-at-Closing von 5,0x werden, wenn ein erheblicher Teil des Kaufpreises erfolgsabhängig oder verzögert fließt.
Für die Verhandlung ist das entscheidend. Wer nur den Multiple im Blick hat und die Kaufpreisbrücke ignoriert, handelt sich Enttäuschungen ein. Die Schritte von der Multiple-Bewertung zum verbindlichen Preis fasse ich in der Kaufpreisermittlung zusammen. Grundlage jeder belastbaren Indikation bleibt das sauber normalisierte EBITDA, denn kein seriöser Käufer zahlt einen Multiple auf das rein buchhalterische Ergebnis.
Deutschland, Österreich und die Schweiz im Vergleich
Die drei DACH-Märkte bewegen sich auf vergleichbarem Niveau, mit systematischen Nuancen. In der Schweiz liegen die Multiples tendenziell 0,5x bis 1,0x höher, getragen von höherem Margen- und Lohnniveau, politischer Stabilität und der internationalen Ausrichtung vieler Schweizer KMU. Österreich entspricht weitgehend dem deutschen Niveau, mit leichten Abschlägen in strukturschwachen Regionen. In allen drei Märkten gilt jedoch: Den tatsächlichen Preis bestimmt der lokale Wettbewerb um Akquisitionsziele, nicht der Ländermedian. Ein knappes Target in einem konsolidierenden Nischenmarkt wird auch in einer strukturschwachen Region hoch bewertet, während ein austauschbarer Betrieb selbst im Ballungsraum am unteren Ende gehandelt wird.
Für grenzüberschreitende Käufer kommt die Regulierungs- und Stabilitätsebene hinzu. Schweizer Targets werden häufig mit einem Stabilitätsaufschlag gehandelt, während der deutsche Markt vor allem schiere Menge bietet: Für den Zeitraum 2026 bis 2030 steht allein in Deutschland für rund 186.000 Unternehmen eine Nachfolge an (IfM Bonn, 2025). Wer als Investor die richtige Region mit dem richtigen Sektor kombiniert, findet den Zugang, den ein breiter Investoren-Fokus allein nicht liefert.
Was das für Unternehmer und Investoren heißt
Für einen Unternehmer in einem der Aufsteigersektoren, allen voran IT-Services, Software und Logistik, ist das Fenster derzeit strukturell günstig. Ein breiter Bieterkreis und steigende Multiples verbessern nicht nur den Preis, sondern auch die Struktur und die Wahl des Partners. In nachgebenden Segmenten gilt die umgekehrte Logik: nicht auf eine Markterholung warten, sondern die individuellen Werttreiber aktiv stärken, bevor ein Prozess startet.
Für Investoren verschiebt die Divergenz die Jagdgründe. Wo die Multiples anziehen, steigt der Wettbewerb, und der Zugang entscheidet: Wer ein Target off-market und vorqualifiziert auf den Tisch bekommt, zahlt strukturell weniger als im Auktionsprozess. Genau das ist der Kern von Deal Origination, dem systematischen, proaktiven Aufbau von Zugang zu Unternehmen, bevor sie auf dem Markt erscheinen. Welcher Käufertyp am Ende welchen Multiple zahlt und warum ein Finanzinvestor anders rechnet als ein strategischer Käufer, vertiefe ich unter PE-Investor vs. strategischer Käufer.
Eine erste, unverbindliche Einordnung für ein konkretes Unternehmen liefert der Unternehmenswert-Rechner, der bereinigtes EBIT mal branchen- und größenspezifischem Multiple rechnet. Wer verkaufen will, sollte parallel das EBITDA sauber normalisieren, denn kein seriöser Käufer zahlt einen Multiple auf das buchhalterische Ergebnis.
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Die Werte sind meine eigene Aggregation aus Transaktions- und Branchendaten über 20 DACH-Sektoren und drei Größenklassen: Micro Cap unter 5 Mio., Small Cap 5 bis 50 Mio., Mid Cap über 50 Mio. Euro Umsatz. Zielgruppe sind KMU mit einem bereinigten EBITDA zwischen 0,5 und 5 Mio. Euro. Alle Angaben sind EV/EBITDA-Multiples und rollen quartalsweise. Der hier gezeigte Vergleich stellt die Q1/2026-Fassung der Q2/2026-Fassung gegenüber. Die Multiples sind eine Orientierung für die Deal-Origination- und Transaktionspraxis und ersetzen keine individuelle Unternehmensbewertung.
