Wissen · Buy-and-Build

Buy-and-Build im DACH‑Mittelstand

Wie aus einer Plattform und mehreren Zukäufen eine Gruppe wird, woran man eine tragfähige Plattform erkennt und warum der deutschsprachige Raum beim Zukaufen noch hinter dem Norden Europas liegt.

Stand: 5. November 2026 · 9 min · Nick Herbig

Beispielhafte Gruppe · Wartung, Sitz StuttgartStandorte
  1. Stufe 00Plattform, 6 Standorte in Baden-WürttembergBasis
  2. Stufe 01Kältetechnik, Bayern+3
  3. Stufe 02Lüftung, Nordrhein-Westfalen+2
  4. Stufe 03Gebäudeautomation, Sachsen und Thüringen+3

Schematisches Beispiel. Österreich und die Schweiz sind noch offen.

WIEN · OFFENZÜRICH · OFFENPlattform6 STANDORTEKältetechnik+3 STANDORTELüftung+2 STANDORTEGebäudeautomation+3 STANDORTE

01 · Auf einen Blick

Buy-and-Build heißt, eine Plattform zu kaufen und sie über mehrere Zukäufe zu einer Gruppe auszubauen.

Die Gruppe bündelt Verwaltung und Einkauf, die zugekauften Firmen behalten ihr Kerngeschäft. In Europa ist das inzwischen der häufigste Weg, über den Private Equity zukauft. Den Begriff erkläre ich kurz auch im Glossar, die Suche nach Plattform und Zukäufen beginnt mit Deal Origination.

71,4 %

der PE-Buyouts in Europa waren in Q1 2026 Zukäufe für eine bestehende Plattform, ein Zehnjahreshoch

PitchBook, 08.04.2026

67,4 %

Anteil der Zukäufe an allen europäischen PE-Buyouts im Gesamtjahr 2025

PitchBook, 08.04.2026

41 %

der PE-Beteiligungen in DACH haben 2019 bis 2024 zugekauft, im Norden Europas 55 %

PwC/Gainpro, 03/2025

2,7×

schnelleres Umsatzwachstum bei mehr als fünf Zukäufen gegenüber keinem Zukauf (Median)

PwC/Gainpro, 03/2025

02 · Begriff

Was Buy‑and‑Build von einem Roll‑up unterscheidet

Beide Wege führen zu einer Gruppe. Beim Buy-and-Build steht am Anfang eine gut entwickelte Plattform, die Schritt für Schritt ergänzt wird. Ein Roll-up fasst viele kleine Firmen schnell zusammen.

Zwei Wege zur Gruppe · schematisch

Abgrenzung nach PwC/Gainpro, 03/2025

Buy-and-Build

PlattformGUT ENTWICKELTZukauf 1eigene PrüfungZukauf 2eigene PrüfungZukauf 3eigene PrüfungÜBER DIE HALTEDAUER

Eine Plattform mit Führung und Systemen, an die nacheinander passende Firmen andocken. Jeder Zukauf wird für sich geprüft und finanziert.

Roll-up

Eine EinheitSCHNELL ZUSAMMENGEFASSTstandardisierte Prüfung

Viele kleinere Firmen werden in kurzer Zeit zusammengeführt, um Marktanteil zu gewinnen, meist mit standardisierter Prüfung.

Plattform

Die erste Beteiligung, um die herum die Gruppe entsteht. Sie braucht Führung, Systeme und Größe. Platform-Akquisition im Glossar

Add-on

Jeder weitere Zukauf, meist kleiner als die Plattform. Er schließt eine Lücke in Region, Leistung oder Kundensegment. Add-on-Akquisition

Gruppe

Das Ergebnis: eine gemeinsame Verwaltung, mehrere Standorte und ein größerer Wert beim späteren Verkauf. In der Praxis verschwimmt die Grenze zum Roll-up, die Frage nach der tragfähigen Plattform bleibt.

03 · Markt

Sieben von zehn Buyouts in Europa sind Zukäufe

Seit Anfang 2026 bauen Investoren lieber bestehende Plattformen aus, als neue zu kaufen. Der deutschsprachige Raum kauft dabei seltener und weniger zu als der Norden Europas.

Von 10 PE-Buyouts in Europa

PitchBook, 08.04.2026
202567,4 %
Q1 202671,4 %
Add-on für eine bestehende Plattformneue Plattform oder Einzelkauf

Anteil nach Zahl der Deals. Q1 2026 ist der höchste Wert seit zehn Jahren.