Bewusst arbeite ich mit dem bereinigten Mittelstands-EBITDA, nicht mit Large-Cap-Benchmarks. In PwC-Studien oder Multiple-Barometern ausgewiesene Werte basieren überwiegend auf börsennotierten Vergleichsgruppen und liegen für dieselbe Branche oft 20 bis 40 Prozent höher. Diese Lücke ist nicht statistisches Rauschen, sondern die Summe aus Size Discount, Illiquiditätsabschlag und Inhaberrisiko, die im Lower Mid-Market strukturell wirkt.
Ausblick Q3/2026
Für das dritte Quartal erwarte ich, dass sich die Divergenz eher verstärkt als auflöst. Die Treiber der Aufsteiger sind strukturell: Der Konsolidierungsdruck in IT-Services und bei Agenturen hält an, solange Plattformen Nachschub für ihre Buy-and-Build-Strategien brauchen, und das PE-Kapital sucht weiter Qualität. Auf der Gegenseite dürfte der Kostendruck in personalintensiven Dienstleistungen anhalten, solange der Fachkräftemangel nicht nachlässt.
Zwei Faktoren können das Bild kippen. Erstens die Zinsentwicklung: Ein deutlicher Zinsanstieg würde die fremdfinanzierten Mid-Cap-Bewertungen zuerst treffen. Zweitens ein KI-getriebener Bruch in einzelnen Software-Nischen, der die gerade gefundene Stabilisierung erneut infrage stellen könnte. Für Unternehmer bleibt die Konsequenz unabhängig vom Szenario dieselbe: Wer die eigenen Werttreiber kennt und sauber dokumentiert, verhandelt aus einer Position der Stärke, egal wohin sich der Branchenmedian bewegt. Ich aktualisiere diese Auswertung zu Beginn jedes Quartals; die nächste Fassung folgt für Q3/2026.
Wenn ein langfristiger Partner oder ein strukturierter Verkaufsprozess für dein Unternehmen perspektivisch ein Thema werden könnte, ist ein kurzer, vertraulicher Austausch jederzeit möglich. Die passende Käuferseite finde ich über meine Deal-Origination-Boutique, kuratiert und auf der Käuferseite mandatiert.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch sind die EBITDA-Multiples im DACH-Mittelstand in Q2/2026?
In Q2/2026 liegen die EBITDA-Multiples je nach Branche und Größenklasse zwischen 2,4x und 10,9x. Die höchsten Bewertungen erzielen Software und SaaS (bis 10,9x im Mid Cap), Healthcare und IT-Services. Am unteren Ende stehen Konsumgüter, Fahrzeugbau und das klassische Handwerk. Der gewichtete Median im Small-Cap-Segment, also bei inhabergeführten Unternehmen mit 5 bis 50 Mio. Euro Umsatz, liegt bei rund 5,5x bis 6,5x. Die Werte gelten für KMU mit einem bereinigten EBITDA zwischen 0,5 und 5 Mio. Euro. Innerhalb einer Branche spreizt zusätzlich das Size Premium: Größere Unternehmen werden systematisch höher bewertet, Mid-Cap-Multiples liegen typischerweise 1,5x bis 3,0x über Micro Cap.
Welche Branchen sind von Q1 zu Q2 2026 gestiegen, welche gefallen?
Gestiegen sind vor allem IT-Services (Mid Cap +0,7x auf 9,0x), Medien und Marketing (+0,5x), Nahrungs- und Genussmittel (+0,4x), Software (+0,3x am Mid-Cap-Ende) und Logistik (+0,3x). Unter Druck geraten sind personalintensive Dienstleistungen: das Pflege-Segment gibt am Small-Cap-Ende 0,4x nach, am Mid-Cap-Ende fallen Facility Management, unternehmensnahe Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen um 0,3x bis 0,4x. Die Bewegung ist breit und divergent, nicht ein einzelner Ausreißer. Am unteren und mittleren Ende überwiegt die Erholung, gegen die sich vor allem personenabhängige Modelle stemmen. Für die Bewertung eines konkreten Unternehmens ist diese branchenspezifische Divergenz wichtiger als der Marktdurchschnitt.
Warum steigen die IT-Services-Multiples 2026?
IT-Services und Managed Services sind eines der aktivsten Buy-and-Build-Felder im DACH-Raum. Systemhäuser und Managed-Service-Provider mit hohem Anteil wiederkehrender Umsätze sind knapp, und der Bieterwettbewerb um die wenigen skalierbaren Plattformen treibt die Multiples. In Q2/2026 zieht der Median am Mid-Cap-Ende um 0,7x auf 9,0x an. Der Grund ist strukturell: Solche Plattformen brauchen laufend Nachschub für ihre Buy-and-Build-Strategien, und vertraglich gesicherte, wiederkehrende Umsätze sind planbar und damit gut finanzierbar. Für qualifizierte Targets mit über 70 Prozent Recurring-Anteil wird regelmäßig am oberen Ende der Bandbreite geboten, reine Projektdienstleister werden dagegen vorsichtiger bewertet.
Sind die Software-Multiples 2026 wieder gestiegen?
Ja. Nachdem Software- und SaaS-Multiples 2025 unter der KI-getriebenen Neubewertung gelitten hatten, hat sich das Niveau in Q2/2026 stabilisiert, und am Mid-Cap-Ende dreht der Median wieder nach oben, von 9,4x auf 9,7x. Software bleibt mit einer Gesamtspanne bis 10,9x die höchstbewertete Branche im DACH-Mittelstand. Der Markt bewertet KI zunehmend als Werttreiber statt nur als Substitutionsrisiko. Anbieter mit klarer Datenposition und hoher Net Revenue Retention erreichen wieder das obere Ende, während austauschbare Punktlösungen ohne technologischen Vorsprung selektiv bewertet bleiben. Die Trendwende ist also keine pauschale Erholung, sondern eine Belohnung für Anbieter mit echtem Moat.
Welchen EBITDA-Multiple zahlt Private Equity für ein inhabergeführtes Unternehmen?
Das hängt stark von Branche und Größe ab. Über alle Sektoren liegen Mid-Cap-Multiples typischerweise 1,5x bis 3,0x über Micro Cap, weil größere Unternehmen weniger inhaberabhängig und für Finanzinvestoren überhaupt erst zugänglich sind. Ein kleineres, stark inhabergeführtes Unternehmen wird deutlich unter dem Branchenmedian gehandelt. Ein Verkauf an eine bestehende Plattform kann dagegen einen höheren effektiven Multiple bedeuten, weil das Size Premium der Gruppe zugutekommt. Entscheidend sind wiederkehrende Umsätze, Wachstum und die Reduktion der Inhaberabhängigkeit. Ein professionell gemanagtes Unternehmen mit dokumentierten Prozessen und einer zweiten Führungsebene erzielt spürbar mehr als ein Betrieb, der ohne den Gründer nicht funktioniert.
Wie oft werden die EBITDA-Multiples aktualisiert?
Ich werte die Multiples quartalsweise aus, über 20 DACH-Sektoren und drei Größenklassen. So bilde ich die Marktbewegung zeitnah ab, statt auf eine jährliche Momentaufnahme zu warten. Der hier gezeigte Vergleich stellt die Q1/2026-Fassung der Q2/2026-Fassung gegenüber, die nächste Aktualisierung folgt für Q3/2026. Die Größenklassen sind nach Umsatz definiert: Micro Cap unter 5 Mio., Small Cap 5 bis 50 Mio., Mid Cap über 50 Mio. Euro. Die Werte sind bereinigte EV/EBITDA-Multiples und immer als eigene Auswertung gekennzeichnet. Sie dienen als Orientierung für die Bewertungs- und Deal-Origination-Praxis und ersetzen keine individuelle Unternehmensbewertung.
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