DACH im Vergleich · 2019 bis 2024

PwC/Gainpro, 03/2025

Anteil der Beteiligungen mit Zukäufen

Nordics55 %
DACH41 %

Zukäufe je Beteiligung

Nordics4,7
DACH3,1

Die neueste Auswertung, die DACH einzeln ausweist.

Umsatzwachstum nach Zahl der Zukäufe

PwC/Gainpro, 03/2025
0 %5 %10 %15 %20 %7,6 %kein Zukauf10,8 %1 bis 315,9 %3 bis 520,4 %mehr als 5Zahl der Zukäufe je Beteiligungrund 2,7-fach
Median, jährliches Umsatzwachstum über fünf Jahre (CAGR), europäische PE-Beteiligungen. Quelle: PwC, „Unlocking value with buy-and-build strategies in the DACH private equity market“, März 2025, S. 4 (Daten: Gainpro)

Beteiligungen mit mehr als fünf Zukäufen sind im Median um 20,4 % pro Jahr gewachsen, ohne Zukauf waren es 7,6 %.

Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis. Gruppen, die viel zukaufen, haben oft schon vorher eine starke Plattform und Zugang zu Kapital.

Warum der Anteil steigt

Zukäufe sind kleiner und weniger riskant als eine neue Plattform. In unsicheren Märkten bleiben Investoren deshalb bei dem, was sie schon halten.

Was DACH unterscheidet

Weniger Beteiligungen kaufen zu, und die, die es tun, kaufen weniger oft. PwC nennt den Markt kleinteilig und sieht darin ungenutztes Potenzial.

Was daraus folgt

Wer in DACH eine Plattform hält, findet viele mögliche Zukäufe, die noch niemand angesprochen hat. Wie Größe auf den Preis wirkt, zeigen die EBITDA-Multiples im DACH-Raum.

04 · Das Modell

Eine Verwaltung für vier Firmen

Buy-and-Build bündelt, was jede Firma für sich doppelt vorhält. Qualitätsmanagement, Backoffice, Einkauf und IT laufen danach einmal für die ganze Gruppe. Kerngeschäft, Kunden und Name bleiben dort, wo sie gewachsen sind.

Gruppe · Aufbau

Schematisch, keine reale Gruppe
2418126
Verwaltungsfunktionen, je Firmagemeinsam für die Gruppe
  1. 01

    Vier Firmen, vier Verwaltungen

  2. 02

    Anbindung Firma für Firma

  3. 03

    Eine Verwaltung, 14 Standorte

Plattform

Wartung & InstandsetzungKern · 6
QM
Backoffice
Vertrieb
Einkauf
Recruiting
IT

Zukauf 01

KältetechnikKern · 3
QM
Backoffice
Vertrieb
Einkauf
Recruiting
IT

Zukauf 02

LüftungKern · 2
QM
Backoffice
Vertrieb
Einkauf
Recruiting
IT

Zukauf 03

Gebäude­automationKern · 3
QM
Backoffice
Vertrieb
Einkauf
Recruiting
IT

Was gebündelt wird

Qualitätsmanagement, Backoffice, Vertrieb, Einkauf, Recruiting und IT. Jede Funktion läuft danach einmal für die ganze Gruppe statt in jeder Firma.

Was vor Ort bleibt

Kerngeschäft, Kunden und Name. Oft führt der frühere Inhaber seinen Standort für eine Übergangszeit weiter.

Was es voraussetzt

Eine Plattform, die Verwaltung für andere übernehmen kann. Woran man sie erkennt, steht im nächsten Abschnitt.

05 · Plattform erkennen

Woran man eine tragfähige Plattform erkennt

Die Frage ist nicht, ob eine Firma gut ist, sondern ob sie weitere Firmen tragen kann. Am deutlichsten wird das, wenn man gedanklich einen Standort dazunimmt.

Belastungsprobe · ein Standort mehr

schematisch
  1. 01

    Gedanklich ein Standort mehr

  2. 02

    Wo der Standort andockt

  3. 03

    Was am Inhaber hängt

Firma A · alles beim InhaberBeispiel
NEUSTO 1STO 2STO 3VERTR.EINK.TECHN.BUCHH.PERS.Inh.
Direkt beim Inhaber89
Systeme, an die der Standort muss4
Zukauf im Verhältnis zur Firma60 %

Gute Firma, schwache Plattform. Für eine andere Gruppe oft ein passender Zukauf.

Firma B · zweite FührungsebeneBeispiel
TECHNIKVERTRIEBSTANDORTENEUInh.
Direkt beim Inhaber3
Systeme, an die der Standort muss1
Zukauf im Verhältnis zur Firma20 %

Trägt eine Gruppe. Der neue Standort hat einen Platz, der Inhaber bleibt frei für die nächste Entscheidung.

Zwei schematische Firmen auf derselben Skala. Welche Größe genügt, hängt an der Investmentthese.

Zweite Führungsebene

Standorte, Vertrieb oder Technik laufen ohne den Inhaber. Fehlt diese Ebene, wächst die Gruppe nur so schnell, wie eine Person entscheiden kann.

Systeme, die mitwachsen

Buchhaltung, Controlling, Einsatzplanung und IT nehmen einen weiteren Standort auf, ohne neu gebaut zu werden. Spätestens die Due Diligence zeigt es.

Genug Größe

Zukäufe bleiben neben der Plattform klein genug zum Einbinden. Welche Größe genügt, legt die Investmentthese fest, etwa im Search-Mandat.

06 · Add-on

Ein gutes Add-on schließt eine Lücke

Ein Zukauf lohnt sich, wenn er etwas mitbringt, das der Plattform fehlt: eine Region, eine Leistung oder eine Kundengruppe. Ein zweiter Standort, wo schon einer ist, bringt meist wenig.

Lückenprofil · Region × Leistung

schematisch

Kandidat A · füllt drei Lücken

Kandidat B · doppelt, was da ist

Plattform deckt abZukauf bringt neuZukauf doppeltoffen

Region, Leistung, Kunden

Die Lücke steht in der Investmentthese. Gesucht wird gegen dieses Profil, nicht nach dem, was gerade zum Verkauf steht. Wie daraus eine laufende Pipeline wird, zeigt das Add-on-Sourcing.

Kleiner als die Plattform

Ein Add-on muss sich einbinden lassen und braucht keine eigene Verwaltung auf Gruppenniveau. Ein eingespieltes Team und treue Kunden reichen.

Warum es Wert schafft

Größere Gruppen erzielen beim Verkauf meist ein höheres Vielfaches ihres Ertrags als kleine Einzelfirmen. Daraus entsteht die Multiple Arbitrage.

07 · Typische Fehler

Wo Buy‑and‑Build-Strategien ins Stocken geraten

Die meisten Fehler entstehen nicht beim Kauf selbst, sondern davor und danach. Hier stehen sie an der Stelle des Ablaufs, an der sie passieren.

Ablauf einer Buy-and-Build-Strategie

über die Haltedauer
  1. These

    Markt, Lücken, Zielbild

  2. Plattform

    erste Beteiligung

    FEHLER 1

    Plattform trägt noch nicht

  3. Zukäufe finden

    Ansprache, Gespräche

    FEHLER 2

    Kaufen, was gerade angeboten wird

  4. Integration

    Systeme, Team

    FEHLER 3

    Integration zu spät geplant

  5. Gruppe

    Verkauf oder Ausbau

    FEHLER 4

    Inhaber und Team nicht mitgenommen

1 · Plattform

Hängt noch alles am Inhaber, bremst jeder Zukauf die Plattform, statt sie zu stärken. Die Belastungsprobe zeigt es vorher.

2 · Zukäufe finden

Wer nur Angebote aus Auktionen prüft, kauft nach Verfügbarkeit und zahlt Wettbewerbspreise. Wie sich der Preis zusammensetzt, steht unter Kaufpreisermittlung.

3 · Integration

IT, Buchhaltung und Preise lassen sich nicht nebenbei angleichen. Der Plan dafür gehört vor den Letter of Intent.

4 · Menschen

Kunden hängen oft am Inhaber. Geht er zu früh, geht ein Teil des Werts mit. Für Inhaber erkläre ich den Ablauf unter Unternehmen verkaufen.

08 · Branchen

In welchen Branchen Buy‑and‑Build trägt

Buy-and-Build trägt dort, wo viele kleine Firmen dasselbe tun und eine Gruppe mehr schafft als jede allein. Jede Zeile führt zur Sektoranalyse.

REGION

neues Gebiet, gleiche Leistung

Dieselbe Leistung in einem neuen Gebiet. Typisch für Wartung, Prüfung und Entsorgung, wo Kunden kurze Wege erwarten.
LEISTUNG

neue Leistung, gleiche Kunden

Eine neue Leistung für dieselben Kunden. Der Zukauf bringt Technik oder Wissen mit, das die Plattform selbst erst aufbauen müsste.
KUNDEN

neues Kundensegment

Ein neues Kundensegment für dieselbe Leistung, häufig bei Software. Mehr dazu in den Sektoranalysen.

09 · Zugang

Die passenden Zukäufe stehen selten in einer Auktion

Viele Inhaber denken Jahre vor dem Verkauf über die Nachfolge nach. Wer sie in dieser Zeit anspricht, ist oft der einzige Gesprächspartner. Später sitzen mehrere Bieter am Tisch.

Zeitachse eines Inhabers bis zum Verkauf

schematisch
  1. Erste Gedanken

    Nachfolge ungeklärt

  2. Offen für Gespräche

    kein Verkaufsprozess

    1 Investor im Gespräch

    Fenster für die direkte Ansprache

  3. Berater mandatiert

    Teaser, Käuferliste

  4. Auktion

    Preis im Wettbewerb

    viele Bieter

Für den Inhaber

Er lernt einen Käufer kennen, ohne einen Verkaufsprozess zu starten. Ob es weitergeht, entscheidet er selbst.

Für den Investor

Er spricht als Einziger mit einer Firma, die genau ins Lückenprofil passt. Das ist der Kern von proprietärem Deal Flow, mehr unter Deals sourcen und Dealflow aufbauen.

Wie ich dabei helfe

Ich finde diese Firmen über eine Longlist mit Market-Mapping und spreche die Inhaber vertraulich an, per Direktansprache.

10 · FAQ und Quellen

Häufige Fragen zu Buy‑and‑Build

Wenn Sie eine Plattform suchen oder Zukäufe für eine bestehende Plattform brauchen, finden Sie die Leistung auf sourcingclub.de unter Buy-and-Build. Welche Sektoren sich besonders eignen, steht im Beitrag Buy & Build im DACH-Raum. Weitere Grundlagen stehen unter Wissen und für Investoren.

Was ist der Unterschied zwischen Buy-and-Build und einem Roll-up?

Bei Buy-and-Build kauft ein Investor eine gut entwickelte Plattform und ergänzt sie Schritt für Schritt um passende Firmen, jeweils mit eigener Prüfung und Finanzierung. Ein Roll-up fasst dagegen mehrere kleinere Firmen schnell zusammen, um Marktanteil zu gewinnen, meist mit standardisierter Prüfung. PwC beschreibt diese Abgrenzung in seiner Studie zum DACH-Markt vom März 2025.

Wie viele Zukäufe macht eine Buy-and-Build-Gruppe im Schnitt?

Im DACH-Raum kamen PE-Beteiligungen, die zwischen 2019 und 2024 zugekauft haben, im Schnitt auf 3,1 Zukäufe. In den nordischen Ländern waren es 4,7. Die Zahlen stammen aus der PwC-Studie vom März 2025 auf Basis von Gainpro-Daten.

Warum steigt der Wert einer Gruppe durch Zukäufe?

Größere Unternehmen werden in der Regel zu höheren EBITDA-Multiples gehandelt als kleine. Kauft eine Plattform kleinere Firmen zu niedrigeren Multiples zu, wird deren Ergebnis beim Verkauf der Gruppe mit dem höheren Multiple bewertet. Dazu kommen gemeinsame Verwaltung und Einkauf. Wie groß der Effekt ist, hängt an Branche, Integration und Zeitpunkt.

Ab welcher Größe taugt eine Firma als Plattform?

Eine feste Umsatzschwelle gibt es nicht. Entscheidend sind eine zweite Führungsebene, Systeme, die weitere Standorte tragen, und genug Größe, damit Zukäufe daneben klein bleiben. Welche Größe genügt, legt die Investmentthese des Käufers fest.

Was bedeutet Buy-and-Build für einen Inhaber, der verkauft?

Als Zukauf bleibt eine Firma meist mit Team, Kunden und Namen bestehen und gibt Aufgaben wie Buchhaltung oder Einkauf an die Gruppe ab. Oft beteiligt sich der Inhaber an der Gruppe oder bleibt für eine Übergangszeit in der Führung. Als Plattform wird die Firma selbst zum Kern, um den herum zugekauft wird.

Wo finden Investoren Plattformen und Zukäufe außerhalb von Auktionen?

Viele passende Firmen im Mittelstand stehen nicht zum Verkauf. Sie werden über Direktansprache gefunden, bevor ein Verkaufsprozess beginnt. Wie das systematisch abläuft, beschreibe ich unter Deal Origination und auf den Seiten zum Search-Mandat und zum Add-on-Sourcing.

Plattform oder Zukauf gesucht?

Erzählen Sie mir von Ihrer These. Im vertraulichen Erstgespräch kläre ich, ob und wie ich Plattform oder Zukäufe für Sie finde.

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